Kultur | 20.12.2010

Im Westen rollt Neues

Trams gehören zu Bern. Seit dem 12. Dezember befahren sie die Stadt nun auch westwärts. Insbesondere für Bümpliz und die umliegenden Quartiere bedeutet dies einen Komfortgewinn. Ungewohnt sind die neuen Nummern und Farben aber trotzdem. Ein Reisebericht.
Bern Brünnen mit dem grossen Einkaufszentrum kann erstmals per Tram erreicht werden.
Bild: Stefan Häderli. Fast ein wenig wie im Märchen: Blick von der Spitalgasse aus in Richtung Käfigturm. Links das neuerdings blaurote Bähnli.

Den ganzen Nachmittag hat es in Bern geschneit an diesem Freitag. Nur noch wenige Minuten, bis die Kirchenglocken das Wochenende vieler Arbeitstätigen einläuten. Aus der Spitalgasse schimmert eine Kombination von Neuschnee und Weihnachtsbeleuchtung, die die ganze Stadt in eine festliche Atmosphäre taucht. Aus eben jener Gasse fährt nun ein Tram ein. Es ist rot, wie die meisten Trams von Bernmobil, bedient jedoch keine altehrwürdige Berner Tramlinie Richtung Guisanplatz, Wabern oder Ostring. Es ziert sich auch nicht mit einer der bekannten Nummern 3 oder 5, ebenso wenig handelt es sich um das “Nünitram”, welches Mani Matter mit einem gleichnamigen Lied schweizweit bekannt machte. Das Tram trägt die Nummer 8 und fährt nach “Brünnen Westside Bahnhof”.

 

Pendler bereits eingependelt

Überfüllte S-Bahn-Züge und Busse können so umgangen werden. Im Tram Nr. 8 findet um fünf Uhr abends im Zentrum Berns jeder Fahrgast einen Sitzplatz. Dies vermag angenehm zu überraschen. Niemand scheint sich hier zu fragen, wie wohl bis vor einer Woche all die Pendler in einen Bus gepasst haben mögen. Ist das Tram Nr. 8, das sich durch das winterliche Bern auf Richtung Westen macht, bei den Passagieren bereits eine Selbstverständlichkeit? Am Loryplatz jedenfalls wirkt die Ein- und Aussteigprozedur so eingependelt, als hätte es gar nie einen Loryplatz ohne Tram gegeben.

 

“Bethlehem Kirche”, ertönt die Durchsage. Der an die Weihnachtsgeschichte erinnernde Name der Haltestelle unterstreicht die winterliche Stimmung an diesem Abend. Als das Tram schliesslich via Tscharnergut und Gäbelbach am Brünnen Westside Bahnhof eintrifft, werden alle Passagiere in die klirrende Kälte entlassen. Noch bevor die letzten im Wärme bietenden, grell beleuchteten Einkaufszentrum verschwunden sind, verlässt Tram Nr. 8 die Endstation in Richtung Saali. Dass eine Minute später bereits das nächste Tram auf den Gilberte-de-Courgenay-Platz rollt, zeigt, wie mobil die neuen Tramlinien Bern West machen.

 

“FC Basel-Fantram” kurvt durch die Gassen

Nicht nur im Westen hat es Änderungen gegeben für die Nutzer des öffentlichen Verkehrs. Das “blaue Bähnli” fährt jetzt von Worb her nicht mehr nur bis Zytglogge, sondern via Bahnhof bis Fischermätteli. Aber ein blaues Bähnli, das durch die ganze Stadt fährt, ist irgendwie kein blaues Bähnli mehr. Nicht nur, weil die Endstation traditionell auf dem Casinoplatz beim Zytglogge gewesen ist. Der RBS (Regionalverkehr Bern-Solothurn), der das blaue Bähnli betreibt, arbeitet nun enger mit Bernmobil zusammen. Schliesslich ist bis vor Kurzem noch das Tram Nr. 5 ins Fischermätteli gefahren. Deshalb hat das neue Bähnli im Mittelteil das Rot von Bernmobil angenommen. Als “FC Basel-Fantram” kurvt nun das blaurote Bähnli durch Berns Gassen und macht dabei einen etwas verlorenen Eindruck.

 

Trams gehören zu Bern und Berner lieben Trams. Dies ist ein altbekannter Fakt. Für einige Berner mögen Tram Nr. 7 nach Bümpliz, Nr. 8 nach Brünnen Westside Bahnhof und Nr. 6 nach Worb noch etwas Befremdendes haben. Sei es, weil die Trams mit anderer Nummerierung oder neuer Farbe durch die Stadt fahren: In einigen Jahren werden auch diese Linien gleichermassen zu Bern gehören wie das Nünitram. Vielleicht wird dann die eine oder andere Linie gar ebenfalls ein eigenes Lied haben.