Gesellschaft | 13.12.2010

Die Welt zu Tisch

In der Gemeinschaftsküche eines internationalen Studentenwohnheims brodelt es in vielen Töpfen. Eine Reporterin von Tink.ch hat einen Blick geworfen in die Töpfe dieser Welt, die auf Zürichs Herd stehen. Einmal um die Welt und zurück ganz umsonst.
Kierens Laska: Asien weht durchs Haus Kræns Porretærte: Einfach aber lecker Das ist keine Kantine, sondern die Küche eine Wohnheims für internationale Studierende. Fotos: Ekaterina Karabasheva

Mehr als 150 Kühlfächer, 40 Töpfe und Pfannen sowie 20 Kochplatten – was an eine Schulkantine erinnern könnte, ist die Küche eines Wohnheims für internationale Studenten in Zürich. 169 junge Leute aus der ganzen Welt wohnen hier während eines kurzen Studentenaustausches oder eines längeren Master- oder Doktorprogramms. Jede und jeder hat ein eigenes Zimmer, um sich in Ruhe zurückzuziehen und um zu lernen. Aber wenn es ums Kochen geht, sind alle zusammen in der Gemeinschaftsküche, Australien steht neben Indien und Canada an der Herdplatte. Schon um 18 Uhr, nach einem anstrengenden Unitag, stehen die ersten Töpfe auf den Herdplatten. Noch ist es ruhig, da nicht alle zu Hause sind. Nach und nach füllt sich die Küche, bis man gegen 20 Uhr schon immer häufiger Fragen hört wie: “Wer hat denn eine Pfanne, die er nicht braucht?”

 

Indien auf der Zunge

Diesmal braucht sie Rohit, Student aus Jaipur in Rajasthan, Indien, der eine Dahl-Suppe kocht. Dhal ist nicht nur die Bezeichnung für Hülsenfrüchte, sondern auch der Name des traditionellen indischen Gerichts aus roten Linsen, Zwiebeln, Tomaten und Gemüsefond. Den unzähligen Zubereitungsarten dieser schmackhaften Suppe ist eines gemeinsam: Bei diesen herrlich duftenden Gewürzen läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Neben dem Knoblauch kann man Cumin, Chili, Koriander oder Curry benutzen. Rohit nimmt noch Kurkuma dazu und verleiht damit der Suppe eine verführerische Farbe. Dadurch wird sie zu einem Geschmackserlebnis, vor allem, wenn man die einzelnen Gewürze erkennt, freut man sich über die Vielfalt auf der Zunge.

 

Ein Hauch von Asien

Der Genuss des Geschmacks wird durch den angenehmen Geruch in der Küche ergänzt – von dämpfenden Töpfen und knisternden Pfannen entfalten sich Aromen aus diversen Küchen der Welt. Eine südostasiatische Suppe aus Malaysia und Singapur mit dem Namen Laksa köchelt auf der Herdplatte neben Rohit. Der Kunststudent Kieren bereitet sie auf Basis von Kokosmilch und Chili, mit Reisnudeln, frischem Gemüse und Tofu. Die originelle Variante des Gerichtes ist mit Fisch und Krabben, doch er hat sich für die vegetarische Variante mit Tofu entschieden. Die Suppe ist leicht scharf, gemildert durch die süssliche Kokosmilch, und Kieren rundet sie mit ein wenig Zitronengras ab.

 

Keine traditionelle Torte

Auf der anderen Seite der Küche bäckt Kræn, Erasmus-Student aus Dänemark, einen Kuchen mit Schinken und Lauch. Die berühmte “Porretærte” ist ein beliebtes dänisches Gericht und lässt sich leicht zubereiten. Während die Lauchtorte im Ofen gebacken wird, hat Kræn Zeit, sich auszuruhen und einen Platz auf dem grossen Tisch zu finden im Gemeinschaftsraum. Immerhin essen häufig mehr als 40 Leute gleichzeitig zusammen, das Wohnzimmer ist sehr belebt und der Tisch fast voll.

Das Schöne daran ist, dass man viele interessante Gerichte zu Gesicht bekommt, bei der Zubereitung zugucken, und sogar probieren darf. So erlebt man Gaumenfreuden aus der ganzen Welt, ohne reisen oder in teuren Restaurants essen zu müssen.

 

Das Schönste am Ende

Wie es sich gehört, gibt es immer auch was Süsses als Nachtisch. Sophie und Paula, beide Austauschstudentinnen aus Deutschland, lassen sich vom Schnee draussen in eine Weihnachtsstimmung versetzen. Marzipanplätzchen mit Schokoglasur, Schachkekse und Mürbeteigplätzchen mit Zuckerüberguss, sie alle duften traumhaft, sehen verführerisch aus und verbreiten Weihnachtsstimmung.

Der Abend klingt aus bei Glühwein, den selbstgebackenen Keksen und Überlegungen, was man morgen kochen könnte. Vom einen Tischende hört man “Pizza!”, auf der anderen Seite versucht man sich an das traditionelle Omarezept für hausgemachte Knödel zu erinnern. Und in der Küche wird die Einkaufsliste für süsse Crêpes besprochen. Die Zubereitungsart ist klar: international.