Kultur | 07.12.2010

Der Traum vom Tram

Mitten in Zürich steht ein Tram. Und bewegt sich nicht. Doch es erwacht zu neuem Leben als Kulturraum. "TramRaum" ist ein aussergewöhnliches Projekt.
Das Tram lädt ein. Heute fahren wir nicht auf alten Schienen. Keine Räder quietschen mehr, wenn das Duo Calva spielt. Fotos: Ekaterina Karabasheva

Feierabendverkehr in Zürich. Die Strassen sind verstopft, die überfüllten Trams und Busse bringen die Leute nach Hause. Ab und zu hört man Meldungen über die aktuelle Verkehrslage. Der ZVV ist für seine Kollisionsdurchsagen bekannt, der Verkehr ist teilweise lahmgelegt, einige Linien fahren unregelmässig.

Ein Tram zeigt sich unbeeindruckt von dem Chaos, um keinen Meter bewegt es sich. Das blaue Tram der Linie 4 steht unter der Duttweilerbrücke im Zürcher Kreis 4, umgeben von roten Warnstreifen. Trotzdem sieht man immer wieder Leute einsteigen.

 

Neues Leben als Kulturszene

Im Innern verwandelt sich das Tram nämlich in eine Kulturszene. “TramRaum” – so heisst das Projekt, das seit September Kultur an einen unkonventionellen Ort bringt. Die kalten Holzstühle werden zu gemütlichen Sitzen zum Schauen und Zuhören, die Plattform vor der Fahrerkabine entfaltet sich als Bühne für die Künstler – ob Schauspieler, Musiker oder Schriftsteller. Und der hintere Teil des Wagens verwandelt sich zu einer Apéro-Ecke, die zu lebendigen Gesprächen nach der Veranstaltung einlädt. Dann kann man sich mit den Künstlern austauschen, oder sich mit den Projektleitenden und anderen Kulturinteressierten unterhalten.

 

Vom Konzert bis zum Beatbox

“Das Tram bietet Raum für Kreativität”, sagt Susanne Urban, Projektverantwortliche. “Vom Konzert über Lesungen bis hin zur Ausstellung kann alles abgehalten werden.” Bis jetzt haben dort Vernissagen, Kurzfilmabende, Theateraufführungen und sogar Beatbox-Veranstaltungen stattgefunden. Geplant sind noch musikalische Lesungen und spannende Konzerte.

 

Die Künstler als Veranstalter

Veranstalter und Organisatoren der jeweiligen Veranstaltung sind dabei die Künstler selbst. “Wir veranstalten nichts, sondern stellen einfach das Tram zur Verfügung. Jeder, der Lust hat, kann aktiv werden. Die Künstler sind selber für die Werbung, Organisation und Durchführung der Veranstaltungen verantwortlich”, ergänzt Urban.

 

Wer also Lust hat, alleine etwas auf die Beine zu stellen, braucht nur von seinem Talent überzeugt zu sein und sich beim “TramRaum” zu melden. Zeit gibt es bis Februar 2011. Ob das Tram dann weiterfährt und wohin, ist unklar. Aber bis dann wird es sicherlich ein beliebter Treffpunkt für Kunstschaffende und Kulturinteressierte bleiben.

 

 

Info


Schon am 9. Dezember gibt es einen verlockenden Musikabend mit einem Instrument, das in Bern erfunden worden ist. Am 3. Januar startet der “TramRaum” ins neue Jahr zu einem Event gegen den ersten Montagmorgenmuffel des neuen Jahres. So lädt das “TramRaum” unter dem Titel “Monday Morning Doesn’t Matter” zu Musik von Mani Matter.