Gesellschaft | 13.12.2010

Coole Party ohne Katerstimmung

Text von Samuel Schütz | Bilder von smartconnection
Claudio Peterhans ist "Smartcoach" und trinkt aus Überzeugung nichts mehr. Für ihn ist klar: Feiern geht auch ohne Kater. Ein Gespräch über Jugend, Alkohol und Raps.
Claudio Peterhans (rechts) mit Samuel Schütz.
Bild: smartconnection

Claudio, was machst du momentan?

Claudio Peterhans: Meinst du schulisch?

 

Ja.

(verschluckt sich an einem Bissen Apfel) Ich bin in der Kantonschule Chur im fünften Jahr.

 

Wie hast du von “smartconnection” erfahren?

Ein Kollege, der mit mir Musik macht, fragte mich diesen Sommer, ob ich am Openair Lumnezia für “smartconnection” arbeiten möchte. Da habe ich gedacht: Wieso nicht, klingt noch spannend – und sagte zu.

 

Was ist deine Motivation, um für “smartconnection” zu arbeiten?

Ich finde es eine gute Sache, den Jugendlichen zu zeigen, dass man auch ohne Alkohol eine fette Party haben kann. Die Entschädigung und die Punkte pro Einsatz lehne ich natürlich auch nicht ab (schmunzelt).

 

An welchen Veranstaltungen warst du denn schon dabei?

Am Openair Lumnezia und am Churer Fest.

 

Wie sieht der Ablauf für dich als Smartcoach an einem Event aus?

Zuerst stellen wir das Zelt auf, anschliessend starten wir den Laptop und dann gehe ich je nach Ort auf die Strasse oder das Gelände und frage die Leute, ob sie “smartconnection” kennen. Denjenigen Leuten, die es nicht kennen, erkläre ich, was es ist und zeige ihnen unsere Homepage. Oftmals eröffnen wir dann gleich einen Mitglieder-Account. Dann sage ich ihnen, sie sollen später, so um Mitternacht, wieder vorbeikommen und einen Alkoholtest machen. Wenn sie diesen «bestehen«, also weniger als 0,3 Promille haben, bekommen sie Punkte. Punkte, die sie sammeln und anschliessend in coole Preise umtauschen können.

 

Was für Preise gibt es?

So spontan kommen mir das “Fifa Fussball” und andere PC-Games in den Sinn. Auch einen Gutschein zum Go-Kart-Fahren oder Tickets fürs Openair-Ticket in Lumnezia kann man haben.

 

Eine Party ohne oder nur mit wenig Alkohol – ist das überhaupt lustig?

Definitiv! Ich trinke schon seit einiger Zeit nichts mehr und erlebe immer fette Partys.

 

Wieso trinkst du nichts mehr?

Früher hatte ich manchmal einen Absturz. Irgendwann stellte ich mir die Frage: Will ich solche Abstürze erleben oder höre ich auf meinen Körper und mache Party ohne Alk? Ich entschied mich für das zweite, da ich auch ohne Alkohol feiern kann. Ausserdem übe ich einen körperintensiven Sport aus.

 

Welchen?

Sanda. Ist ähnlich wie Kick-Boxen, mit dem Unterschied, dass Würfe erlaubt sind.

 

Wie gehst du mit alkoholisierten Leuten um?

Auch solchen erkläre ich, was “smartconnection” ist. Einige finden es eine blöde Sache und können nicht verstehen, wie man es lustig haben kann ohne Alkohol. Jenen sage ich, dass es sehr wohl auch lustig ist und obendrein noch gesünder.

 

Was denkst du über Jugend und Alkohol?

(überlegt) Was ich sehr traurig finde, ist, dass viele junge Leute “vorsaufen” und somit schon betrunken in den Ausgang gehen, um dort weiter zu trinken. Viele meiner Kollegen, die die Autoprüfung haben, trinken nichts im Ausgang – vor diesen ziehe ich den Hut. An dieser Stelle muss ich die Erwachsenen kritisieren, die Alkohol trinken, obwohl sie mit dem Auto unterwegs sind. Alkohol im Mass geht völlig in Ordnung. Wenn man mit Kollegen unterwegs ist und sich ein Bierchen gönnt, wieso nicht, nur das “Besaufen” und “Abstürzen” finde ich sehr schade.

 

Du hast es erwähnt: Du betreibst nicht nur Sport und bist als Smartcoach aktiv, du machst auch Musik. In der Hip-Hop-Szene bist du als Nervis bekannt. Kannst du mir sagen was du genau machst?

Ich rappe seit 2007, wobei ich sagen muss: Am Anfang konnte nicht von Musikmachen die Rede sein, damals war ich ziemlich mies (schmunzelt). Ich versuche eine neue Art des Rap zu kreieren, mit Reagge-, Reganton-, Rock-, Jazz- und Funk-Elementen. Das Ganze hört sich aber immer noch wie Rap an.

 

Was für Texte schreibst du?

Ich schreibe Texte, die die Menschen zum Nachdenken anregen sollen. Konkret über Rassismus, Generationenkonflikte, Selbstvertrauen und über die ganze Scheisse, die auf der Welt passiert. Ausserdem schreibe ich Battle-Texte und Partysongs. Über Sex schreibe ich auch ab und zu (lacht).

 

Hast du auch schon einen Text über Alkohol geschrieben?

Ja, ich habe dieses Jahr anlässlich der Regionalkonferenz in Chur einen “smartconnection”-Rap geschrieben. Dort präsentierte ich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch als Smartcoach das Projekt und stand ihnen für Fragen zur Verfügung. Die meisten haben sich dann aber vor allem für den Rap interessiert. Wir haben vor, einen Videoclip dazu zu drehen und das Ganze auf die “smartconnection”-Homepage, die Homepage des Indoor Festival in Disentis, auf die Tink.ch-Homepage und auf Facebook zu stellen.

 

Wo war dein geilster Auftritt?

(überlegt lange) Der erste Auftritt bleibt mir besonders in Erinnerung. Es waren nur zwischen zehn und 20 Leute da, aber es ging ab. Das war am Wald- und Wiesenfest beim Rossboden in Chur. Ein Auftritt in der Kart-Arenain Bonaduz vor 800 Leuten war auch super. Der absolute Hammer-Auftritt waraber am Basecamp in Zürich vor rund 500 Leuten. Wir konnten nur drei Stücke bringen, aber das Publikum ging ab.

 

Was für Ziele hast du als Rapper?

Bekannt werden wäre natürlich schön, doch möchte ich mich vor allem kontinuierlich verbessern, Spass haben und anderen Leute interessante und nachdenkliche Texte präsentieren.

 

Wo siehst du dich als Nervis in fünf Jahren?

Gute Frage (überlegt). Vielleicht schreibe ich Texte und produziere einige CDs, die von 200 Leuten gekauft werden oder aber ich rappe vor 20’000 Leuten am Openair Frauenfeld (ernst).

 

Zum Schluss noch: Welchen Beruf möchtest du gerne ausüben?

Mein Traumberuf wäre Künstler. Ich bleibe aber realistisch und sage deshalb Sportlehrer, Mentalcoach oder Ernährungsberater.

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