Kultur | 06.12.2010

Ciao Röschtigrabe

Text von Elia Blülle
Ein Wettbewerb, bei dem das Gewinnen im Hintergrund steht und die Sprachenvielfältigkeit der Schweiz zum Zug kommt. Das zweite Sprachentreffen von Linguissimo lockte 26 Jugendliche aus der ganzen Schweiz nach Neuchâtel und liess sie eintauchen in die fremde und doch omipräsente Welt der Werbung.
Sprache fühlen und leben - die Idee des Sprachentreffs. Fotos: Elia Blülle Workshopleiter Jochen Hennecken begutachtet die Arbeit einer rätoromanischen Teilnehmerin.

Rätoromanisch, Französisch, Italienisch und Deutsch: Diese Sprachen haben etwas gemeinsam. Sie sind nämlich offizielle Amtssprachen desselben Landes. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, um welchen Staat es sich handelt. Sogar im Ausland hat die Schweizer Viersprachigkeit ihre Runde gemacht. Es stellt sich die Frage, ob uns dies zu einem “weltoffenen” Staat macht oder ob es nicht doch eher die Wirtschaftsriesen und Abzockermanager sind. Ich tippe auf Ersteres, denn die verschiedenen Sprachen haben Potential. Nur schade, dass sich das nicht im Bewusstsein von Frau und Herr Schweizer festgesetzt hat. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung spricht fliessend eine zweite Amtssprache. Gerade in der Werbebranche und in Zeiten der Krise ist in der Schweiz eine mehrsprachige Kommunikation ein unverzichtbares Privileg. Am “Linguissimo” macht es die junge Generation den Bundesräten und Co. vor, wie man die Gräben zwischen den Spracheregionen mit Leichtigkeit überwinden kann.

 

Vom “Outdoor-Cheeseburger” bis zum “Anti-Schnarch-Kissen”

Ein “Outdoor-Cheeseburger”: Was nach einem schlechten Witz klingt, kann man sich mühelos aus dem Internet besorgen. Das ist ein fertig gebackener Burger, verpackt in einer Dose, die man nur noch im Wasserbad erhitzen muss – und fertig ist das Leibgericht der Amerikaner. Zu solchen unbekannten Objekten mussten die Teilnehmer in Tandemgruppen ein Werbekonzept, einen Flyer und ein Plakat erstellen. Das erarbeitete Material musste zweisprachig sein. Keine leichte Aufgabe für einen Laien, der schonungslos ins kalte Wasser geworfen wird. Nichts desto trotz, die Ergebnisse liessen sich sehen und der eine oder andere hatte Zugang gefunden zu einer Welt, die er vorher als nervendes Dasein wahrgenommen hatte.

 

Die dritte Etappe der “Tour de Suisse”

“Was wir hier haben, ist ein Mikrokosmos”, meinte Paolo Barblan, Projektleiter und Geschäftsführer von Forum Helveticum. “Dass ein solch reger Austausch zwischen verschiedensprachigen Jugendlichen stattfindet, ist äussert selten.” Es meldeten sich dreimal mehr Sprachbegeisterte an als im Vorjahr und die Bilanz fällt äusserst positiv aus. Durch die verbesserte Zusammenarbeit mit Lehrerverbänden und Medien ist das Projekt bekannter geworden. Die Mischung zwischen konzentriertem Arbeiten und der lockeren, produktiven Stimmung ist ansteckend. Ein Sprachentreffen, das die Chance gibt, die Sprache dort zu lernen, wo sie lebt und praktiziert wird. Eine Abwechslung zum oftmals eintönigen Sprachunterricht, wo die Kommunikation erst an zweiter Stelle steht.

 

Die neue Durchführung des Sprachenwettbewerbs ist dem Thema “Meine Beziehung zu den Print- und Onlinemedien” gewidmet. Das Sprachentreffen findet diesmal im Tessin mit der Beteiligung von Medienschaffenden statt.

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