Kultur | 29.11.2010

“Wir kommen wieder, auch wenn wir gestorben sind!”

Text von Seraina Manser | Bilder von Jens Oellermann.
Get Well Soon stecken mit ihrer Spielfreude die Grabenhalle an. Musik und Show leben von Konstantin Gropper, einem Frontmann, der sich richtig ums Publikum kümmert, sogar wenn der Elektroschlag droht.
Hier entstehen die Lieder von Get Well Soon.
Bild: Jens Oellermann.

Get Well Soon gaben St.Gallen schon einmal die Ehre, anno 2008. “Ich werde meinen Enkeln noch von diesem wunderbarem Konzert im Palace erzählen”, meint Konstantin Gropper am Anfang des jetzigen Konzerts. “Es ist ein unvergessliches Erlebnis in unserer Bandgeschichte.” Man merkt, er ist glücklich über die Rückkehr in die Ostschweizer Metropole. Im Gepäck hat er sein neues Album “Vexations” und auf dem Gesicht ein freudiges Lächeln, das bald auf die Gesichter des Publikums in der Grabenhalle überspringt.

 

Sänger und Leader

Es gibt zwei Arten von Bandleader. Die einen betreten die Bühne, ignorieren das Publikum, spielen ihre Musikstücke in der geplanten Reihenfolge durch und flüchten nach dem letzten Track ohne ein Abschiedswort von der Bühne, obwohl das Publikum nach einer Zugabe schreit. Dann gibt es jene Sänger, die das Publikum mit einem “Grüziiii!” begrüssen, zu jedem Musikstück eine kleine Anekdote oder die Entstehungsgeschichte erzählen, Zugabe um Zugabe geben und sich nach dem Konzert unter die begeisterte Menschenmenge mischen.

 

Konstantin Gropper von Get Well Soon gehört ganz klar zur zweiten Gruppe. “Es ist uns leider Wasser über dem Mehrzweckstecker ausgeleert. Falls wir nun alle sterben sollten, denkt dran, wir haben euch geliebt und wir kommen auch wieder hierhin, wenn wir gestorben sind”, verspricht Gropper vor einem der letzten Lieder. Zum Glück ist nichts passiert und Gropper lässt es sich nicht nehmen, am Schluss persönlich 3D-Brillen an die Menge zu verteilen, damit sie einen 3D-Clip im Internet anschauen können, ein Mann ganz ohne Starallüre. Aber wer ist überhaupt dieser blasse Jüngling in gepunktetem Hemd mit stylischer Frisur, auf dessen Gitarre Ludwig II klebt?

 

Der Mann hinter dem Namen

Konstantin Gropper, auch schon “Prädikat wertvoller Gegenentwurf zum Tokio-Phänomen” oder aber “German Wunderkind” genannt, ist in Erolzheim ganz in der Nähe vom Bodensee und somit auch von St.Gallen aufgewachsen. Der erste Track des Albums “Vexations” namens “Nausea” handelt dann auch von einem frühmorgendlichen Gang in den Wald, aufgenommen im Gehölz gleich hinter dem Elternhaus Groppers. Die Songs seines ersten Albums “Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon” produzierte er alle bei sich zu Hause im Schlafzimmer, dem Studenten fehlte das Geld für Studioaufnahmen.

 

Das zweite Album klingt nun endlich so, wie er sich das vorgestellt hat, und nicht wie “eine Anhäufung von Unzulänglichkeiten”. Er brauchte dazu nur zwei Monate, 80 Prozent der Lieder sind sogar während einer kreativen Schaffensspanne von zwei Wochen entstanden. Aufgenommen wurden sie in einem echten Studio mit Streichquartett, Bläsern, Xylophon, Marimbaphon und Vibraphon.

 

Ein Hauch Melancholie

Auch in St. Gallen konnten seine Lieder ihre Wirkung verbreiten. Zwei Stunden lang erwärmte Herr Gropper mit seinen sieben Kumpanen die Herzen der Konzertbesucher. Ein Konzert voller Publikumspräsenz, Schönheit und auch etwas Melancholie. Dass er bald wieder zurückkehrt, hat Konstantin versprochen und ich glaub es ihm vollkommen, während ich in die Schneeflocken starre, die über den Parkplatz der Grabenhalle flattern, seine mystische Musik noch immer im Ohr.