Kultur | 15.11.2010

Wer schenkt schon USB-Sticks

Fernsehen, Radio, Internet - hat in diesem Mediengewimmel das Buch überhaupt noch Platz? Natürlich, findet Felix Werner, Messe- und Festivalleiter der Schweizer Buchmesse Buch Basel. Letzte Woche fand sie zum 8. Mal statt.
An den Ständen der Verlage kamen Bücherfreunde ausgiebig zum Schmökern.
Bild: Michael Dolensek Felix Werner, Leiter der BuchBasel, zeigt sich optimistisch was die Zukunft des Buchs angeht.

Dass Bücher längst überholt sind und keinen mehr interessieren, daran glaubt Felix Werner, Leiter der Schweizer Buchmesse Buch Basel, nicht. Im Gegenteil, für ihn habe das Buch in der Gesellschaft nach wie vor einen hohen Stellenwert. “Es geht nicht nur um Kunst. Nimmt man Buch als Synonym für Lesen, dann sind Bücher unverzichtbar. Lesen geht weit über eine ‘lustige Freizeitbeschäftigung’ hinaus und ist wichtig für eine demokratische Gesellschaft.”

 

Austausch fördern

Die Buch Basel fand dieses Jahr zum achten Mal statt. “Wir wollen eine Öffentlichkeit schaffen, die allen nützt, also dem Verlag, der Leserschaft, den Autorinnen und Autoren. Wir möchten einen Austausch ermöglichen”, so Felix Werner. Jedes Jahr präsentieren sich an verschiedenen Ständen zahlreiche Verlage. Auch kleine Verlage sollen unterstützt werden, so war am vergangenen Wochenende neben den Verlagsriesen Suhrkamp, Diogenes und Co. auch der Berner Verlag Zytglogge vertreten.

 

Mehr als lesen

Wer denkt, bei Büchern gehe es nur ums Lesen, dem wird an der Messe das Gegenteil bewiesen. Neben Lesestoff findet man an der BuchBasel auch zahlreiche Vorlesungen, Diskussionen und Informationsstände. Der Verein Junge Medien Schweiz war dieses Jahr ebenfalls mit einem Stand vertreten, wo man den jungen Reporterinnen und Reporter über die Schultern schauen konnte, wie sie live vor Ort eine Messezeitung produzierten.

 

Das Interesse an Büchern ist noch lange nicht versiegt, zumindest wenn es nach den Messebesucherinnen- und besuchern ginge. Der Andrang in die Messehalle 4 lag über den Erwartungen, insgesamt konnten über 16’000 Tickets verkauft werden. Eine kleine (wenn auch nicht repräsentative) Umfrage unter den Besuchern zeigt ausserdem: Auch um die Zukunft der Bücher muss man sich hier keine Sorgen machen. “Ich sehe da kein Problem, so lange es Menschen gibt, gibt es auch Bücher. Auch bis jetzt haben sie den elektronischen Medien Stand gehalten”, meint Kerstin Brunner aus Muttenz.

 

E-Books kein Ersatz

Es sei ein spezielles Gefühl, ein Buch in den Händen zu halten, es zu spüren und zu riechen. Mit dieser Ansicht ist Kerstin Brunner unter den Messebesuchern nicht allein. Die neuartigen E-Books, mit denen Texte digital auf einem Bildschirm gelesen werden können, würden keine ernstzunehmende Konkurrenz bieten, so das Echo der lesefreudigen Festivalbesucher. Vorteile biete das E-Book allerdings auf Reisen, wirft Evi Osterhues ein, die eigens für die Buchmesse aus Deutschland angereist war. “So kann man 20 Bücher dabeihaben ohne 20 zusätzliche Kilos im Koffer. Und – im Alter sehr praktisch – man kann die Schrift vergrössern.”

 

Die Bücherbranche ist gefordert

Messeleiter Felix Werner sieht der Zukunft des Buches mit gemischten Gefühlen entgegen. Ihm ist bewusst, dass im Vergleich zum Buch neuere Medien, wie das Fernsehen, durchaus ihre Vorteile haben. “Das Fernsehen ist erfolgreich, weil es einfach und attraktiv ist. Die Bücherbranche muss sich wirklich überlegen, wie auch sie an Attraktivität gewinnen kann.” Für ihn, so Werner, gebe es jedoch kein einzig “wahres Medium”, die Vielfalt solle durchaus als Chance bewertet werden. “Das Internet hat beispielsweise den Vorteil, dass es sehr aktuell ist, das schafft das Buch nicht. Dafür kann man als Geschenk ein Buch mitbringen. Niemand würde einen USB-Stick mitnehmen, um jemandem Dateien zu schenken!”

 

An den Untergang des Buches glaubt Felix Werner nicht. “Nehmen wir zum Vergleich beispielsweise das Reisen. Früher konnte man sich entweder auf ein Pferd setzen oder irgendwo zu Fuss hingehen. Heute kann man auch fliegen, das Auto nehmen und trotzdem haben die Menschen nicht aufgehört, zu Fuss zu gehen.”

 

 

Schweizer Buchpreis


Die Buch Basel ging am Sonntag mit dem Verleih des Schweizer Buchpreises zu Ende. Unter den fünf nominierten Autoren wurde die Zürcherin Melinda Nadj Abonji zur Gewinnerin gekürt. Ihr Roman “Tauben fliegen auf”, der bereits den Deutschen Buchpreis erhalten hatte, gefiel der Jury am besten. Darin geht es um eine autobiografisch angehauchte Geschichte einer serbisch-ungarischen Familie, die in den 70er-Jahren in die Schweiz auswandert und sich hier den zentralen Fragen nach Identität und Heimat stellt.