Kultur | 16.11.2010

Wenn sich die Mode zeigt

Text von Audrey Djouadi
Der November steht in Zürich unter einem modischen Stern. Gleich mehrere Veranstaltungen bringen Farbe in den Winter. Tink.ch war vor Ort und berichtet über Neues in der Welt der Mode.
Mary Katrantzou ist die Gewinnerin des Swiss Textiles Award. Ein Model der Kollektion von Adam Kimmel. Ist das Snoop Dog? Das Duo Kaviar Gauche macht traumhafte Hochzeitsmode.

Ausgezeichnet

Diesen Monat wurde im Rahmen Charles Vögele Fashion Days Zurich der Swiss Textiles Award verliehen. Die sechs nominierten Designer zeigten alle ihre Kollektionen für den Frühling 2011. Den Start hat Duro Olowu aus Grossbritannien mit nigerianischen Wurzeln gemacht. Im Zentrum steht für den Designer nicht das Kleid, sondern die Frau, die es trägt. Das Kleid ist nur Hilfsmittel. Und das sieht man seiner Kollektion auch an: lange, fliessende Stoffe und romantische Schnitte. Eine weitere, wundervolle Kollektion hat der Franzose Damir Doma abgeliefert: French Chic par excellance! Auf grelle Farben verzichtet der Designer, der Fokus liegt auf der Silhouette. Lässiger Lagenlook bis elegante Einteiler – die Looks sind tragbar und trotzdem zeugen sie von einem betörenden Stilbewusstsein. Mein persönlicher Höhepunkt, und das nicht als Modefreund, sondern als Freund guter Inszenierung, war definitiv die Snoop Dogg Collection von dem New Yorker Adam Kimmel. Der Name ist Programm: Protzige Pimp-Looks, getragen von Models, die Snoop Dogg ähnlich sehen. Neben Jason Wu, dessen gesamte Kollektion ich gerne mitnehmen würde, und Juun J. hat auch die Gewinnerin des Abends, Mary Katrantzou, ihre Kollektion auf dem Laufsteg präsentiert. Die Kreationen der Griechin vereinen Mode, Architektur und Kleinmädchenträume. Ob die aufwändigen Kleider auch strassentauglich sind, sei mal dahingestellt, wunderschön sind die Stücke jedenfalls. Alexander Wand, der Gewinner des letztjährigen Swiss Textiles Award, liess den Abend dann mit seiner neuen, galaktischen Kollektion ausklingen.

 

Exklusiv langweilig

Der nächste Block, den ich besuchte, war der Annabelle-Award und die damit verbundenen Kollektionen von Calida und Aubade Lingerie. Während die eintönigen, aber funktionellen Entwürfe von Calida mich wenig begeisterten, entfachte die französische Lingerielinie Aubade meine Leidenschaft für schöne Unterwäsche. Die Kollektionen tragen verheissungsvolle Namen wie “la muse endormie”. Der Annabelle-Award ging an Camie Rebord, die dadurch die Möglichkeit eines einjährigen Praktikums bei dem Berliner Duo von Kaviar Gauche erhielt. Kaviar Gauche zeigte danach die Brautmodenkollektion und ich kann ohne zu untertreiben sagen: Was Vera Wang in Amerika ist, das ist Kaviar Gauche in Europa. Falls ich eines Tages heiraten sollte, dann in Kaviar Gauche. Der Freitagabend verging wie im Flug und ein grosser Teil der Besucherschaft der Annabelle-Award-Verleihung pilgerte danach in die Härterei, wo die “20 Minuten Friday Fashion”-Party stattfand, welche zwar superexklusiv aber auch superlangweilig war.

 

Lieber klein

Auch der Samstagabend, die Closing Night, konnte nicht an den fulminanten Einstieg der Fashiondays anknüpfen. Daran konnte auch Missoni nichts ändern. Doch der Samstagabend war nicht ganz für die Katze, denn im Anschluss an die Fashion Days fand in der Produktionshalle vom Taschenhersteller Freitag die dritte Kostume statt. Ziel der Veranstaltung war es, aufstrebende Jungdesigner zu unterstützen. Und so präsentierten eine Reihe von jungen Designenden ihre neusten Werke und begeisterten. Ich muss sagen, mich beindruckte diese im kleineren Rahmen gehaltene Veranstaltung weit mehr als der Grossanlass “Charles Vögele Fashion Days Zurich”.