Kultur | 09.11.2010

Szenen der Vergänglichkeit

Der Schweizer Choreograf Marcel Leemann hat in Zusammenarbeit mit der Tanzkompagnie des Theaters St.Gallen ein Tanzstück geschaffen, das sich mit der Frage nach dem Sinn von Ereignissen und Handlungen auseinandersetzt, die im Nichts verlaufen: "scenes for nothing". Am 29. Oktober war Premiere in der neu eröffneten Lokremise St.Gallen.
Irgendwann geht jeder ins Nichts zurück.
Bild: Toni Suter, T+T Fotografie.

Eine Frau (Cecilia Wretemark) steht auf der Bühne, das Mikrofon in der Hand. Sie scheint dem Publikum etwas zu erzählen, doch hören kann man nichts – eine Botschaft, die keiner empfängt, eine Botschaft, die ins Nichts geht.

 

Zur Musik des Komponisten und Sounddesigners Silas Bieri betreten weitere Akteure die Bühne, anfangs eher schüchtern und zurückhaltend, dann werden ihre Bewegungen immer kräftiger, lebendiger. Sie versuchen, das Nichts herauszufordern, kreisen es ein und benutzen dabei auch ihre Stimme und ihren ganzen Körper – sie beginnen, den Raum zu füllen. Dann zerfallen die Szenen, werden unterbrochen und aus dem entstandenen Nichts formen sich neue Ereignisse, neue Gestalten und neue Umgebungen. So entsteht schliesslich ein endloser Kreislauf aus Szenen, die irgendwann im Nichts verlaufen, die “vergeblich” sind.

 

Nichts – oder nichts erreicht?

Das Tanzstück von Leemann erinnert an das Leben: Anfangs tasten wir uns vorsichtig an etwas heran, probieren Dinge aus, doch mit der Zeit werden wir sicherer. Wir versuchen, unseren Platz in der Gesellschaft zu finden, uns einen Platz zu schaffen. Wir nehmen Raum ein und füllen diesen mit unserer Persönlichkeit, unserem Charakter. Und schliesslich endet alles, jedes Leben verläuft irgendwann im Nichts. Es ist ein Nichts, vor dem wir Respekt haben, das uns Angst macht und wogegen wir immer wieder ankämpfen. Auch wenn wir das Nichts nicht verhindern können, kann von Scheitern trotzdem nicht die Rede sein.

 

Reise ins Ungewohnte

Der Tanz in Kombination mit dem schlichten Bühnenbild (Peter Nolle) und den aussergewöhnlichen Kostümen (Sarah Bachmann) garantieren einen interessanten und abwechslungsreichen Abend.

 

Ich empfehle das Stück all denen, die sich gerne auf diese Art von Tanz einlassen möchten und die bereit sind, eine Reise ins Nichts zu unternehmen. Denn während des Stücks kommt irgendwann die Frage auf: Was ist eigentlich “Nichts”? Kann es ein Nichts überhaupt geben, wenn immer wieder etwas Neues entsteht?

 

 

Weitere Vorstellungen:


13. / 14. / 16. / 21./ 23. November jeweils um 20.00 Uhr in der Lokremise St.Gallen

 

 

Jeweils um 19.30 Uhr Einführung ins Programm (Dauer ca. 15 Minuten)

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