Kultur | 09.11.2010

Sprechen Sie europäisch?

Afrika ist die Wiege der Menschheit. Das Bild in der Schweiz über den riesigen Kontinent und seine Bewohnerinnen und Bewohner scheint stark verzerrt. Eine Porträtierte wird zum Beispiel des öfteren gefragt, ob sie "Afrikanisch" spreche. Sie kontert jeweils mit der Gegenfrage: "Sprichst du denn Europäisch?" Die Wanderausstellung Kubaki konfrontiert mit Gesichtern Afrikas.
Rahmen an Rahmen hängen die 15 Porträts. Fotos: Martin Sturzenegger Der Fotograf und Initiant Richard Schmid steht im Mittelpunkt. Die zwei Autorinnen Melanie und Stefanie Pfändler inmitten der Besucher.

Unvollständige Geschichten

Beim Betreten des menschenüberfüllten Raumes schwappt warme Luft aus den Räumen der Töpferei und stimmt auf einen Blick auf den Kontinent südlich von Europa ein. Schweizerisch sind hauptsächlich die rot-weiss karierten Tischtücher, auf denen Apérohäppchen unter grellem Neonlicht liegen. Vor schwarzen Tüchern hängen die Gesichter von 15 Afrikanerinnen und Afrikanern. Direkt und aufrichtig schauen sie in die Kamera. Neben ihnen hängt ihre Lebensgeschichte. Schwarze Buchstaben auf weisser Fläche erzählen bewusst unvollständig, weil sie niemals das ganze Bild zeigen könnten.

 

Wie ein Milchkaffee

Mit Schreien purer Lebensfreude schlängeln sich die Jugendlichen der Tanzgruppe “Café au Lait” durch die Besucher. Mit breitem Lachen auf den Gesichtern und einem fantastischen Hüftschwung reissen die Wirbelwinde die Menge mit. Einmal zu traditionelle Trommelrhythmen, dann zu moderner Popmusik. Die 2003 von Françoise Strassburg gegründete Tanzgruppe vereint über 60 Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Nationalitäten. Die Multi-Kulti-Gruppe soll den Kindern den Boden unter den Füssen zurückgeben. Für Strassburg persönlich ist “Café au Lait” auch die Kreation ihres eigenen Afrikas.

 

Tradition versus Moderne

Die Wurzeln von Richard Schmid, Fotograf und Initiant der Ausstellung liegen in Kenia, wo er bis zu seinem achten Lebensjahr lebte. In Zusammenarbeit mit den Autorinnen Stefanie und Melanie Pfändler realisierte er in gut einem Jahr die heutige Ausstellung. Schmid sieht die Möglichkeit zum Aufschwung Afrikas in der Harmonisierung von Tradition und Moderne. Diese Kontroverse führt fast überall zu Konflikten. In der Schweiz werden die Fähigkeiten und das Wissen der Afrikanerinnen und Afrikaner oft nicht abgeholt. Die Ursache sieht Schmid in der Aufenthaltsbewilligung sowie in sprachlichen und kulturellen Differenzen. “Ich wünsche mir einen guten, sorgfältigen, nicht menschenverachtenden Dialog”, sagt er zum Abschluss.

 

Kubaki heisst “bleiben”

Die Ausstellung Kubaki gibt den Besuchern die Chance Afrika differenzierter wahrzunehmen. Mit seinen 65 Staaten, 2000 Sprachen und über einer Milliarde Einwohnern. Auswanderung daraus kann nicht das Ziel sein, sondern Afrika aus eigener Kraft so aufzubauen, dass dessen Bewohner gerne bleiben möchten. Also, Kubaki eben.

 

 

Informationen


Die Ausstellung “Kubaki” ist noch bis am 19. November im Kleintheater “Töpferei” an der Töpferstrasse 26 in Zürich. Danach zieht die Ausstellung weiter.

 

 

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