Kultur | 29.11.2010

Los viajes del viento

Text von Seraina Manser | Bilder von zvg
Vier Tage lang konnte man im Kino Corso nicht nasalen St.Galler Dialekt, sondern feurige spanische Wortfetzen hören. Statt Popcorn gab es Nachos mit Guacamole, und dazu starke Filme: Das Pantalla Latina 2010 war ein voller Erfolg, nicht nur für die jungen Veranstalter.
Los viajes del viento: Musik vom Teufel.
Bild: zvg

Das Filmfestival endet mit einer wahren Perle: dem kolumbianischen Film “Los viajes del viento” aus dem Jahre 2009. Der Protagonist Ignacio Corillo reist mit seinem Esel und seinem Akkordeon, das einst, so sagt man, sogar dem Teufel gehört hat, durch den Norden Kolumbiens. Er ist ein sogenannter “Juglar”, ein fahrender Musiker, einer der besten überhaupt. Als seine Frau stirbt, beschliesst er, das Akkordeon seinem Lehrer zurückzubringen und macht sich auf seine letzte Reise. Allerdings nicht alleine, der Junge Fermin weicht nicht von Ignacios Seite, er hofft nämlich das Akkordeonspiel zu lernen und zukünftig auch so ein fahrender Musiker wie Ignacio zu sein. Der zuerst skeptische Juglar weiss die Anwesenheit und Hilfe Fermins immer mehr zu schätzen.

 

Von Cannes nach St. Gallen

Der 29-jährige, kolumbianische Regisseur Ciro Guerra hat ein Händchen für wunderschöne Landschaftsaufnahmen und auch für Rollenbesetzungen. Die Ansprüche an den Hauptdarsteller waren hoch: Er musste nicht nur schauspielern, singen und Akkordeon spielen können, sondern auch montar a burro, also Esel reiten. Mit Augustin Nieves, einem Laienschauspieler, hat Guerra den Part hervorragend besetzt. Der Film scheint nicht nur in Cannes anzukommen, wo er 2009 mit dem Arco Iris Latino ausgezeichnet wurde. Nein, auch das St. Galler Publikum applaudiert während dem Abspann.

 

Erfolg trotz Zauberlehrling

Obwohl an jenem Wochenende dank Harry Potter die Kinokonkurrenz immens war, ziehen die Veranstalter des Pantalla Latina eine durchaus positive Bilanz: “Mit über 1200 Besuchern sind es deutlich mehr als letztes Jahr. Wir freuen uns über den Anklang, den das Festival in der Bevölkerung gefunden hat”, sagt Ursina Schaede, Mitorganisatorin des Festivals. Die meisten Mitglieder des Vereins Pantalla Latina haben südamerikanische Wurzeln, der Hauptorganisator Eduardo Cerna beispielsweise kommt aus Peru. Das Festival findet bereits zum zweiten Mal statt. Das Ziel ist es, dem St. Galler Publikum eine Palette aktueller lateinamerikanischer Filme zu präsentieren und ihm somit einen Eindruck des südamerikanischen Kontinents zu vermitteln.

 

Wer das Festival verpasst hat, darf sich bereits auf nächstes Jahr freuen: Ende November 2011 geht zum dritten Mal der Vorhang auf. Dass die Veranstalter dabei wieder haufenweise lateinamerikanische Filmleckerbissen präsentieren, pues, es claro!