Kultur | 20.11.2010

„Jedes Nein ist ein Meilenstein zu einem Ja.“

Text von Sara Lisa Schäubli | Bilder von zvg
Tink.ch traf Mike Eschmann, Regisseur der Kinohits "Achtung, fertig, Charlie!" und "Breakout" zum Gespräch über Comedy, perfekte Filme, das diesjährige Upcoming Film Makers und Schweizer Missen.
Mit zielstrebigem Blick: Mike Eschmann bei den Dreharbeiten.
Bild: zvg

War es dein Kindertraum, Regisseur zu werden, oder bist du auf Umwegen darauf gekommen?

Mike Eschmann: Kindertraum kann man nicht sagen. Der ging eher Richtung „Action-Schauspieler“ und Astronaut. Damals wusste ich noch gar nicht, dass es einen Regisseur braucht, um einen Film zu machen. Deshalb hat sich die Idee erst später entwickelt.

 

Aber in dem Fall schon immer in Richtung Filmbranche?

Vielleicht müsste man sagen: ab einem gewissen Punkt immer in Richtung Fiktion. Für die Realität entwickelte ich kein besonderes Interesse. Deshalb waren alte Sprachen meine grosse Leidenschaft. Dort konnte man sich mit exotischen Welten aus der Vergangenheit beschäftigten. Mit dem Film fing ich mich erst am Gymnasium an zu befassen, zunächst über das Theater. Das Fiktionale, die Phantasie und das Träumerische haben mir immer sehr viel gebracht. Deshalb wollte ich es auch zu meinem Beruf machen.

 

Wie hast du dich gefühlt nach dem Kinohit „Achtung, fertig, Charlie!“?

Es war toll, dass das Publikum so gut reagiert hat. Für «Achtung, fertig, Charlie!« haben wir sehr gekämpft. Der Teenie-Comedy-Bereich wird von offizieller Kulturförderungsseite als minderwertig betrachtet. Dass wir den Film finanzieren konnten, war sehr aussergewöhnlich. Aber das Publikum hat uns dann Recht gegeben.

 

Die Schweiz ist nicht so lustig?

Vielleicht. (lacht) Ich kann es nicht mehr zählen, wie viele Leute zu mir gekommen sind und gesagt haben: „Willst du nicht einmal einen richtigen Film machen?“ Ich versuche dann immer zu erklären, dass ich das machen möchte, und gut machen möchte. Comedy wird rasch schubladisiert und ist darum sehr schwierig zu realisieren.

 

Was ist dein Lieblingsfilm, den du produziert hast?

Also „Breakout“ finde ich recht lässig. Aber es ist wie bei Kindern. Wenn du einen Vater oder eine Mutter fragst: „Welches ist dein Lieblingskind?“. Ich bin da etwas vorsichtig.

 

Gibt es den perfekten Film überhaupt?

Nein. Beim Film spielen so viele Faktoren mit, dass man sich gar nicht um alle kümmern kann. In einem gewissen Sinn gibt es den perfekten Film vielleicht in einem Moment, wenn man aufs Publikum schaut. Das Startwochenende von „Achtung, fertig, Charlie!“ zum Beispiel, mit 70’000 Zuschauern. Das ist dann gut.

 

Also existiert kein Erfolgsmodell?

Alle, die sagten, sie hätten den Schlüssel gefunden, lagen falsch. Es gab eine englische Firma, die versprach den Erfolg. Sie sagte zum Beispiel: Bibelgeschichten kommen gut an, oder wenn die Hauptdarstellerin blond ist, kommt der Film gut an. Aber es hat nicht funktioniert. Es bleibt ein grosser Prozentsatz von Risiko. Darum finde ich für angehende Filmemacher menschliche Qualitäten am wichtigsten.

 

Was hast du denn für Tipps für angehende Filmemacher?

So blöd das tönt: Jeder muss seinen Weg finden. Aber soviel kann ich sagen: In der Niederlage zeigt sich immer, ob du ein wahrer Gewinner bist.

 

Wie fandest du die diesjährigen Kurzfilme am Upcoming Film Makers?

Das Niveau ist sehr, sehr hoch. Wir haben die Preise nach unserem Gusto vergeben. Aber auch eine Person mit einem unprämierten Film wird enorm Erfolg haben. Und in 10 oder 15 Jahren werden wir sagen: Läck, warum haben wir das nicht gesehen? Diese Person lernt aus der Niederlage weiter. Das ist eine Qualität, die viel höher zu bewerten ist als einfach ein Sieg. Das heisst nicht, dass die, welche gewonnen haben, nicht Freude haben sollen. Im Gegenteil, sie sollen total Freude haben! Sie sollen einfach wissen, dass sie bei Misserfolgen durchhalten müssen. Mit dem Up und Down muss man umgehen können und sich einfach sagen: Jedes Nein ist ein Meilenstein zu einem Ja.

 

Wie sieht es mit deinen zukünftigen Projekten aus? Es soll eine Komödie namens „Swiss Miss“ geben.

Seit einem guten Jahr nehme ich mehr Einfluss auf den Inhalt meiner Filme. „Swiss Miss“ ist nun so ein Projekt. Wenn man den Namen hört, hat man eine Idee davon, wie der Film wird. Das Spannende ist, dass wir versucht haben, dem Ganzen ein Fundament zu geben. Wir haben versucht, in diese schöne Welt noch eine Gegenwelt hineinzubringen. Nämlich das Älterwerden und den Tod.

 

Das tönt aber etwas poetisch und nicht nach Komödie.

Das ist eben eine Art der Erzählung, auf die ich stehe. In amerikanischen Filmen wird das oft gemacht, dass Plot und Thema getrennt werden. Wir stellen die Themen in einer Art dar, die ganz anders aussieht als die Verpackung. Das gibt dann eine emotionale Basis, die viel wichtiger ist. Die Themen sind immer viel spannender als der Plot. Und genau das versuchen wir nun auch bei „Swiss Miss“.