Kultur | 30.11.2010

Gegenwärtige Tradition

Text von Fabian Frei
19 Künstler aus dem Freiamt interpretieren das Werk des vorromantischen Künstlers Caspar Wolf.
Caspar Wolf bändigte die Urkräfte der Natur in seinen Gemälden… … die Gegenwartskunst setzt die für den Betrachter wieder frei. Fotos: Fabian Frei

Bändigung der Urkräfte

Knapp 250 Jahre ist es her, dass sich der Künstler Caspar Wolf mit den Landschaften der Schweiz auseinandersetzte. Als Vertreter der Vorromantik und des Rokoko interessierten ihn die Urkräfte der Natur, die unbändigen Kräfte der Felswände und Gletscher. In der Wahrnehmung der Urkräfte versuchte er, sie in seinen Bildern einzufangen und zu bändigen. Caspar Wolf, der 1735 in Muri geboren war, fand erst nach etlichen Anstrengungen wieder zurück in seine Heimatstadt. Gut 200 Jahre nach seinem Ableben konnten die verschollenen Landschaftsmalereien aus holländischem Privatbesitz zurück in die Schweiz und im 1981 gegründeten Caspar-Wolf-Kabinett als Denkmal für den berühmtesten Murianer ihren Platz finden.

 

Ausbruch der Urkräfte

Als Auftakt zum 30-jährigen Jubiläum des Caspar-Wolf-Kabinetts 2011 hat sich die gegenwärtige Kunstszene mit dem berühmten Schweizer Landschaftsmaler beschäftigt. 19 Künstler aus der Region Freiamt zeigen verschiedene Interpretationen der Werke von Caspar Wolf. Von Öl-, über Acrylmalerei und Mischtechniken wird der Betrachter mit einer Vielzahl von Stilen konfrontiert. Die Geschichte einer Kunst, die sich in diesem letzten Viertel des Jahrtausends noch einmal stark verändert hatte. Zwischen Tradition und Innovation zeichnet sich eine Kunst ab, die eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellt. Abstrakte Motive, Kombinationen aus Malerei und Collage oder assoziative Pinselführungen, tragen die Erscheinungen, die Wolf damals faszinierten, in die Gegenwart. Caspar Wolf hatte die Urkräfte der Natur gebannt und auf seinen Bildern festgehalten. In der Gegenwart brechen sie wieder aus der Bildfläche hervor, liefern Inspiration für die Kunstszene und ziehen den Betrachter wieder in ihren Bann.

 

Vergangenheit und Gegenwart

Zwischen der Textur der zeitgenössischen Interpretationen scheint die Erinnerung an Caspar Wolf und eine Kunst hindurch, die sich in den 250 Jahren verändert hat. Dass der Maler zwei Jahrhunderte nach seinem Tod 1783 zu neuem Ruhm kam, hätte seine Zeitgenossen wohl noch überrascht. Gegenwärtig überrascht es wohl kaum mehr, dass neben dem Gemälde des an der Ausstellung teilnehmenden aber kürzlich verstorbenen René Villiger ein Roter Punkt angebracht ist.

 

Die Ausstellung K10 lädt ein zu einem Blick in die Vergangenheit. Gleichsam auch zu einer Reflexion der Gegenwart.

 

 

Info


“K10” Kunstszene Freiamt, noch bis am 5. Dezember 2010 im Singisenforum Muri (www.murikultur.ch)