Kultur | 22.11.2010

“Filme müssen authentisch sein”

Text von Alice Grosjean | Bilder von Sandra Biberstein
Sie ist eine junge Filmemacherin, ein Fan von Javier Bardem und lässt sich auch einmal vom Arbeiten an der Migroskasse inspirieren. Mit ihrem Dokumentarfilm "Nid hei cho" hat Thaïs Odermatt 2009 den Luzerner Filmpreis am Upcoming Film Makers gewonnen. Dieses Jahr ist sie wieder mit dabei, als Jurymitglied.
"Bei einem guten Film weiss der Macher genau, von was er erzählt."
Bild: Sandra Biberstein

“Für mich muss ein Film vor allem eine gewisse Authentizität haben”, sagt Thaïs Odermatt. Bei einem guten Film wisse der Macher genau, wovon er erzähle, “ansonsten würde man ihm die Botschaft nicht abnehmen”. Sie selbst werde zum Beispiel nie und nimmer einen Film über die Mafia realisieren können. Als Jurymitglied konnte die Nidwaldnerin dieses Jahr für einmal selbst die Gewinner mitbestimmen. Mit den erkorenen Siegerfilmen ist sie ziemlich zufrieden, vor allem die beiden Erstplazierten hätten sie wirklich beeindruckt: “Die meisten Filme hier sind wirklich sehr gut.” Man müsse sich zuerst immer seine eigenen Kriterien schaffen, um dann zu bewerten. Beim Kritisieren und Analysieren werde dann oft mit sich selbst verglichen. “Dabei habe ich auch wahnsinnig viel über mich und mein eigenes Schaffen gelernt”.

 

International erfolgreich

Mit ihrer Dokumentation über wildernde Männer in den Innerschweizer Bergen hat Thaïs Odermatt letztes Jahr die Juroren überzeugt. Neben dem Upcoming Film Makers Festival gewann sie den Babelsberger Medienpreis in der Kategorie “Bester Absolventenfilm” und wurde für den Schweizer Filmpreis, den Quartz, nominiert. “Ich dachte zuerst, der Film würde eigentlich nur im deutschen Sprachraum funktionieren”. Erst letzte Woche gewann der Film aber den ersten Preis am Kurzfilmfestival in Badalona in Spanien und hat damit auch seine internationale Konkurrenzfähigkeit bewiesen.

 

Persönliches Highlight

Trotz allem Erfolg hat das Upcoming Film Makers Festival aber immer noch eine hohe persönliche Bedeutung für Thaïs Odermatt. Hier hatte sie vor fünf Jahren ihren ersten, längeren Film eingeschickt, der auch gezeigt worden ist. “Nur schon, dass der Film gezeigt wurde, diese Anerkennung aus der Heimat, war damals eine riesige Motivation für mich”, sagt die 30-Jährige. “Das Upcoming Film Makers war mein erstes Festival und deswegen immer wieder ein Highlight.” 2009 war ausserdem die letzte Chance von Thaïs Odermatt, denn mit dreissig Jahren darf sie ihre Filme jetzt gar nicht mehr einreichen. “Da war der Preis natürlich die Krönung des Ganzen”, meint die 30-Jährige strahlend.

 

Geschichten suchen

Thaïs Odermatt ist ursprünglich gelernte Primarlehrerin. Nach abgeschlossenem Studium, einem Jahr Berufserfahrung und verschiedenen Reisen hat sie ein Studium an der Hochschule Luzern aufgenommen und dort in der Abteilung “Video” letztes Jahr mit dem Film “Nid hei cho” abgeschlossen. Selber Filme zu machen, sei schon immer ihr Traum gewesen, sagt sie und scheint dabei unbekümmert und optimistisch. Wenn sie könnte, würde Thaïs Odermatt sofort einen Film mit Javier Bardem drehen. “Er ist einfach ein extrem guter Schauspieler und sieht gut aus”, meint sie grinsend. Auch zu Penelope Cruz würde sie nicht nein sagen: “Sie ist mir zuerst nie aufgefallen, aber in ‘Vicky, Christina, Barcelona’ hat sie hervorragend gespielt”.

 

Inspirieren lässt sich die 30-Jährige überall, sie hört sich vor allem gerne Geschichten an und rät auch allen Nachwuchsfilmern dazu. “Es ist wichtig, sich nicht einzuschliessen, sondern viel zu erleben, verschiedene Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln.” Das könne auf Reisen, aber genau so gut beim Arbeiten an einer Kasse im Supermarkt sein. “Überall erlebt man Geschichten, die inspirieren.”