Politik | 21.11.2010

Eine Zahbutzfrau für das Internet

Text von Martin Freiermuth | Bilder von schmid-federer.ch
Barbara Schmid-Federer ist Nationalrätin der CVP und engagiert sich für Familien und Jugendpolitik. Besonders wichtig ist ihr der Schutz von Kinder und Jugendlichen im Internet. Tink.ch befragte sie zum Thema "Chatrooms und Pädophilie".
Medienkompetenz hat für den Jugendschutz höchste Priorität.
Bild: schmid-federer.ch

Frau Schmid-Federer, eine Arbeitsgruppe an der Jugendsession befasst sich mit dem Thema “Chatrooms und Pädophilie”. Zu diesem Thema hat die Gruppe einen Petitionstext ausgearbeitet. Darin fordern sie, Therapiezentren für Pädophile zu schaffen, damit diese nicht zu Tätern werden. Was halten Sie von der Idee?

Barbara Schmid-Federer: Zuerst muss ich sagen, dass es ähnliche Einrichtungen bereits gibt. Wenn man aber explizit eine solche Anlaufstelle gründen könnte und das bekannt macht, dann fände ich das natürlich eine super Idee. Alles, was eine Tat verhindern kann, ist gut.

 

Die Prävention von Chatroom-Pädophilie ist Ihnen ein grosses Anliegen. Dabei sprechen Sie auch oft von der Vermittlung von Medienkompetenz. Was genau meinen Sie damit?

In der Fachwelt ist bereits bekannt: Je besser Jugendliche und Erwachsene über den im Umgang mit elektronischen Medien geschult sind, desto besser können sie sich damit bewegen. Sie wissen, wie sie sich schützen können und machen dementsprechend auch weniger Fehler. Wenn es um den Jugendschutz geht, erachte ich das als Priorität Nummer eins. Fachpädagogen sind bereits heute der Meinung, dass Schulen fächerübergreifend Medienkompetenz vermitteln sollen. Es interessiert auch die Wirtschaft, ob jemand IT-fit ist. Die Medienerziehung den Eltern zu überlassen ist schwierig, da diese ohne das Internet aufgewachsen sind. Ihnen fehlt die Erfahrung und sie brauchen Hilfe. Hilfe erhalten sie, wenn man den Eltern an Elternabenden Kurse anbietet.

 

Müssten denn diese Angebote nur von der Schule kommen, oder müsste der Bund sich für die Schaffung von nationalen Kompetenzzentren oder Anlaufstellen für Eltern und Kinder einsetzen?

Das ist auch die Forderung meiner Kollegin Viola Amherd. Aber solange dies nicht mehrheitsfähig ist, versuchen wir es auf anderen Wegen. Ich habe folgendes Bild vor Augen: So wie es die “Zahbutzfrau” oder den Verkehrspolizisten gibt, wird es irgendwann auch einen Internetspezialisten geben, der in die Klassen geht und die Schüler lehrt. Wir haben da sehr viel Nachholbedarf.

 

2009 forderte Ursula von der Leyen, die damalige deutsche Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, ein Stoppschild für Internetseiten mit fragwürdigen Inhalten. Dazu sollten die Internetbetreiber die entsprechenden technologischen Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Finden Sie, dass man die Schweizer Internetbetreiber ebenfalls verpflichten sollte, etwas zu unternehmen?

Man muss sie auf alle Fälle dazu verpflichten. Die Betreiber haben aber auch schon selbst festgestellt, dass sie ein Problem haben, wenn sie sich nichts unternehmen. Deshalb haben sie sich zu einer freiwilligen Zusammenarbeit entschlossen. Diese ging teilweise gut. Da müsste man natürlich auch eine umfassende Lösung finden. Ich Ich habe bei der Swisscom eine Kinderschutz-Software heruntergeladen und auf dem Computer meiner Kinder installiert. Ich finde die Software eine gute Sache, denn ich möchte nicht, dass meine Kinder zufälligerweise auf Pornoseiten stossen. Da ich die Software nun installiert habe, sehe ich auch, dass es technisch ganz einfach ist, die Kinder und Jugendliche zu schützen vor den Gefahren im Netz.

 

Letzte Frage: Ihre Meinung zur Jugendsession?

Finde ich total wichtig! Durch meinen eigenen späten Einstieg in die Politik konnte ich selbst leider nicht davon profitieren. Dabei hätte ich gerne schon früher an einer Jugendsession teilgenommen. Heute habe ich eine Gruppe besucht, die sich wünscht, dass die Jugendsession gefestigt und in den Kantonen für obligatorisch erklärt wird. Das verstehe ich, das macht Sinn.