Politik | 20.11.2010

Eine Prise Prominenz

Text von Céline Graf | Bilder von Michael Dolensek
Altbundesrätinnen, Bundespräsidenten, Nationalrätinnen und Ständeräte gehen für einmal nicht ihrem politischen Tagesgeschäft nach, sondern halten an der Jugendsession Reden und diskutieren mit.
Eine Prise Prominenz darf an der Eidgenössischen Jugendsession nicht fehlen. Dass Promis wie Adolf Ogi als Gäste erscheinen, dafür sorgt der VIP-Koordinator.
Bild: Michael Dolensek

Doris Leuthard, Adolf Ogi, Lukas Reimann, Pascale Bruderer und andere bekannte Gesichter entdeckt man dieses Wochenende in der Menge der Jungpolitisierenden. “Die meisten Politikerinnen und Politiker finden die Jugendsession eine tolle Sache und kommen als Zeichen der Anerkennung für die Arbeit der Jugendlichen”, sagt Christoph Musy, ehemaliger Projektleiter der Jugendsession. Es gebe aber auch Ständeräte, vor allem aus Bern und Umgebung, die Präsenz markieren wollen, um so ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen.

 

Kennt sich ein Politiker auf einem bestimmten Themengebiet besonders gut aus, fragen ihn die Organisatoren der Jugendsession gezielt an, so Christoph Musy. Ob aus Interesse, Eigennutz oder anderem Grund: Jahr für Jahr sind es 15 bis 20 Bundespolitikerinnen und -politiker, die der Jugendsession die nötige Prise Prominenz verleihen. “Politiker sein ist toll”: Das diesjährige Motto erinnert daran, dass hier auch gestandene Politiker mit ihren potentiellen Nachfolgern Erfahrungen austauschen.

 

Dann kam der “Gewöhnungseffekt”

Auch wenn stets ein Teil der Politiker kurzfristig absagt, sind die beiden Kammern an der Jugendsession jährlich mit ein bis zwei Personen pro Gruppe vertreten. Bei der Exekutive war das nicht immer so. “Bundesrätinnen und -räte anzufragen war lange Zeit kein Problem”, sagt Christoph Musy, 2005 aber blieben Zusagen aus. Als Grund vermutet Musy einen «Gewöhnungseffekt«, nach über zehn Jahren sei man nachlässig geworden. “Wir schrieben die Politiker an, fragten erst einen Monat später nach – und plötzlich war es zu kurzfristig.” Es komme eben vor allem auf den Effort des Organisationskomitees und der Projektleitung an, so Musy.

 

Deshalb lautete die Lösung: Professionalisierung. Man begann, früh anzufragen und nachzudoppeln. Die Agenda der Politiker wurde in die zeitliche Planung miteinbezogen. So laufen Fraktionssitzungen und Jugendsession im November parallel. Und die Gruppen “Brandaktuell” behandeln Traktanden der Wintersession, wie etwa dieses Jahr das Thema Chatroom-Pädophilie. “Im November ist auch die Medienarbeit wirkungsvoller, weil mehr Bundeshauskorrespondenten unterwegs sind”, ergänzt Musy. Die Massnahmen fruchten: Seit dem Tief 2005 kommen wieder regelmässig (Alt)Bundesrätinnen und -räte an die Jugendsession.

 

Der VIP-Koordinator

Effiziente Organisation hatte man bereits 1995 im Sinn, als das OK auf ein kleineres Team reduziert wurde. Dort im Ressort “Politische Kontakte” sorgt Damian Vogt für die bekannten Namen im Programm. Der sogenannte VIP-Koordinator verschickt Einladungen an alle 246 Bundesparlamentarier. “Wir achten darauf, dass möglichst alle Parteien und Sprachregionen vertreten sind”, sagt der 19-Jährige. Quoten gäbe es aber nicht. An der Jugendsession begrüsst Damian Vogt die Politiker. Sie diskutieren mit den Jugendlichen und halten im Bundeshaus ihre Reden vor ungewohnt jungem Publikum, bevor Damian Vogt die Gäste wieder verabschiedet. Dann nimmt für Pascale Bruderer, Lukas Reimann und die anderen der politische Alltag wieder seinen Lauf.