Kultur | 16.11.2010

“Am liebsten ewig Musik machen”

Text von Laura Kissling
Dass sie für die Bühne geboren ist, beweist Caroline Chevin aktuell auf ihrer "Back in the days"-Tour in verschiedenen Schweizer Städten. Tink.ch hat am vergangenen Freitag ihr Konzert im Stadtkeller Luzern besucht und zum Interview gebeten.
Möchte am liebsten überall auf der Welt auftreten: Caroline Chevin. Fotos: Laura Kissling "Wer mich kennt, weiss, dass "Diva" die falsche Bezeichnung ist."

Caroline Chevin wird durch ihren Radio-Hit “Back In The Days” bei so manchem Schweizer bekannt sein, wenn vielleicht auch nicht direkt mit ihrem Namen. Mit ihrem neuen gleichnamigen Album, welches im August dieses Jahres erschienen ist, schlägt sie musikalisch neue Wege ein und klingt nun so grossartig wie noch nie. Wer ihre Songs im Radio hört, würde wohl kaum vermuten, dass dahinter eine nationale Persönlichkeit steckt. Die Songs erinnern mehr an Grössen wie Joss Stone oder Amy Winehouse. Die Innerschweizerin hat nicht nur mit Anastacia mitgehalten, als sie für die Kanadierin die Show im Zürcher Hallenstadion eröffnete, sondern sich mit ihrem Solodebut “Feel Real” und mit Musical- und TV-Auftritten in viele Schweizer Herzen gesungen.

 

Kannst du “Back In The Days” in drei Wörtern beschreiben?

Caroline Chevin: In drei Wörtern? (lacht) Also: Ohrwurm, soulig und (überlegt lange) Tanzen.

 

Welcher Song auf der neuen CD hat dir am meisten Kopfzerbrechen oder schlaflose Nächte bereitet?

“Same Old Song And Dance”! Wenn ich mir den Song heute anhöre, wirkt er so vollkommen. Doch zu Beginn war alles an dem Song sehr unklar. Meistens hat man eine Melodie und ein Thema, worüber man singen möchte. Stück für Stück kommen einem dann die passenden Worte in den Sinn. Aber bei diesem Song war einfach nichts. Ich hatte die Melodie aber einfach keine Eingebung, worüber der Song handeln soll. Es war anfangs so schwierig – und dann ging es plötzlich ganz schnell und der Song war da. Aber ja, “Same Old Song And Dance” hat mir definitiv Kopfzerbrechen bereitet.

 

Auf deinem ersten Album findet man unter anderem einen Song in Kooperation mit Seven. Mit welchem Künstler – national oder international – würdest du sonst gerne einmal zusammenarbeiten?

International würde ich unglaublich gerne mal mit Stevie Wonder zusammenarbeiten, aber die Umsetzung wäre da vermutlich sehr schwer. Jamie Lidell würde mich auch reizen, er ist ein grandioser Musiker.

National finde ich Marc Sway sehr cool. Ich habe mit ihm ja auch schon zusammengearbeitet, aber noch keinen gemeinsamen Song gemacht.

 

Wenn du selber frei wählen könntest, wo auf der Welt würdest du gerne auftreten?

Überall! Die Schweiz kenne ich ja unterdessen ein bisschen, aber es ist immer noch spannend. Jedes Konzert ist individuell, sogar auch wenn du zweimal am gleichen Ort spielst. Aber über die Grenzen hinaus möchte ich auf jeden Fall und da ist es mir dann gar nicht so wichtig wohin. Am liebsten überall auf der ganzen Welt!

 

Vor rund drei Jahren hast du ja die Hauptrolle im Musical “Ewigi Liebi” gespielt. Was war das für eine Erfahrung, vor allem aus musikalischer Sicht?

Aus musikalischer Sicht war es nicht viel anders als sonst. Wir hatten ja auch eine Live-Band und sangen Pop-Rock-Songs und nicht typische Musical-Sachen.

Eine neue Erfahrung war zum Beispiel das Singen im Chor. Aber vor allem das Ganze drum herum war speziell: Die Tatsache, dass du jeden Abend auf der Bühne stehst und der Fahrplan genau gegeben ist, macht den grossen Unterschied. Ich hatte nicht die Möglichkeiten, mal die Setliste zu ändern oder etwas anderes zu sagen, wie ich das an meinen Live-Konzerten natürlich tun kann, sondern musste den Fahrplan genau einhalten.

 

Würdest du wieder mal in einem Musical mitspielen?

Ich komme definitiv aus der Live-Band-Szene, aber wenn es mal wieder etwas richtig Cooles geben würde, wäre ich nicht abgeneigt. Ich suche einfach nicht danach. Nach meinem allerersten Musical – ich spielte die Hauptrolle in “Fame” – war für mich klar, dass ich irgendwann bei einem zweiten Musical mitmachen würde. Ein drittes Musical müsste nicht unbedingt sein, doch wenn es eine wirkliche coole Rolle und coole Musik beinhalten würde, könnte ich mir das schon nochmal vorstellen.

 

Gibt es musikalische Einflüsse aus deiner Kindheit, die dich bis heute prägen?

Ja, zum Beispiel Aretha Franklin. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich eine “Greatest Hits”-CD von ihr hatte und regelmässig Mittwochnachmittags mit ein paar Kolleginen im Zimmer vor dem Spiegel stand und dazu tanzte und sang. Diesen Einfluss hört man bestimmt auch auf dem aktuellen Album. Aber auch Michael Jackson war in meiner Jugend ziemlich gross. Das hat mich sicher migeprägt.

 

Gibt es einen langfristigen Wunsch oder Traum, den du zu verwirklichen hoffst?

Ich glaube, langfristig gesehen möchte ich am liebsten ewig Musik machen und auf der Bühne stehen. Wichtig ist mir einfach: Nur so lange ich Spass daran habe. Ich möchte gerne bis ich Achtzig bin auf der Bühne stehen, aber immer mit der Option, dass ich aufhören kann, wenn es mir keinen Spass mehr macht.

 

Ehrt es dich, dass du in diversen Medien als neue “Soul-Diva der Schweiz” bezeichnet wirst oder beschränkt dich so eine Aussage als Künstlerin?

Nein, ich glaube, das sind einfach so Schlagwörter, die benutzt werden, um jemanden zu schubladisieren. Leute brauchen solche Inputs, um zu wissen, was dieser Künstler nochmal genau macht und welche Richtung er einschlägt. Ich weiss, dass es einfach Schlagwörter sind, die die Presse braucht und dafür sind solche Bezeichnungen okay. Gut, «Diva« (lacht) – wer mich kennt, der weiss, dass das für mich die falsche Bezeichnung ist.

 

Und zum Schluss noch eine Frage in eigener Sache. Wir von Tink.ch waren bisher ein reines Online-Magazin und haben soeben unser erstes Printmagazin veröffentlicht, welches viermal jährlich erscheinen soll. Was hältst du davon, diesen Schritt rückwärts zu machen und neu zusätzlich auf ein Printmagazin zu setzen? Bist du auch jemand, der News mehrheitlich nur noch online bezieht?

Ich glaube, ich bin in diesem Bereich wirklich noch Old-School. Ich halte gerne etwas in den Händen zum Lesen. Ich lese sehr gerne und habe da auch gerne etwas in den Händen, das man blättern kann. Wir machen sowieso schon genug am PC mit E-Mails schreiben und solchen Dingen.

 

 

Info


Wer sich die Chance nicht entgehen lassen möchte, Caroline Chevin live zu erleben, hat in den kommenden Wochen noch reichlich Gelegenheit dazu.

 

 

Alle aktuellen Tourdaten findet ihr unter www.carolinechevin.ch.

 

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