Kultur | 22.11.2010

Am Ende war die Kritik

Text von Tink.ch | Bilder von zvg
In der Kürze liegt die Faulheit. Das mag stimmen, war aber keineswegs der Grund für die nachfolgenden Kurzkritiken. Vielmehr versammeln wir so die bunte Vielfalt der diesjährigen Ausgabe des Upcoming Film Makers in einem Artikel.
500g Alltag: Die Folgen antiautoritärer Erziehung? Das ist Helmut.
Bild: zvg

Maybe Forever

Zwei Persönlichkeiten, die gegensätzlicher nicht sein könnten, betreten eine Fabrikruine. Die quirlige Surja sieht die Welt durch die Linse ihrer Kamera. So sieht sie auch Sid, der ihr widerwillig folgt und immer wieder ängstlich ihren Namen ruft. Der Zauber des Neuen steht im krassen Gegensatz zu den zerstörten Räumen. Mit einer erfrischenden Natürlichkeit lockt Surja Sid in den ausgebrannten Dachstuhl, wo sie zusammen einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben. Ein kleiner Ausschnitt aus zwei Leben. Alles, was vorher und nachher ist, liegt in der Fantasie des Zuschauers. Ein kleines Lächeln bei der Verabschiedung durchdringt das Herz mit der Wärme eines letzten Sonnenstrahls.

 

Lilla’s Familie

Lilla, ihr Bruder Ruben und ihre Eltern sprechen über Prioritäten im Leben, Familie, Studium, Beruf und Motorräder. Der Dokumentarfilm zeigt auf eindrückliche Weise die verschiedenen Einstellungen einer ungarischen Familie zum Leben. Alltagssorgen wie Tattoos oder der Konflikt zwischen Geschwistern werden thematisiert. Die Kontraste der verschiedenen Personen regen den Zuschauer an, sich über sein eigenes Leben Gedanken zu machen.

 

Stillstand

Ich versuche einen Text zu schreiben, mir fällt nichts ein. Kaffee. Ich versuche einen Text zu schreiben, mir fällt nichts ein. Zigarette. Ich versuche einen Text zu schreiben, mir fällt nichts ein. Ein Über-Ich im Anzug, welches mich daran hindert, auszubrechen. Draussen im Schnee spielt die unbeschwerte Kindheit. Ich versuche einen Text zu schreiben, mir fällt nichts ein. Und dann klingelt das Telefon.

 

500g Alltag

Das Förderband läuft, die Schlange steht still. Mensch an Mensch aufgereiht, warten die Kunden auf das nächste Grüezi, auf die Frage nach der Supercard, auf den nächsten Schritt in Richtung Ausgang. Mittendrin zwei antiautoritär erzogene Kinder, welche die geschäftige Ordnung unserer Einkaufswelt bekleckern. Vielleicht hätte Mami doch einmal nein sagen sollen…

 

Into The Zone

Alles schweigt, ausser der Geigerzähler. Der Traum von absoluter Sicherheit ging vor 24 Jahren in die Luft, mit der Kraft von 500 Hiroshima-Bomben. Der Tod lauert seither unsichtbar, unfühlbar zwischen den grauen Sowjetbauten. Der Krebs sucht die Menschen heim, zufällig, statistisch, grundlos. Und doch gibt es Leben in Pripyat. Menschen arbeiten, pflanzen Gemüse an, essen es und werden dennoch 85 Jahre alt. Es gibt ein Leben nach Tschernobyl, Block 4.

 

Ich bin-˜s. Helmut

Da sitzt Helmut. Er feiert. Man sieht ihm das zwar nicht an, aber die Gertrud hat-˜s am Telefon gesagt. Sein Haus ist voller Wände, sorgsam tapeziert und geschmückt. Den Bus, der ihn aus dem Dorf bringen würde, hat er nie erwischt. Als sich sein Geburtstagsessen plötzlich in seinen Nachbarn verwandelt, fällt auch der Rest der Fassade von Helmuts Welt zusammen. Auf einer grünen Wiese gestrandet erkennt er, dass er keinen Bus braucht, um zu gehen. Eine Trompete, ein Orchester, etwas Jazz, das reicht vollkommen. Smooth, Helmut.

 

Harlekin

Die berührende Doku zeigt einen Zirkus-Direktor in seinem täglichen Überlebenskampf. Neben der Show existiert eine ebenso reale Gegenwelt, in welche der Zuschauer nun eintauchen darf. Eine ungeschminkte, musiklose Welt, die sich hinter den Kulissen abspielt mit Rückenleiden und Fernsehkäufen. Während die Last der Nähe erdrückend wird, glühen die Lichter des kleinen Zirkus vor der riesigen Bergkette.

 

Störfaktor

Einatmen. Losrennen. Springen. Ausweichen. Weiterrennen. In den Lichtern der Nacht untergehen. Der Vergangenheit entkommen. Rennen. Rennen. Rennen. Die Orientierung verlieren. Die Gesellschaft hassen. Bier trinken. Texte rappen. Frauen aufreissen. Die Leere füllen. In die Anonymität abtauchen. Den Graben überspringen. Aufs Wesentliche konzentrieren. Ausatmen.