Kultur | 05.10.2010

Zwölf lange Jahre

Text von Martin Siegrist | Bilder von Martin Siegrist
Junip veröffentlichten dieses Jahr nach 12 zwölf Jahren Bandgeschichte ihr erstes Album. Tink.ch traf die Schweden vor ihrem Konzert in Zürich und sprach mit ihnen über ihre erste grosse Tour und kostbare Musik.
Junip das sind: Elias, Tobias und José.
Bild: Martin Siegrist

 

Wie läuft eure erste grosse Tour?

José Gonzalez: Auf dieser Tour haben wir erst fünf Shows gemacht. Wir reisen in der Nacht mit dem Bus, wenn wir am folgenden Tag aufwachen sind wir in einer neuen Stadt.

 

Tobias Winterkorn: Für mich ist alles neu, ich war noch nie für mehr als zwei Wochen unterwegs. Jetzt sind’s schon über drei Wochen. In den USA wird es ein Monat sein. Ich mag das touren. Aber ich vermisse meine Familie, ich versuche nicht so viel daran zu denken.

 

Eine grosse Tour. Viele Leute wissen jedoch nicht, dass Junip schon seit über zehn Jahren existiert.

José Gonzalez: Ja, unsere Band ist nicht so bekannt. Viele kennen uns nicht, aber noch weniger kennen sie unsere Geschichte. Wir haben vor zwöff Jahren angefangen aber nicht viel gemacht. Eine Single ist im Jahr 2000 und eine CD in 2006 erschienen und wir haben in etwa 30 Shows gespielt. Seit diesem Mai haben wir fast 60 Shows gespielt. Wir sind eine sehr unstete Band, aber wir waren nie dramatisch genug, um zu sagen, dass wir nicht mehr existieren, dass wir uns auflösen.

 

War es schwierig, nach so langer Zeit eine ganze CD zu machen?

J: Nein, nicht wirklich, wir sind zusammen gekommen, um ein Album zu machen. Es ging sehr einfach und klang ganz gut. Es dauerte nicht sehr lange, nur etwa anderthalb Jahre mit dem Mixing und allem.

 

T: Wir mussten für uns selbst entscheiden wie wir arbeiten, wir hatten keine Regeln. Wir wussten, dass wir ein Label und eine Booking Agentur hinter uns hatten, das war auch inspirierend. Wir hätten vielleicht sonst nichts zu Stande gebracht, wenn wir einfach wieder gesagt hätten, lass uns mal etwas machen.

 

Was hat neben der finanziellen Absicherung kreativ den Ausschlag gegeben, ein Album zu machen?

J: Ich wollte das schon sehr lange machen, aber ich war seit sieben Jahren immer für ein Jahr ausgebucht. Wir mussten voraus planen. Natürlich war es nicht sehr charmant zu sagen, Freunde, in einem Jahr machen wir ein Album. Es ist uns aber sehr wichtig, gute Musik zu machen und wir fanden unsere Musik zu kostbar, um sie jetzt wegzuwerfen. Die finanzielle Seite ist auch wichtig. Vor zwölf Jahren war das noch anders, aber jetzt müssen wir Miete bezahlen, Tobias hat eine Familie. Es ist damit alles seriöser geworden.

 

José, du warst jetzt viele Jahre als Solo-Künstler unterwegs, was sind die grössten Unterschiede, jetzt wieder mit einer Band zu arbeiten?

J: Mehr Musik und weniger Zeit, einsam zu sein. Ich kann jetzt mal zurück lehnen und ein Teil einer Gruppe zu sein. Dadurch bin ich freier, es gibt weniger Druck und mehr Spass.

 

Viele Leute kennen Junip nicht, aber José Gonzalez. Ist das nicht frustrierend, wenn die Leute an den Konzerten nur ihn erwarten?

T: Es gibt Leute, die unsere Musik nie gehört und sich nicht informiert haben. Klar, Josés Name war eine Hilfe, es war damit einfacher, solche Shows zu kriegen. Aber mit der Veröffentlichung der CD haben wir erst angefangen. Hoffentlich kennen uns die Leute dann in ein paar Monaten besser und wollen Junip wegen Junip sehen.

 

Gibt es einen Plan wie es nach der Tour weitergehen soll?

T: Wir haben schon neue Songs geschrieben. Es wird also lustig werden und nicht unmöglich, ein weiteres Album in ein paar Jahren zu machen. Vielleicht auf eine andere Art, es muss ja nicht ein ganzes Album sein, aber es wird sicher nicht wieder zwölf Jahre dauern bis wir etwas veröffentlichen.

J: Ich werde in der Zeit auch eigene Sachen machen, mal wieder ein Soloalbum , aber danach auch ein Junip-Album. Ich möchte mehr Zeit in die Tour mit Junip investieren und mehr Zeit für meine Solo-Dinge haben.

 

Ihr könnt’s wohl nicht mehr hören, dass ihr beide in Hardcore Bands gespielt habt und euch so kennen gelernt habt. Was hat euch denn so beruhigt, dass ihr nun ganz andere Musik spielt?

T: Wir haben immer nicht nur Hardcore Musik gehört, auch früher, auch jene Musik, die wir jetzt machen. Es hat sich in jenem Moment einfach natürlich angefühlt, diese Musik zu machen.

J: Von aussen scheint es vielleicht komisch, aber wir drei haben ganz unterschiedliche Musik gehört, es ist also eher ein Zufall, dass wir uns überhaupt durch Hardcore Musik kennen gelernt haben.

 

José, du warst bei deinen Soloshows immer sehr schüchtern, ist das jetzt mit der Band anders?

J: Ich sage einfach nicht so viel zwischen den Songs. Es ist ein Unterschied zwischen schüchtern sein und nichts Interessantes zu sagen zu haben. Ich habe oft einfach nichts Interessantes zu sagen. Je nach Stil des Songs fühlt es sich an, also ob ich eine gewisse Stimmung unterbrechen würde, wenn ich da etwas sagen würde.

 

Links

  • Die Homepage der Band