Kultur | 04.10.2010

Zwischen den Dimensionen

Text von Fabian Frei | Bilder von Katharina Good
An der Photokina in Köln präsentierten die Hersteller ihre neusten technischen Errungenschaften. Doch neben Zukunftsvisionen überzeugte auch Altbewährtes.
Inszenierungen und Models jeder Art für alle Fotografen. Für die Profis mit teuren Kameras... ...um die dritte Dimension zu erkunden... ...um Wassernixen und ähnliche Wesen fotografisch festzuhalten... ...und auch für jene Models, die sich selbst fotografieren wollen.
Bild: Katharina Good

06.05 Uhr. Köln. Nach gut sechsstündiger Fahrt mit der Deutschen Bahn verlangen die schmerzenden Glieder nach einer grossen Tasse Kaffee. Trotz des koffeinhaltigen Getränks ist man noch nicht wirklich wach. Doch wie man aus dem Bahnhofsgebäude heraustritt, wird man mit dem gigantischen Kölner Dom konfrontiert, direkt neben dem Bahnhof. Ein überwältigender Anblick, doch darum sind wir (diesmal) nicht hier. Ziel ist die weltweit grösste Imaging- und Fotografiemesse: Die Photokina 2010.

 

Aufbruch in die dritte Dimension

Der Trend ist klar ersichtlich. Die bisher zweidimensionalen Bilder sollen in die dritte Dimension übersetzt werden. Weg von der langweiligen Mattscheibe in die Tiefe der Realität. Die grossen wie auch die kleineren Hersteller präsentierten die neusten Errungenschaften. Insbesondere die Möglichkeit des plastischen Fernsehens: Filme und Games werden zu miterlebbaren Welten. Natürlich in höchster Auflösung.

 

Die Brille ist noch nicht passé. Technologien, die die Brille überflüssig machen, gibt es dennoch. Fuji-Films präsentiert eine Kamera, welche die dreidimensionale Aufnahme auf dem Bildschirm als solche erscheinen lässt. Diese Aufnahme ist auch gleich als dreidimensionales Foto druckbar. Bloss ein Prototyp allerdings, denn die Technik ist im Gegensatz zu den Fernsehern noch nicht ausgereift, weshalb andere Hersteller dieser Technik eher kritisch gegenüber stehen. Während die Darstellung der neu zu erschliessenden Dimension aufgrund technischer Mängel noch schwierig scheint, ist sie in der Aufnahme bereits ziemlich weit erkundet. So entwickelte Panasonic ein erstes Wechselobjektiv und weitere Aufzeichnungsgeräte, welche die dreidimensionale Aufnahme erlauben. Auch Scanbull war mit einem 3D-Scanner vertreten, welcher plastische Objekte als solche erfasst. Die Pioniere wagen die Erkundung der neu erschlossenen Welt. Bis 2014 wird diese Welt nach Meinung der Hersteller auch von der Masse betretbar sein.

 

Analog vs. Digital

Interessant ist, wie beliebt die analoge Fotografie ist als Kontrast zu den neuen Technologien. “Leave the digital grind behind” ist der Slogan der Technologie, welche die Fotografie in das letzte Jahrhundert zurückversetzt. Autofokus, Gesichtserkennung, sensorgesteuerten Bilderfassung und Bildstabilisierung gehören zu den Standards der heutigen Zeit. Doch die Fotografie setzt auch wieder auf Altbewährtes. Die Lomographie ist das Extrem dieser Entwicklung. Die aus Plastik gefertigte Billigkameras mit Filmrollen, welche an das letzte Jahrhundert anknüpfen und die Bilder dem Zufall überlassen, genossen an der Messe hohe Aufmerksamkeit. Doch muss man den Film entwickeln lassen – eine Tortur im digitalen Zeitalter. «Oldschool« ist aber nicht nur diese extreme Form. Auch andere Hersteller gehen teils in diese Richtung. Insbesondere die Designs orientieren sich am Altbewährten, die Technologie der Polaroid-Sofortkameras wird wieder aufgegriffen. Neueste Technik in alter Bestform.

 

Oder alte Technik in neuer Schlechtform. Die Aussteller ohne verblüffende Neuigkeit setzten auf primitive Werbeaktivität. So waren einige Hersteller mit den neuen Produkten nur durch die Models aufgefallen, welche sich dem Publikum spielend präsentierten – vor einem Bildschirm ohne tatsächlichen Zusammenhang zur gesamten Show und mit Kameras der neuen Produktserie. Oder es waren Klischeefotografen am Werk (“Yeah, perfect. C’mon, give me the energy”) oder andere “Attraktivitäten”: Bodypainting, Models, Playboybunnies. Eine witzige oder doch lächerliche Effekthascherei, die natürlich das Ziel erreichte. Primitiv doch sinnvoll, denn die neuen Produkte sind qualitativ überzeugend.

 

Fotos für alle

Nebst diesen klaren Favoriten gab es an der Messe auch Fotografie für jedermann. Einige Fotobuch-Anbieter zeigten, was sich mit Bildern machen lässt. Die digital generierten Fotobücher sind kaum mehr wegzudenken – doch heute setzt man auf individualisierte Massenproduktion. «Sie haben ein Foto? Wir machen Kunst daraus.« Oder eine Kaffeetasse, ein Kissen, eine Uhr, ein Booklet oder eine Tasche. Alles bestellbar übers Internet. Klarer Favorit ist diesbezüglich vermutlich CEWE, welche mit neuen Produkten zu erschwinglichen Preisen die eigenen Urlaubsfotos in jegliche Formen von Einrichtungs- oder Gebrauchsgegenständen verwandeln. Kleinere Anbieter überzeugten durch den Fotoprint auf Glasplatten, die das eigene Foto zu einem hübschen Staubfänger verarbeiten.

 

Natürlich muss man das Foto zuerst machen. Dafür braucht es entsprechende Gerätschaften. Neuerung war sicherlich die günstige Digicam von Samsung, die für den Schnorchler am roten Meer eine Chance bietet, die Unterwasserwelt ohne teures Zusatzequipment einzufangen. Im Vordergrund des Interesses steht eine einfache Bedienung – sowohl beim Fotografieren als auch bei der Bildbearbeitung.

 

Die Trends weisen den Weg der kommenden Jahre. 3D in den Wohnzimmern im alten Design und der Konsument wird zum Produzenten? Die Geschichte der Fotografie steht vor einem Wandel. Beobachten wir sie. Aber natürlich mit der Kamera.

 

Info


Die Photokina 2010 ist bereits vorbei. Die nächste findet vom 18. bis 23. September 2012 statt.