Kultur | 12.10.2010

Zukunftsmusik aus der Ostschweiz

Text von Tobias Söldi | Bilder von Patrick Britt.
Der Preis für den Sieger dieses Musikwettewerbs lässt sich sehen: Eine komplette Album-Produktion und ein Auftritt am Clanx-Festival in Appenzell. Ganze 32 junge Nachwuchsbands aus der Ostschweiz kämpfen am "bandXost" um den begehrten ersten Platz. Der erste der fünf Vorrunden ging in Buchs über die Bühne.
Cheap Noise überzeugten auch mit einem ruhigen Akustik-Song. Die einzige HipHop-Combo des Abends: Zensurrap. Nicht jedermanns Geschmack, aber spannend: Die Jam-Orgie von Kakerlakaken. Spring Heeled Jack brachten das Publikum mit ihrer Funkmusik zum Tanzen. Zum Abschluss gaben Shame-on-you ihren heftigen Hardcore zum Besten.
Bild: Patrick Britt.

Spring Heeled Jack? Cheap Noise? Zensurrap? Noch nie gehört? Macht nichts. Die fünf Bands, die am Samstag im Krempel in Buchs auftraten, befinden sich allesamt noch in den Startlöchern ihrer Karriere. Aber spätestens nach diesem Abend sind die Namen den Besuchern und den Lesern dieses Artikels ein Begriff.

 

Als erste stiegen Zensurrap auf die Bühne im Krempel, die einzige HipHop-Combo an diesem Abend. Ihnen wurde die meist etwas undankbare Aufgabe überlassen, den Konzertabend zu eröffnen, waren doch die Gäste noch nicht so zahlreich und tanzfreudig. Trotzdem gaben die drei Rapper und ihr DJ ihr Bestes und animierten das Publikum (zeitweise) erfolgreich zum Mitsingen und Armeschwenken. 15 Minuten hatte jede Band Zeit, ihr Können zu beweisen. Wurde die Zeit überschritten, gab es Punkteabzug. Bewertet wurden die Bands von vier Jurymitgliedern, die schon während den Konzerten eifrig Notizen machten.

 

Dann wurden die Gitarren hervorgeholt und bis zum Ende nicht mehr weggelegt. Den Auftakt machten Cheap Noise aus dem Rheintal. Ihr gitarrenorientierter Alternative-Rock überzeugt vor allem durch das erstaunliche Stimmorgan ihres doch noch jungen Sängers: Zwischen melodischen Passagen und intensiven Schreieskapaden wechselnd, werden Erinnerungen an Kurt Cobain wach, den verstorbenen Sänger der Grunge-Band Nirvana.

 

Nicht jedermanns Geschmack

Mittlerweile hatte sich im Krempel bereits eine anschauliche Zahl von Musikfans eingefunden. Wie viele davon waren wohl vorbereitet, auf das, was nun folgte? Die drei Jungs von Kakerlakaken (kein Schreibfehler) traten auf die Bühne und hatten den Mut, eine 15-minütige Jamsession hinzulegen. Es wurde improvisiert und soliert, was das Zeug hielt. Die skurrile Maske, die der Sänger und Gitarrist trug, und der eigenartige Gesang verliehen dem Auftritt einen psychedelischen Anstrich. Dank technischem Können und Groove blieb das Ganze aber zu jeder Zeit spannend. Ein wortwörtlich einmaliger Auftritt, denn bei dieser Band ist wohl jedes Konzert anders. Klar auch, dass diese Musik nicht jedermanns Geschmack traf.

 

Massentauglicher hingegen war die nächste Gruppe. Spring Heeled Jack aus St. Gallen brachten das Publikum mit ihrem gute Laune verbreitenden, lockeren Funk zum Tanzen. Bei einer Art russischem Polka, den sie als letzten Song zum Besten gaben, sang und sprang das Publikum wie noch nie (und nicht mehr) an diesem Abend. Das Mehr an Konzerterfahrung und Routine merkte man dieser Band an. Erwartungsgemäss gewannen sie auch den Publikumspreis (letztendlich entscheidet aber die Jury, welche Band es ins Finale schafft): Mit einem Dezibelmessgerät wurde die Lautstärke des Applauses und Jubels des Publikums ermittelt. Mit 111 Dezibel erreichte die Truppe den höchsten Wert. Nachdem alle fünf Bands gespielt haben, durfte die Publikumslieblinge von Spring Heeled Jack noch einmal für 15 Minuten auf die Bühne.

 

Bands mit Potential

Als letzte Band trat Shame-on-you auf und zeigten, was auf der Gitarre neben Rock und Funk noch gespielt werden kann: Nämlich harte Musik wie Hardcore. Um das Publikum zu unterhalten, holten sie sich einen als Hasen verkleideten, headbangenden Kollegen auf die Bühne. Auch hier spürte man die zusätzliche Erfahrung, denn Shame-on-you hatten bereits in England Songs aufgenommen.

 

Alles in allem ein spannender, abwechslungsreicher Abend. Im Finale am 20. November in St. Gallen wird man bestimmt eine dieser Bands wieder antreffen, und vielleicht hört man von der einen oder anderen in Zukunft auch ausserhalb des “bandXost”-Wettbewerbs noch mehr. Denn Potential haben sie alle.

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