Kultur | 04.10.2010

Wenn Krebskranke erwachsen werden

Schweizer Filmproduktionen werden meistens nicht vom grossem Publikum wahrgenommen, doch bei diesem Film ist es unmöglich, wegzusehen. Die Rede ist vom Film "Stationspiraten", welcher am Zürcher Filmfestival Uraufführung hatte. Mit dem schwierigen Thema Krebs, grossem Gefühlskino und klasse Songs von Adrian Sieber ist dieser Film ein Meisterwerk.
Die Freundschaft hilft den Jugendlichen, den Glauben an die Zukunft nicht zu verlieren.
Bild: Walt Disney Studios Motion Pictures Switzerland

“Glamour” ist angesagt und der grüne Teppich liegt vor dem Kino Corso in Zürich bereit: Es ist Zürich Film Festival. Die Leute warten geduldig auf die VIPs, die jeden Moment über diesen nicht roten sondern grünen Teppich gehen werden. Plötzlich beginnt das Blitzlichtgewitter und schon tauchen sie auf, die bekannten wie auch eher unbekannten Gesichter. Dazu gehören der Soundtrackwriter Adrian Sieber von der erfolgreichen Basler Musikband Lovebugs aber auch die fünf Jugendlichen, welche die Protagonisten im Film verkörpern. Wie Profis geben sie ein kurzes Lächeln in die Kamera und verschwinden dann in der Masse der restlichen Festivalbesucher.

 

Freundschaft als starkes Band

Krebs als tödliche Krankheit ist der Alltag der fünf Jugendlichen Jonas, Michi, Benji, Kevin und Sascha. Sie teilen auf der onkologischen Station im Spital in Schwyz ein Zimmer. Zwei der Jungs haben wegen ihrer Krankheit schon ein Bein verloren, einer hat Leukämie, einer kann nur noch schwach gehen und der fünfte wartet noch auf seine Diagnose. Die Zukunft ist ungewiss und keiner weiss, wie lange er noch zu leben hat. Doch nicht jeder kommt mit der Situation gleich gut zurecht. Benji macht immer den Clown und versucht auf diese Weise, seine Krankheit zu vergessen, während Kevin mit seinen zynischen Sprüchen den andern immer wieder die knallharte Realität vor Augen führt. Nur durch die Freundschaft, die wie ein starkes Band die Jugendlichen verbindet, schaffen sie es, den Glauben an die Zukunft nicht zu verlieren.

 

Trauer und Freude

Action und “Gspässli” haben auch Platz im tristen Leben der Jugendlichen. Da machen sie aus Jux eine Röntgenaufnahme, bei der drei den Mittelfinger zeigen und der vierte frech ein “Peace” in die Kamera hält. Ein absoluter Höhepunkt des Filmes, der die reine Unbeschwertheit und Lockerheit der Jugendlichen aufzeigt. Doch nicht nur Spass ist im Krankenhaus angesagt. Es gibt auch packende Szenen. Szenen, in denen das Tränenwasser kaum zurückzuhalten ist. Zum Beispiel, als der neunjährige Jonas im Rollstuhl zu seiner Mutter, die seine Hand hält, sagt: “Mami muesch kei Angst haa”.

 

Grosse Gefühle

Unglaublich, welche Gefühle in diesem Film stecken. Da ist Kevin in der einen Szene des Filmes überglücklich, weil er eine junge hübsche Frau kennengelernt hat, und wenig später zerschlägt er einen Spiegel aus Wut, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Gefühle wie Freude, Verzweiflung und Trauer sind nur ein paar Emotionen, die man in diesem Film serviert bekommt. Es wirkt jedoch weder kitschig noch kalt, die Dosierung ist genau richtig für den Zuschauer auf dem Kinosessel. Und dass diese Gefühle so real wirken, hat vor allem mit der grossartigen Schauspielleistung der Jugendlichen zu tun.

 

Spezieller Soundtrack

Auch die Entstehung der Soundtracks von Adrian Sieber war ausserordentlich speziell. Eine Liste mit verschiedenen Emotionen war der Grundstein für die Songs. Über 40 Songs entstanden dabei, 20 davon kommen auf die CD, welche Ende Oktober erscheinen wird. Wie die Songs dann im Film eingesetzt wurden, sah der Musiker erst bei der Fertigstellung des Filmes.

 

Gutes Kino

Als Fazit kann man über den Film nur eines sagen: Ein Meisterwerk. Gute Schauspieler, Humor und Ernsthaftigkeit im richtigen Verhältnis und ein heikles Thema wurde gefühlvoll verarbeitet. Ein absolutes Muss für jeden, der gerne gutes Kino geniesst.

 

info


“Stationspiraten” – ab 04. November im Kino.

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