Kultur | 26.10.2010

Wenn es weiter geht

Text von Martin Sigrist
Während draussen auf der Hardbrücke Schwertransporte vorbeidonnern, stehen drinnen im Hive die "Midnight Juggernauts" auf der Bühne. Tink.ch sprach mit dem australischen Schwertransport von Midnight Juggernauts über ihr zweites Album, Modelleisenbahnen, Enttäuschungen und Proben auf der Bühne.
Vincent Vendetta und Daniel Stricker trafen sich mit Tink.ch in Zürich. Die Band aus Australien ist bereits zum dritten Mal in der Schweiz. Der Schweizer Reporter zwischen australischen Gästen. Fotos: Martin Sigrist

Eine Stimmprobe bitte.

Daniel Stricker: Ich bin Daniel, ich bin der Schlagzeuger der Band.

Vincent Vendetta: Ich bin Vincent, ich spiele Keyboard und singe. Der Dritte von uns schläft gerade. Wir sind soeben mit dem Bus aus Toulouse gekommen. Noch immer haben wir etwas Jetlag. Bereits am ersten Abend in Europa standen wir auf der Bühne. Wir sind  in diese Routine von Spielen und Reisen eingestiegen, wir sind sozusagen im Tour-Modus. Das ist gar nicht übel, ausser, dass ich Fliegen hasse, aber im Bus ist es angenehm, man kann schlafen, wann man will.

D: Du wachst jeden Tag in einer neuen Stadt auf, entdeckst die Stadt ein wenig, spielst ein Konzert und reist weiter, um am kommenden Tag erneut in einer anderen Stadt aufzuwachen.

V: Mit dem Blick aus dem Fenster kann man diese Landschaften erleben, teilweise reisen wir durch drei Länder in einem Tag. Das ist für uns Australier sehr toll.

 

Hattet ihr Zeit, euch in Zürich umzusehen?

V: Wir waren schon zwei Mal hier. Ich erinnere mich, dass wir hier um die Ecke in einem Laden der Heilsarmee alte Platten gekauft haben, um dann nach dem Konzert mit diesen ganzen kitschigen Aufnahmen Party zu machen.

D: In Deutschland waren wir in diesem Mini-Wunderland, das ist die weltgrösste Modelleisenbahn in Hamburg. Das war verrückt, es macht Spass, unterwegs dumme, lustige Sachen zu machen.

V: Ich habe selber als Kind solche Modellzüge gesammelt, aber die Anlage ist  riesig, da hätte ich zwei Tage verweilen können. Genau wie etwa 1000 Kinder wollten wir immer die Knöpfe drücken. Überall waren dann plötzlich diese Kinderhände und ich habe nicht verstanden, was die Kinder auf Deutsch gesagt haben.

 

Um australische Elektro-Pop Bands wird ein ziemlicher Hype gemacht. Fühlt ihr euch zugehörig?

V: Geographisch schon, es gibt viele Bands, mit denen wir zusammen angefangen haben. Wir waren gegenseitig auf unseren Konzerten und haben uns Remixe gemacht. Neben den bekannten Bands wie “Cut Copy” oder “Presets” gibt es aber noch andere und alle machen sehr unterschiedliche Musik. Der Stempel, der uns aufgedrückt wird, stört mich nicht, aber wir alle haben unsere Freiheiten, um unser Ding zu machen. Es ist natürlich einfach, alle Bands in den gleichen Korb zu werfen, aber für uns ist es wichtig, dass wir uns verändern, uns bewegen, denn wir wollen abenteuerlich bleiben.

 

Eure Musik ist eine Art elektronischer Pop, der sehr gleichzeitig ruhig ist.

V: Das erste Album hatte auch bombastische Momente, aber wir wollten daneben ruhige introspektive Momente haben. Es sollte kein Album zum Entspannen werden, aber doch nachdenkliche Momente beinhalten, das gibt der Musik Dynamik.

 

Eure Musik wird auf Parties gespielt. Leute tanzen zu eurer Musik, ohne dass ihr dabei seid.

V: Es ist toll, wenn den Leuten unsere Musik gefällt und die Musik damit ein eigenes Leben entwickelt. Es ist aufregend, wenn die Leute unsere Musik überall hören können und ihr damit Beine verleihen.

 

Ihr habt für eure Alben ein eigenes Label gegründet.

D: Wir haben immer schon alles selber gemacht, das ist unsere Art zu arbeiten. Zuerst haben wir eine EP gemacht und das hat sehr gut funktioniert. Als wir Angebote von grösseren Labels erhalten hatten, hatten wir schon diese angenehme Grundlage unseres Labels und wollten nichts mehr verändern, sondern lieber so weiter arbeiten und die Musik weiterhin selbst veröffentlichten. Wir sind damit in einer sehr angenehmen Lage. Bei grösseren Labels muss man so viele Rechte an allen möglichen Sachen abtreten, so werden viele Bands wohl unserem Modell folgen.

 

Ihr habt anfänglich bei den Konzerten und nicht vor den Konzerten geprobt.

V: Ja, das stimmt. Ich und Andy wohnen in Melbourne, Daniel in Sydney. Es war am Anfang ziemlich schwierig für uns, zusammen zu proben. Bis zum ersten Konzert mussten wir online kommunizieren und haben Daniel einfach eine CD geschickt mit unseren Stücken. Das erste Mal überhaupt gemeinsam haben wir vor 1’000 Leuten gespielt.

 

Ihr klingt auf der Bühne sehr anders als auf CD. Wie viel spielt ihr live?

D: Wir machen elektronische Musik auf eine Art, dass wir auf der Bühne improvisieren können. Es ist sehr spannend, wenn wir nicht immer gleich klingen. Es soll auch eine Überraschung sein, wenn die Leute unsere CD kennen und uns dann live erleben – eine positive Überraschung natürlich. Ich würde es hassen, wenn wir Leute enttäuschen, die sich vielleicht schon sehr lange auf unseren Auftritt gefreut haben.

 

Ihr langweilt euch nie bei den vielen Konzerten?

V: Wir tun Dinge, um die Konzerte auch für uns interessant zu halten. Gestern haben wir unseren Busfahrer gefragt, ob er einen Song mit uns singen möchte. Er hat überraschenderweise Ja gesagt. Wir konnten kaum üben, aber morgen werden wir es versuchen. Wir machen auch ab und zu Cover-Versionen. Es funktioniert nicht immer, aber es gibt den Konzerten etwas Aussergewöhnliches.

 

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