Gesellschaft | 11.10.2010

“Überwindet euch und geht allein”

Die 17-jährige Sandra Scherrer war diesen Sommer eineinhalb Monate in Brighton. Frisch von der Leber weg berichtete sie über ihren Sprachaufenthalt in einem von Tink.ch und ESL Sprachaufenthalte als Wettbewerb lancierten Blog. Im Interview erzählt die Gewinnerin von "Blog-It 2010" von ihren Erlebnissen in England. Es lohne sich, allein zu gehen, sagt sie. Der Freundschaften wegen vor allem.
Ein Sprachaufenthalt in England ohne Londonbesuch wäre undenkbar.
Bild: zVg Sandra und Jessica: Aus einer zufälligen Begegnung wurde Freundschaft.

Sechs Wochen Sprachaufenthalt in Brighton. Was hast du mit nach Hause genommen?

Viele gute Erinnerungen, neue Freunde und mehr Mut und Vertrauen zu meinen Sprachkünsten. Ich war mir zwar bewusst, dass ich bei einem sechswöchigen Intensivkurs viel lernen werde, aber die Art und Weise, wie die Lektionen gestaltet waren, und die Motivation einiger Lehrer sprang auf uns Schüler über, sodass wir wirklich nur Englisch sprachen, auch neben den Lektionen unter Schweizern. Ich habe sehr viel Vokabular mitgenommen und Mut, mich in einer anderen Sprache als der Muttersprache auszudrücken.

Leider habe ich auch einige Kilos mehr auf den Hüften mit nach Hause gebracht (unter anderem daran Schuld sind Cupcakes und allerlei Sachen von Costa Coffee), obwohl viele sagen, dass das englische Essen nicht wirklich geniessbar ist.

 

Gibt es ein Erlebnis, dass du sicher nicht so schnell vergessen wirst?

Eigentlich könnte ich viele Erlebnisse erzählen, die ich nicht so schnell vergessen werde, doch zwei bleiben mir sicherlich noch länger. Erstens der herzliche Empfang meiner Gastmutter, die mich sofort für ein bis zwei Stunden in ein lockeres Gespräch verwickelte. Ich fühlte mich wie zu Hause. Ich wurde von allen mit offenen Armen aufgenommen und bald ein Familienmitglied.

Und dann der erste Schultag. Alle neu angekommenen Studenten werden da einer Einstufungsprüfung unterzogen. Mir fiel eine junge Frau mit freundlicher Ausstrahlung auf. Wir hatten zwar noch kein Wort gewechselt, doch wir sassen uns genau gegenüber und lächelten uns an. Als wir dann beide gleichzeitig unsere Schweizer-Identitätskarten zückten um die “ID number” anzugeben, mussten wir lachen. Der Höhepunkt war erreicht, als wir in dieselbe Klasse eingeteilt wurden. Zudem machte Jessica einen siebenwöchigen Sprachaufenthalt und somit verbrachten wir sechs Wochen zusammen, was uns zu sehr guten Freundinnen machte.

 

Du hast während deinem Aufenthalt verschiedene Lehrerinnen und Lehrer erlebt. Was macht guten Sprachunterricht aus?

Motivation ist das A und O. Ich hatte in sechs Wochen etwa sieben verschiedene Lehrer und geblieben sind mir jene, die uns mit ihrer Art motivierten. Vor allem drei Lehrer haben mich geprägt: Rob, Paul und Will. Sie haben die richtige Mischung aus Spass und seriösem Lernen gefunden. Ich würde vor allem meinen Hauptlehrer Rob zu meinem besten Englischlehrer küren und ich gebe zu, dass ich seine Lektionen sehr vermisse. Manchmal wünsche ich mir, ihn auch in der Schweiz als Lehrer zu haben.

 

Und wie viel lernt man neben den Lektionen?

In meinem Fall, sehr viel. Ich hatte bald eine geniale “Clique” um mich, die aus einer Brasilianerin, einer Italienerin und drei Schweizerinnen bestand. Wir waren dicke Freundinnen und sprachen untereinander nur Englisch. Das unterstützte den Lernerfolg, und da wir alle denselben Kurs am Morgen besuchten, fanden wir immer irgendein Gesprächsthema.

Die Gastfamilie ist der andere Faktor, um erfolgreich Englisch zu lernen und schnellere Fortschritte zu machen. Man unterhält sich da über alltägliche Sachen und integriert sich in die Familie.

 

Es entstehen, wie du erwähnt hast, Kontakte zu Leuten aus aller Welt. Was ist davon geblieben, jetzt da du wieder zurück in der Schweiz bist?

Sehr gute Freundschaften und Erinnerungen an einen genialen Sommer. Ich war nie wirklich angetan von Facebook, doch nach meinem Aufenthalt in England war ich fast gezwungen, mit dem Strom zu schwimmen, um mit allen in Kontakt zu bleiben. Ich habe jetzt noch sehr viel Kontakt zu meinen Klassenkameraden, die über die Zeit hinweg zu guten Freunden wurden. Wir skypen, chatten, schreiben SMS. Ich habe schon einige Reisen im Hinterkopf, zum Beispiel nach Taiwan, Brasilien, Italien, Frankreich. Am meisten Kontakt habe ich aber zu den Schweizern. Und freue mich sehr, wenn ich wiedermal was von meiner Hostsister oder meinem Hostbrother höre.

 

Welche Tipps würdest du jungen Leuten mitgeben, die einen Sprachaufenthalt planen?

Überwindet euch und geht allein. Ich habe letztes Jahr einen dreiwöchigen Sprachaufenthalt mit meiner Cousine gemacht. Dieses Jahr bin ich allein gegangen und ich muss zugeben, dass man alleine viel mehr Freundschaften knüpft, sich mehr integriert und dadurch natürlich auch mehr Englisch spricht.

 

 

Sandra bloggt


Der ganze Blog von Sandra Scherrer mit ihren Geschichten und Bildern vom Sprachaufenthalt in Brighton findest du hier. Ebenso die Blogs ihrer Konkurrenten im Wettbewerb, Simon Erni und Philipp Ramer.

 

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