Kultur | 05.10.2010

The Joneses

Text von Deniz Yüzüak
Wenn des Nachbars Flatscreen grösser ist als der eigene. Wie stark beeinflusst der Wohlstand unseres Nachbarn das eigene Glück? Können wir uns damit abfinden, ewig der Zweite zu sein? Wie leicht sind wir beeinflussbar, wenn uns andere mehr Glück durch Konsum suggerieren?
Der Schein trügt. Alles ist käuflich in dieser Welt. Wie teuer ist dein Glück? Fotos: Watchthejonesesmovie.com

Scheinwelt

Derrick Bortes Regiedebut “The Joneses” beschäftigt sich genau mit diesen Fragen. Steve, seine Frau Kate und die Teenager Mick und Jenn sind neu in eine Vorstadt eingezogen und wirken wie die perfekte Familie. Ausserdem sind sie im Besitz von neuesten Trendprodukten und fahren diese subtil ihrer Umgebung vor. Dies ist ihr Job, denn eigentlich sind die Joneses keine echte Familie, sondern ein zusammengewürfeltes Team von ambitionierten Marketingmitarbeitern, die verdeckt Produktwerbung betreiben. Doch das makellose Familienglück, das sie gegen aussen zur Schau stellen, beeinflusst ihre Nachbarschaft stärker als sie vermuten.

 

Kein Hirngespinst

Die Geschichte ist inspiriert durch das sogenannte Undercover Marketing, bei der sich die angesprochenen Kunden nicht bewusst sind, dass sie für Produkte angeworben werden. In den USA ist diese Vermarktungsart bereits so weit fortgeschritten, dass Models angeheuert werden, um in auserwählten Clubs immer wieder die gleichen Drinks zu bestellen, um so neue Trends zu setzen.

 

Ich kauf mir mein Glück

Demi Moore und David Duchovny beherrschen in den Hauptrollen grandios die hohe Kunst des unauffälligen Angebens. Es sind nicht nur die Szenen des kultivierten Protzens und des unterdrückten Neids, welche diesen Film sehenswert machen. Ebenso eindrücklich ist es, wie leicht es den Joneses gelingt, den Schein aufrecht zu erhalten und den materiellen Wohlstand als Quelle des Beziehungsglücks zu propagieren.

 

Mehr Satire!

Obschon die Filmidee äusserst originell und aktuell ist, harzt es leider an der Rahmenhandlung, die zeitweise an Tempo missen lässt. Um dem Genre Satire vollumfänglich gerecht zu werden, wirkt der Film zudem etwas zu brav und geglättet. Nachdem die zweite Hälfte des Films ausschliesslich gewohnten Mustern folgt, bringt das Ende eine kleine Überraschung, das hilft, sich von Standardwerken zu differenzieren. Alles in allem ist “The Joneses” ein sehenswerter Film, der zum Nachdenken anregt, vielleicht nicht nur über die aktuelle Gesellschaft, sondern ganz schlicht über die menschliche Natur.