Gesellschaft | 04.10.2010

Paris für jung und reich

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser.
In Paris gibt es mindestens so viele Arten zu wohnen wie Tauben auf dem Platz vor der Notre Dame. Zwei grundverschiedene Behausungen in der französischen Hauptstadt werden in diesem Artikel genauer beleuchtet: Fürs grosse und fürs kleine Portemonnaie.
Sieben Stockwerke runter und rauf. Jeden Tag. Das Haus, in dem sich die Studette befindet. Madame C. hingegen wollte ihr Anwesen nicht abgebildet wissen.
Bild: Seraina Manser.

Um sich in Paris als Studentin oder Student eine Wohnung leisten zu können, muss man entweder reiche Eltern oder gute Beziehungen haben. Viele weichen in die Banlieus aus, wo sie zwar täglich eine längere Metrofahrt auf sich nehmen müssen, dafür aber genügend Platz haben. Jene, die lieber in Paris wohnen möchten, mieten winzige Studetten, welche oft unter dem Dach liegen: die früheren Angestelltenzimmer.

 

So auch Lea. Sie ist 23, Studentin an der Sorbonne für ein Jahr und kommt ursprünglich aus Deutschland: “Mir war es wichtig, mitten im Zentrum wohnen zu können, auch wenn ich dann eben nicht so viele Quadratmeter zur Verfügung habe.” Ihre Studette misst genau 13 Quadratmeter. Auf dieser geringen Fläche haben eine Küchenecke inklusive Mikrowelle und Kühlschrank, ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Sessel, ein Schrank und ein winziges Badezimmer mit WC und Dusche Platz.

 

Kein Putzproblem

“Anfangs war ich zugegeben ein wenig geschockt. Auf den Fotos sahen die 13 Quadratmeter irgendwie grösser aus, aber ich hab mich rasch daran gewöhnt. Solange ich Ordnung halte und keine unnützen Dinge aufbehalte geht es bestens. Ich hab hier alles, was ich zum Leben brauche, sogar einen Fernseher. Logisch hat so ein kleines Zimmer auch Vorteile, man bedenke nur, wie schnell ich es Staub gesaugt habe”

 

Nachdem sie an der Haupttüre den Code eingegeben hat, geht sie am Zimmer der Concierge vorbei und betritt den Innenhof, dort öffnet sie die Tür zum früheren Angestelltentreppenhaus und es geht an den Aufstieg. Ihre Studette befindet sich nämlich im 7. Stock und somit 110 Stufen höher als das Parterre. “Die Treppe scheint zwar jedes Mal länger zu werden, aber dafür hab ich mir dann diese wunderbare Aussicht verdient”, meint sie und deutet aus dem Fenster hinaus. Tatsächlich, vor ihrem Fenster erstrecken sich die Dächer Paris’ mit den unzähligen Kaminen, rechts ragt der Eiffelturm in die Höhe und zur Linken erkennt man die zwei Türme der Notre Dame. “In zehn Minuten bin ich bei der Sacre Coeur und in 20 Minuten bei Les Halles, zu Fuss natürlich, was will ich noch mehr?”, fragt sie und setzt den Kaffeekocher auf.

 

Die Bourgeoisie

In Paris gibt es wunderschöne Gebäude, in welchen man sogar wohnen kann. Meist gehen sie von einer Generation in die nächste über und gewinnen ständig an Wert. Wer sich ein solches kaufen will, muss steinreich sein und Glück bei der Immobiliensuche haben.

 

In einer solchen Residenz wohnt Madame C., 69 Jahre alt. Einst war sie in der Hotellerie tätig, nun ist sie pensioniert, handelt aber nebenbei mit Immobilen. Ihr Anwesen befindet sich im 16. Arrondissement, das chicste Quartier in Paris. Sie öffnet die Türe und steht in einer immensen Eingangshalle, zu ihrer Rechten erstreckt sich ein deckenhoher Spiegel und links steht die Hausbar, sie zündet den Kronleuchter an und man erkennt ein Cheminée, einen Flügel, riesige Fenster mit roten Vorhängen und ein paar Sofas im Stil von Louis XIV. “Dieses Haus war schon immer in Familienbesitz, etwa 350 Quadratmeter verteilen sich auf 4. Etagen. Letztes Jahr haben wir renoviert und nun verbindet ein Lift die verschiedenen Etagen miteinander”, erklärt sie und dreht dabei an ihrem Diamantklunker.

 

Bekocht, beschützt

“Ein Zimmermädchen arbeitet rund um die Uhr für mich, sie putzt, wäscht, kocht und geht mit meinem Hund spazieren, sonst würde ich mich hier schon ein wenig alleine fühlen!”, gibt sie zu. Ihr Ehemann ist oft geschäftlich unterwegs. Aber auch wenn er in Paris ist, sehen sie sich nicht oft, besitzt doch jeder eine eigene Etage nur für sich. Für ihre Sicherheit sorgen mehrere Überwachungskameras und ein hervorragendes Alarmsystem. Über den Wert des Gebäudes möchte sie nicht sprechen, aber das er in Millionenhöhe einzuordnen ist, dürfte auch so klar sein. Was sich auf den bleibenden 200 Quadratmeter wohl verbirgt?

 

Wie auch immer man in Paris wohnt, sei es mit zu wenig oder eher zu viel Platz, der Charme der Stadt verzaubert jeden.