Politik | 25.10.2010

Nicht nur murren – fordern!

50 Jugendliche diskutierten an der 23. Ostschweizer Jugendsession. Debattiert wurde unter anderem über die Aussschaffungsinitiative und Politik an der Schule. Das Plenum verabschiedete vier Forderungen an die politischen Institutionen des Kantons.
50 Jugendliche nahmen an den Workshops und Diskussionen teil. Die Session hat entschieden: An St. Galler Schulen sollen die Schüler mehr Mitspracherecht haben.

“Die Jungen müssen die Alten mit kreativen und unkonventionellen Gedanken das Fürchten lehren”, ermutigt Kantonsratspräsident Walter Locher die rund 50 Jugendlichen, die am Samstag die 23. Ostschweizer Jugendsession besuchten. “Es ist bemerkenswert, dass Jugendliche in dieser schnelllebigen Zeit einen ganzen Samstag opfern, um sich politisch zu engagieren”, so Locher weiter.

 

Politische Bildung

Wie an jeder Jugendsession wurde ein Workshop zum Thema “Politische Bildung durchgeführt”. Dieser hatte nicht zum Zweck, dass eine Forderung ausgearbeitet wurde, sondern sollte den Jugendlichen Wissen über das politische System der Schweiz vermitteln. “Für mich ist es wichtig, dass ich das politische System verstehe. Denn nur so weiss ich, wie ich mich engagieren kann”, erzählt eine Teilnehmerin des Workshops.

 

Politik an der Schule

Eine Delegation aus Deutschland bot einen Workshop zu Schülerräten an. “Bei uns in Deutschland gibt es an jeder Schule Schülerräte, die aktiv in der Bildungspolitik mitarbeiten”, so Dejan Panow, der Leiter der deutschen Delegation. Zuhanden des Plenums wurde dann auch eine Forderung ausgearbeitet, dass an den sankt-gallischen Schulen ebenfalls bessere Strukturen für eine aktive Mitsprache der Schüler geschaffen werden soll. Die Forderung wurde grossmehrheitlich angenommen.

 

Ausländerstimmrecht

Die Forderung aus dem Workshop “Chancen und Gefahren der Migration” zielten auf eine bessere Einbindung von Migranten mit Niederlassungsbewilligung C in den politischen Prozess, soweit diese über einen einwandfreien Leumund verfügen. Die Forderung wurde nach einem kontroversen Schlagabtausch angenommen. Weiter wurde dem Plenum die Forderung nach einer besseren Erschliessung von Randgebieten durch den öffentlichen Verkehr und höhere Polizeipräsenz an Bahnhöfen und in Zügen und Bussen gefordert. “Wir wollen einen sicheren öffentlichen Verkehr. Ich möchte nicht in Zügen blöd angemacht oder bedroht werden”, so der Teilnehmer, der die Forderung dem Plenum darlegt.

 

Initiative oder Gegenvorschlag?

Nach den Workshops am Morgen, fanden am Nachmittag verschiedene Diskussionen-¨ mit Kantonsräten, Stadtparlamentariern und weiteren Experten statt. Das wohl am heissesten diskutierte Thema war die Ausschaffungsinitiative. Kantonsrätin Helga Klee (FDP) und -¨Stadtparlamentarier Etrit Hasler (SP) standen einem diskussionsfreudigen und hartnäckigen Publikum gegenüber. Da wurde natürlich auch mit sehr viel Emotionen diskutiert. “Es ist immer spannend, wenn gegenteilige Meinungen aufeinander treffen. Das reizt mich an der Politik”, so ein Teilnehmer der Diskussion. Daneben wurden Diskussionen zur Armee, zur Gleichberechtigung sowie zur Europäisierung angeboten.

 

Engagement für die Zukunft

Den Schlusspunkt setzte Roman Tschupp, Vertreter der unabhängigen Politplatfom Vimentis (früher Zukunft Schweiz): “Wer sich nicht selbst in der Politik engagiert, darf sich nicht wundern, wenn die Politik mit einem macht, was ihr gefällt. Dies gilt insbesondere für die heutige Jugend.” Eindrücklich legt Tschupp mit einigen Statistiken dar, wie grosse Unterschiede zwischen den Interessen der Jugendlichen und der älteren Generation bestehen. Er mahnt die anwesenden Jugendlichen: “Politik ist vielfältig und die Diskussion findet überall statt. Ich kann euch nur nochmals dazu aufrufen, euch daran zu beteiligen. Ansonsten riskiert ihr, dass ihr eines Tages aufwacht und die Schweiz, die ihr vorfindet, anders ausschaut als diejenige, die ihr euch erträumt habt.”

 

Die nächste Jugendsession findet im Frühling 2011 statt. Weiter Infos unter www.jupasg.ch

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