Gesellschaft | 11.10.2010

Keine Kuscheltiere

Der Gecko oder die Schlange sind gekauft, das Terrarium bereits getestet. Doch auch jetzt gilt es noch, einige wichtige Regeln zu beachten, damit sich das Tier im neuen Zuhause auch wohl fühlt. Teil 2 des Reptilien-Ratgebers.
Ein Terrarium kann man auch selbst bauen. Geckos sollten erst einige Zeit in Quarantäne verbringen.
Bild: Silvia Holenstein.

Wenn das Tier endlich zu Hause ist, sollte man ihm möglichst viel Ruhe gönnen, damit es sich eingewöhnen kann. Ein wichtiger Punkt in der Reptilienhaltung ist die Quarantäne. Bevor man das Reptil in sein neues Zuhause setzt, sollte es mindestens einen Monat in einem Quarantäneterrarium oder in einer Plastikbox auf Zeitungspapier oder Haushaltspapier gehalten werden. In dieser Zeit können Kotproben eingeschickt werden, um zu schauen, ob das Tier gesund ist. Kotproben können zum Beispiel an der Universität Zürich untersucht werden. Es wird eine Kotprobe am Anfang der Quarantäne und eine am Schluss gemacht. Wenn das Tier gesund ist, kann es in das Terrarium umziehen.

 

Die Quarantäne hat den Vorteil, dass, falls das Tier krank ist, nicht das ganze schön eingerichtete Terrarium desinfiziert und alle frisch gekauften Gegenstände weggeworfen werden müssen. Wenn man mehrere Tiere hat, kann ein krankes Tier so nicht alle Anderen anstecken. Die Haltungsbedingungen (Temperatur und Luftfeuchtigkeit) sollten auch in der Quarantäne beachtet werden. Als Versteck eignet sich gut eine Pappröhre oder ein umgedrehter Blumentopf.

 

Bitte nicht berühren

Viele Reptilien die Einzelgänger sind, werden zusammen gehalten. Die Begründung ist meistens: “Aber die kuscheln doch!”, “Die haben sich lieb!”, “Die sind schon von Geburt an zusammen!”. Erstens kuscheln Reptilien nicht, auch wenn sie im gleichen Versteck liegen. Sie liegen bloss am selben Ort, weil es der beste Ort im Terrarium ist. Zweitens haben sie sich auch nicht lieb oder mögen sich; sie akzeptieren sich bloss. Reptilien werden nicht wie zum Beispiel Katzen von der Mutter gepflegt und aufgezogen und werden auch später nicht in ein soziales Umfeld eingeführt. Sie schlüpfen aus dem Ei und sind von Anfang an selbständig. Sie mögen es nicht, wenn man sie berührt, krault oder streichelt; das ist unangenehm für sie, es könnte ja ein gefährlicher Feind sein. Was einem also bewusst sein muss: Reptilien sind keine Kuscheltiere und gehören ins Terrarium. Sie sollten so wenig wie möglich herausgenommen werden und sie werden auch nie zahm. Man sollte den Tieren Stress ersparen und sie so gut wie möglich in Ruhe lassen.

 

Was sich leider auch immer mehr verbreitet, sind falsche Bezeichnungen der verschiedenen Farbformen von zum Beispiel Leopardgeckos, Kornnattern und Bartagamen. Viele Halter wissen nicht, was sie bei sich sitzen haben und so werden immer wieder Reptilien verpaart, obwohl man keine Ahnung von der Genetik hat. So wird der Markt überschwemmt von wildfarbenen Tieren, die kaum noch einen neuen Platz finden. Man sollte also die Finger vom Züchten lassen, wenn man nicht wirklich etwas Spezielles dabei nachzüchten kann.

 

Spontankäufe auf Börsen oder in Zoogeschäften sind leider auch immer weiter verbreitet. Man sieht ein Tier, findet es süss und kauft es sich einfach mal. Nach ein paar Stunden merkt man plötzlich, dass man keine Ahnung hat, was das Tier braucht und ist total überfordert. Schnell wird also das Tier wieder weiterverkauft oder sogar ausgesetzt. Wer dem Reptil aber langfristig eine artgerechte Haltung bieten kann und nach diesem Text nicht allzu abgeschreckt ist, ist bereit für die Reptilienhaltung zu Hause.

 

Eigene Erfahrungen

Ich selbst bin absolut fasziniert von meiner Kornnatter und meinen zwei Leopardgeckos – auch wenn einige meiner Bekannten und Verwandten dieses eher aussergewöhnliche Hobby als etwas verrückt betrachten. Ich würde die drei für nichts auf dieser Welt wieder hergeben, egal, was alle anderen über mich denken.

 

Die Vorteile bei der Schlangenhaltung sind, dass man auch gut einmal ein oder zwei Wochen in den Urlaub fahren kann, da diese nur alle 1 bis 2 Wochen eine Maus brauchen. Ausserdem muss man ein Terrarium so gut wie nie ausmisten und Reptilien stinken nicht oder verursachen auch keine Allergien. Da ich neben der Lehre und der Schule eher weniger Zeit habe sind Reptilien also genau das Richtige für mich. Sie brauchen keine Zuwendung, müssen nicht jeden Tag herausgenommen werden, brauchen nicht jeden Tag Futter oder müssen nicht jede Woche ausgemistet werden.

 

Wer gerne handwerklich arbeitet, kann auch selbst ein Terrarium bauen und es nach seinen Vorstellungen mit einer Styroporwand gestalten. Obwohl ich in der Schule im Werken nie gut war und es auch nie mochte, bin ich total begeistert vom Terrarium und Styroporrückwand Bauen. Es kommt schliesslich alles den Tieren zu Gute.