Gesellschaft | 11.10.2010

Ein Tag von 0 bis 10801967

Text von Seraina Manser
Schon in den ersten Tagen in Paris fiel mir folgendes auf: Les Parisiens scheinen eine Vorliebe für allerlei Zahlenfolgen, "Code secrets" und Nummern zu haben. Folgende Ausschnitte aus einem Tag in Paris beweisen es.

8.30 Uhr

Ich befinde mich vor dem Haus Nr. 68. Dort hole ich jeden Morgen die zwei Hunde Venus und Leo ab, um mit ihnen einen kleinen Spaziergang im 9. Arrondissement zu machen. Die Zahlenfolge 4927 öffnet mir das Tor in den Innenhof, dort drehe ich nach rechts und stehe vor der zweiten Türe mit Digicode. 7581 heisst hier das Zauberwort. Die zwei Hunde begrüssen mich freudig und können es kaum erwarten nach draussen zu gehen. Übrigens, sollte ich einmal den Hundekot nicht aufnehmen, droht mir eine Busse von stolzen 450€.

 

9.07 Uhr

Ich stehe vor der Velibstation Nr. 0917. Das Velib Nummer 16 scheint hervorragend zu laufen, ich tippe meine Abonummer 10801967 ein und anschliessend meinen Code Secret: 0852. Das Velib Nr. 16 wird freigegeben und bringt mich rollend ans Ziel. Übrigens hat die Zahl der Velibs die 20-˜000 überschritten.

 

10.15 Uhr

Es ist warm im Schwimmbad Henry de Montherlant. Im Kästchen 186 verstaue ich meine Kleider und werde aufgefordert einen “persönlichen vierstelligen Code” zu kreieren. Ich entscheide mich für die Zahlenfolge 2116. Jetzt darf ich sie und meine Kästchennummer nur nicht vergessen, während ich meine Runden schwimme. Übrigens ist es für die männlichen Schwimmer verboten eine Badehose, geschnitten wie eine Boxershorts zu tragen, nur Slips sind erlaubt. Je nach dem kann vom Bademeister eine Busse erhoben werden.

 

19.16 Uhr

Mit einer Pflanze als Mitbringsel in der Hand stehe ich vor dem Haus meiner Freunde, der Code 7508 öffnet mir die Türe und ich muss nur noch bis in den fünften Stock steigen, um ans Ziel zu kommen. Übrigens verfügen die meisten Gebäude in Paris über 7 Stockwerke oder mehr.

 

23.16 Uhr

Sollte ich jeweils diesen Code 32B57 vergessen; kann ich unter der Seinebrücke schlafen, ist er doch der “Schlüssel” für meine eigene Haustüre. Übrigens wäre ich an der Seine nicht allein, gibt es doch in Frankreich 86000 SDF (sans domicile fixe), eine grosse Prozentzahl davon allein schon in Paris.