Kultur | 11.10.2010

Die lange Nacht der kurzen Filme

Text von Corina Fuhrer | Bilder von zVg
Fünf Tage Kurzfilm haben letzte Woche über 20'000 Menschen nach Bern gelockt. Als letzter Höhepunkt wurden im Stadttheater die Gewinner verkündet. Es wurde geherzt, gedankt, geschrien und souverän gescheitert.
Shnit: In wenigen Minuten Film ist alles gesagt.
Bild: zVg

Eigentlich sollten die farbigen Leuchtstäbchen zur Abstimmung brav einem Helfer abgegeben werden. Die Zuschauer waren aber so begeistert, dass die Dinger aus allen Richtungen auf die Bühne des Berner Stadttheaters prasselten, wo sich ein verdutzter Moderator nur noch ducken konnte. Denn den Filmwettstreit “Realtime” entschied das Publikum am Sonntagabend an der Preisverleihung des Kurzfilmfestivals Shnit direkt vor Ort.

 

Ausgelöst hatte diese Euphorie der Gewinner der Sparte “Realtime”, Cyrill Oberholzer mit seinem Film “Der gescheiterte Versuch ein MakingOff über einen fiktiven Film, der von einem Liedtext handelt, zu machen”. Oberholzers Filmteam und die Konkurrenten waren während der fünf Festivaltage gegeneinander und die Zeit angetreten. Mit den gleichen Schauspielern sollten alle Teams einen Kurzfilm umsetzen, dem der Text eines Liebesliedes zugrunde liegt. Cyrill Oberholzer, machte denn auch dem Namen des Festivals alle Ehre: “Mit schneiden bin ich vor zwei Stunden im Zug von Zürich nach Bern fertig geworden”. “Geshnitten” wurde in Bern also bis zu allerletzt.

 

Mit der Preisverleihung ist am Sonntagabend die achte Ausgabe des Kurzfilmfestivals Shnit zu Ende gegangen. Preise vergaben die Jurys parallel auch in den Partnerstädten Kapstadt und Köln. Die Live-Schaltung funktionierte aber nicht wie geplant. Technische Tücken forderten Moderator und Mister Bern Sandro Sabatini den ganzen langen Abend über heraus. Moderator und Publikum nahmen es jedoch locker und trotzten den Pannen mit erfrischender Leichtigkeit.

 

Erfrischend anders ist auch der Film “Los Gritones” des spanischen Regisseurs Roberto Pérez Toledo, der den Publikumspreis gewann. In nur drei Minuten Film schafft es Toledo, das menschliche Sein auf den Punkt zu schreien.

 

 

Alle Preise


Internationaler Wettbewerb Shnit open
Smart Joe (bis 4 Minuten): “ALPHA” von Sanford McCoy (CH)
Magic Jack (bis 10 Minuten): “Diplomacy” von Jon Goldman (US)
Long John (über 10 Minuten): “The Light of Family Burnam” von Marschall Axani (Kanada)

 

Swiss Award
“Yuri Lennon’s landing on alpha 46” von Anthony Vouardoux