Gesellschaft | 18.10.2010

Der schwierige Einkauf

Text von Annatina Gilgen | Bilder von sxc.hu/vierdrie
Weshalb es nicht so einfach ist, "Bio und Co." zu sein und weshalb ich heute ohne Einkäufe nach Hause kam. Ein kleiner Gedanke.
Der wöchentliche Einkauf birgt so viele Stolperfallen - da ergreift die Tink.ch-Reporterin lieber die Flucht.
Bild: sxc.hu/vierdrie

Fairtrade, Bio, Knospe, saisonal und regional. Immer mehr Angebote stapeln sich in den moralisch und ökologisch korrekten Regalen von Migros, Coop und anderen Grossverteilern. Ebenso stapeln sich Fragen in den Köpfen der Konsumenten, inklusive meinem.

 

Die totale Verwirrung

Vor einigen Monaten wurde im Schweizer Fernsehen in der Sendung “Kassensturz” ein Beitrag zu Bio Suisse ausgestrahlt. Die ernüchternde Feststellung: Die Knospenprodukte sind teurer als andere Bioprodukte, obwohl diese dieselben Richtlinien befolgen. Nachsicht hat der umweltbewusste Konsument. Denn durch die selektiven Regelungen von Bio Suisse wird der Preiskampf verhindert – die Qualitätssicherung spiele hier nicht mehr die tragende Rolle.

 

Trotz der Verwirrung – umweltbewusst zu sein ist in. Bio Suisse wird künftig sogar Bauern unterstützen, welche auf den Biobetrieb umsatteln wollen, denn anscheinend übertreffe die Nachfrage das Angebot. Und trotzdem – bio und fair zu sein ist anstrengend und teuer, zum Teil sogar massiv teurer. Doch nicht nur das: Täglich wird man wieder auf neue Umweltsünden oder Menschenrechtsverletzungen hingewiesen. Da vergeht einem gleich die Lust aufs Shoppen und Essen. Es stellt sich nämlich dann die Frage: Was darf ich überhaupt noch kaufen? Weiss man denn, was ein gerechter Preisaufschlag ist und welches Geschäft nicht in Kinderarbeit verwickelt ist?

 

Was nun?

Nebenwirkung des ökologisch und moralisch vertretbaren Wocheneinkaufs ist also ein pochender Kopfschmerz. Als wäre der ständige Kampf zwischen Lust und Gewissen nicht schon anstrengend genug. Um mein sowieso viel zu leeres Studenten-Portemonnaie streiten sich jetzt noch der Biobauer von nebenan und der Fairtrade-Orangensaft mit dem freundlich lächelnden Orangenpflücker drauf.

 

Deprimiert und mit einem schlechten Gewissen stehe ich also vor den Regalen. Plötzlich kommt mir die rettende Idee: Wer nichts kauft, kann auch nichts falsch machen. Ich setze meinen von moralischen Fehltritten gefüllten Einkaufskorb irgendwo zwischen dem zweiten und dritten Regal aus, schaue nicht mehr zurück und suche das Weite. Ist sowieso besser fürs Portemonnaie – und der Kopfschmerz ist, zumindest vorübergehend, auch wieder weg.