Kultur | 04.10.2010

Der Betrachter wird zu Buddha

Schon zum zweiten Mal findet dieses Jahr die Quadriennale Düsseldorf statt. Die wichtigsten Kunstmuseen zeigen international renommierte Künstler, die in Verbindung mit der Stadt stehen. Angesichts der grossen Zahl der Ausstellungen, haben die Autoren dieses Artikels kapituliert und sich der Schau von Nam June Paik im Museum Kunst Palast gewidmet. Er gilt als Begründer der Video- und Medienkunst.
"Buddha", 1989.
Bild: EnBW/ Steffen Harms. "Mercury", 1991, (Detail). Sascha Dressler.

Eine meditierende Buddha-Statue sitzt vor einem Fernseher, in dem eine Kerze gezeigt wird. An der Wand gleich daneben sehen wir diese Kerze. Eine davor installierte Kamera filmt sie und zeigt die Aufnahme gleich im Fernseher, der etwa einen Meter vor dem Buddha auf dem Boden steht. In diesem Raum sind mehrere solche TV-Buddhas aufgestellt, die unterschiedlich gross sind und verschieden aussehen. Bei einigen ist das TV-Gerät leer, die Mattscheibe fehlt und nur die Hülle des Apparats steht da. In dem leeren Fernsehkasten brennt eine Kerze. Dieser kleine, aber umso bedeutendere Unterschied führt den Betrachter gleich mitten ins Werk des südkoreanischen Videokünstlers Nam June Paik. Fragen, die in vielen seiner Arbeiten thematisiert werden, tauchen auch hier auf. Was ist Wirklichkeit? Ist nur die materielle Kerze an der Wand echt? Oder ist etwa die auf der Mattscheibe reproduzierte Kerze als real zu betrachten? Dringliche Fragen der heutigen Zeit, in der wir ständig mit Fernsehbildern konfrontiert sind.

 

Beinahe epileptisch

Auch wir, die Besucher der Ausstellung, werden gewissermassen zu TV-Buddhas, wenn wir seine Videoarbeiten zu verstehen versuchen: Wir konzentrieren uns nur auf das Fernsehbild und nehmen unsere Aussenwelt kaum mehr wahr. Dies ist wohl auch eine kritische Bemerkung zum Gebrauch der audio-visuellen Medien wie Fernseher oder Computer. Seine Videoarbeiten sind (im Gegensatz zur flackernden Kerze) farbig, hektisch, chaotisch und beinahe epileptisch. Als Ausgangsmaterial wählt der Künstler Szenen aus dem Fernsehprogramm, verändert aber Farben und Ton meist bis zur Unkenntlichkeit. In einem dieser Videos tritt Paik mit seinem Vorbild auf, nämlich mit dem Düsseldorfer Künstler Joseph Beuys Aus Klavier und Stimme formen sie ein Werk, pendelnd zwischen experimenteller Musik und Performance. Überhaupt ist Musik ein wichtiger Bestandteil in den Werken Paiks, der neben Kunstgeschichte und Philosophie auch Neue Musik studiert hat.

 

Zukunftsaussichten?

Im Rahmen der Quadriennale 2010 stellt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen die Werke Beuys genauer vor. Beuys unterrichtete wie Paik auch an der Kunstakademie in Düsseldorf. Von Beuys führt der Weg über Paik zu den aktuellen Künstlern der Kunstakademie. Ihnen ist eine eigene Ausstellung gewidmet. Wird es der Nachwuchs schaffen, sich aus dem Schatten der grossen Namen wie Beuys oder Paik zu befreien?

 

 

Info


Die Quadriennale dauert noch bis zum 16. Januar 2011. Die Werke von Nam June Paik sind jedoch nur noch bis zum 21. November 2010 zu sehen.

 

Kuratoren: Susanne Rennert, Düsseldorf/ Sook-Kyung Lee, Liverpool

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