Kultur | 04.10.2010

Den Horizont erheitern

Text von Corina Fuhrer
In der Kürze liegt die Würze. Ganz besonders diese Woche in Bern, wenn sich zum achten Mal der Vorhang zum Kurzfilmfestival Shnit öffnet. Denn manchmal besitzen zwei raffiniert gestaltete Minuten Kurzfilm mehr Aussagekraft als eineinhalb Stunden grosses Kino.
In Bern flimmert es vom 6. bis 10. Oktober im Progr, Kino Capitol, Kornhausforum (oben), Kino Kunstmuseum und im Stadttheater. Archivbild: Julia Weiss

Was 2003 von der Öffentlichkeit noch relativ unbemerkt über die Bühne ging, mauserte sich innerhalb der vergangenen Jahre zu einem fulminanten Höhepunkt im Kulturkalender: das Kurzfilmfestival Shnit. Aus den zwei Filmnächten von damals wurden fünf Tage ausuferndes Programm. Bereits vergangenes Jahr war shnit das zuschauerstärkste Kurzfilmfestival der Schweiz, und auch diesen Herbst lockt der Anlass mit sorgfältig ausgewählten Beiträgen, welche vor allem eines gemeinsam haben: Originalität.

 

Bloody Mary oder Schwarztee

Was in der Bundeshauptstadt seinen Anfang nahm, wächst seitdem unaufhörlich weiter. Auch das Spektrum an behandelten Themen wird immer grösser. So werden dieses Jahr Mann und Frau einander in einem Experiment unter der Bezeichnung „shnit&shnitte“ gegenübergestellt, und der schönsten Nebensache der Welt sowie dem Thema Homosexualität gebühren eigene Sparten. Doch nicht nur das Programm trotzt mit neuen Kategorien dem Stillstand, es werden auch Landesgrenzen gesprengt. Nachdem Shnit 2008 zeitgleich auch in Köln ablief, zieht heuer Kapstadt das erste Mal mit.

 

Über 3500 Einsendungen aus aller Welt fanden den Weg nach Bern, doch nur gerade 114 Filme aus 32 Ländern schaffen dieses Jahr den Sprung auf die Leinwand. Am „Shnit open“, dem Herzstück des Festivals, treten rund 80 Produktionen unterschiedlichster Herkunft und Länge gegeneinander an. Manche brauchen bloss 30 Sekunden um zu überzeugen – der längste der kurzen Filme dauert 15 Minuten.

 

Ausser Konkurrenz präsentieren in drei weiteren Sektionen zeitgenössische Filmschaffende ihr Können. Das Programm hält für jede Vorliebe und jedes Alter etwas bereit. Der „Feel good“-Block eignet sich besonders für Kurzfilm-Neulinge, Horrorfans können ihre eisernen Nerven bei „Bloody Mary“ unter Beweis stellen und die Senioren werden zur „Tea time“ gebeten. Der Kinderfilmclub Zauberlaterne ist mit Darbietungen für das jüngste Publikum vor Ort.

 

Berner Spezialitäten

Das Festival ist also mit seinen filmischen Leckerbissen erneut bestens gerüstet, um jeden Gourmetmagen zu stillen. Regionale Spezialitäten vom Dokumentarfilm über Animationen bis hin zum Kurzspielfim werden auf einer „Bärner Platte“ präsentiert. Und wer danach doch noch ein Hüngerchen verspürt, den erwarten im Progr handfeste, kulinarische Kassenschlager. Ausnahmsweise auch bereits bekannte Komponenten wie Popcorn.