Kultur | 05.10.2010

Auf der Brücke

Text von Sara Lisa Schäubli | Bilder von kupime.com
Der Selbstmordversuch einer jungen Frau löst eine Flut von Ereignissen aus und krempelt das Leben aller Beteiligten komplett um. Am Zürich Film Festivla spielte Zena sa slomljenim nosem in der Orginalsprache Serbisch oder "The Woman with a Broken Nose" am sonnigen Freitagnachmittag im Arthouse Le Paris.
Gavrilos Leben wird durch einen Taxikundin auf den Kopf gestehlt.
Bild: kupime.com

Wassertropfen auf ruhiger Oberfläche

Auf einer Brücke in Belgrad steigt eine junge Frau mit Baby in ein Taxi, nur um kurz darauf wieder auszusteigen und sich in die Tiefe zu stürzen.

 

Vom Selbstmordversuch ist nicht nur Gavrillo, der Taxifahrer, betroffen. Auch die Zeuginnen Anica  und Biljana werden durch den Vorfall aus den Fugen ihres Lebens geworfen. Der Film folgt den Dreien im weiteren Verlauf ihres Lebens. Gavrilo kümmert sich um das Baby und die Frau, welche den Sprung überlebt hat, Anica kämpft mit einem tragischen Verlust und Biljana verlässt ihren Verlobten.

 

Wassertropfen werfen die ruhige Oberfläche auf und bewegen bis tief ins Innere.

 

Tiefe Wunden

Der Countdown eines Radiosenders, welcher in wenigen Wochen aufgelöst werden soll, zieht sich wie ein roter Faden durch die regnerische, stark in grün und blau gehaltene Stimmung. Die Protagonisten sehen sich selbst im Spiegel und werden zum Nachdenken angeregt. Narben erinnern an Vergangenes während originale, serbische Popmusik dem ganzen Authenzität verleiht.

 

Der Regisseur Srdjan Koljevic will mit dem Drama trotz aller Härte eine positive Energie vermitteln. Die richtigen Menschen mit richtigem Leiden sind ihm wichtig. Er kreiert einen Film über die Heilung emotionaler Narben und der menschlichen Fähigkeit, sich gegenseitig aufzuhelfen.

 

“The Woman with a Broken Nose” lässt die Zuschauer auf der Brücke stehen. Der Verbindung zwischen Altem und Neuem. Dem hier und dem jetzt.