Kultur | 20.09.2010

Sonnenzirkus

Der Cirque du Soleil tritt nach fünf Jahren das erste Mal wieder mit dem Programm Varekai auf. Vom 17. September bis 24. Oktober 2010 gastiert der weltberühmte Zirkus auf dem Areal des ehemaligen Hardturmstadions in Zürich. Ein Bericht über die nicht ganz störungsfreie Premiere.
Die Kostüme verwandeln die Artisten.
Bild: I. Bertrothed Wohin kommst du mit deinen Zehenspitzen? G. Fally

Der Multikulti-Zirkus

Der Cirque du Soleil hat seine Anfänge im Jahre 1984, als sich 20 Strassenkünstlerinnen und Strassenkünstler in Quebec zusammenschlossen. Der Cirque du Soleil will „die Fantasie anregen, die Sinne berühren und die Emotionen der Menschen auf der ganzen Welt ansprechen.“

Das Programm Varekai ist die fünfte Cirque du Soleil Show, die unter der Regie von Dominic Champagne Europa besucht. Der Ausdruck Varekai bedeutet „wo auch immer“ auf Romani, der Sprache der Fahrenden. Die Produktion zollt der Nomadenseele, dem Geist und der Kunst der Zirkustradition Tribut. Heute sind es über 4’000 Mitarbeitende, darunter mehr als 1’000 Künstlern aus 40 verschiedenen Ländern.

 

Beweglichkeit und Körperbeherrschung

Die Dutzend Artistiknummern waren alle verschieden und bildeten dennoch ein Ganzes. Ob eine junge Frau in einem Reifen im Gipfel des Zeltes der Schwerkraft trotzte und volle Körperbeherrschung bewies, oder ob sich die Artisten in einer nachgestellten Unterwasserwelt auf einer speziellen Gleitfläche tummelten, das Publikum weidete ehrfürchtig seine Augen daran. Nur bei den Clownnummern teilten sich die Meinungen. Der hagere Clown im zu grossen Anzug und seine dralle, blonde Assistentin riefen bei den Einen Ekel, bei den Anderen hysterisches Gelächter hervor.

 

Liveband und Stangenwald

Ohne die extravaganten Kostüme, bei welchen Sicherheit, Komfort und Bewegungsfreiheit an oberster Stelle stehen, wäre das Spektakel nur halb so faszinierend. Sie verwandeln die Artisten in skurrile Fabelwesen.

Die Musik wurde von einer Liveband beigesteuert, wobei das Gesangsduo sich immer auf der Bühne nahe bei den Akrobaten befand. Dies erlaubte der Musik, sich den Artisten anzupassen und nicht umgekehrt. Das Repertoire reichte von mitreissenden Stücken bis Balladen. Eine spannende Dimension ins Bühnenbild gaben die 300 Stangen, welche Bäume darstellten. Auf einigen von ihnen konnten die Artisten auch klettern. Abgerundet wurde alles durch eine skelettartige Treppe, welche in schwindelerregende Höhen führte.

 

Risse in der Perfektion

Kurz vor dem Finale kam es noch zu einer technischen Störung, als der Ton ausfiel, weswegen die Vorstellung für knappe fünf Minuten unterbrochen wurde. Die Wartezeit wurde jedoch mit der vollen Energie der Schlussnummer wieder wett gemacht. Bei den sogenannten russischen Schwingen flogen die Artisten hoch durch das Zirkuszelt und gaben nochmals alles, bevor die Vorstellung nach guten zwei Stunden endete. Obwohl das Publikum nicht weniger als Perfektion erwartete ,wurde der volle Körpereinsatz der Artisten mit einer „Standing Ovation“ belohnt.

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