Gesellschaft | 09.09.2010

Für sich und die anderen

Punkt 18:11 Uhr eröffnet Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer auf dem Münsterplatz in Bern symbolisch die Aktion 72 Stunden. Im Gespräch erzählt die höchste Schweizerin, dass sie bereits als Jugendliche Freiwilligenarbeit geleistet hat und dass davon nicht nur die Gesellschaft profitiere, sondern auch man selber.
Für sie war Freiwilligenarbeit schon immer sehr bedeutsam: Pascale Bruderer im Gespräch mit Tink.ch-Reporterin Eva Hirschi.
Bild: Corina Fuhrer "Freiwilligenarbeit ist etwas ganz Essentielles."

Pascale Bruderer, haben Sie als Kind oder Jugendliche auch Freiwilligenarbeit geleistet?

Pascale Bruderer: Ja, soweit ich mich zurück erinnern kann, hatte Freiwilligenarbeit immer schon eine wichtige Bedeutung in meinem Alltag. Weniger in der Pfadi, der Cevi oder im Blauring, aber weil ich sehr intensiv Handball gespielt habe und dann auch selber Trainerin wurde und deshalb viel mit Jugendlichen zusammen gearbeitet habe. Das habe ich immer sehr gern gemacht. Und auch sonst, ich habe in Behindertenorganisationen Freiwilligenarbeit geleistet, in Schülerorganisationen, so wie das bei vielen Jugendlichen auch heute zum Alltag gehört.

 

Wie wichtig ist Freiwilligenarbeit in der Schweiz?

Wenn man das hochrechnen würde in Franken und Rappen, dann merkt man, das ist unbezahlbar. Was die Freiwilligenarbeit der Jugendlichen in der Schweiz betrifft, dann sind das eine Million Stunden, die junge Menschen Jahr für Jahr leisten. Es ist wirklich genial. Einerseits ist das so wichtig, weil damit ein bedeutsamer gesellschaftlicher Beitrag geleistet wird, andererseits ist es aber auch wichtig, weil – und das betone ich immer wieder – man selber so viel daraus lernen kann. Man profitiert von diesen Erfahrungen. Man lernt, wirklich zusammen in einem Team etwas zu bewegen. Man lernt, wie viel Freude das macht, sich für die Gesellschaft einzusetzen. Man sieht, welches Potential und welche Ideen man hat und was alles drin liegt, wenn man diese Kräfte bündelt. Und diese Erfahrung ist für mich Motivation pur.

 

Wie hat sich die Freiwilligenarbeit in den letzten Jahren entwickelt?

Das weiss ich nicht. Ich weiss einfach, dass sie konstant einen sehr hohen Wert hat. Es gibt eine Studie, die das hochrechnet, aber es ist so schwierig das zu erfassen, weil viel dieser Freiwilligenarbeit im Alltag passiert, bei der Pflege von Angehörigen beispielsweise. Darum kann man sicher sagen: Es ist etwas ganz Essentielles und wenn das wegfallen würde, hätten wir grösste Mühe, diese Lücke zu füllen.

 

Ihr selbst erklärtes politisches Ziel ist es, Brücken zwischen Alt und Jung zu schlagen. Wie verwirklichen Sie das?

Ich hatte von Anfang an die Idee, die Generationenbeziehung ins Zentrum zu stellen und habe mir zuerst überlegt, ein eigenes Projekt zu lancieren, das Jung und Alt zusammenbringt. Aber dann habe ich gemerkt, dass das überhaupt nicht nötig ist. Es gibt schon so viele geniale Projekte, meistens lokal verankert. Deshalb habe ich eine Internetplattform, eine Generationenplattform www.intergeneration.ch gegründet, zusammen mit der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft. Auf dieser Internetplattform werden all diese Generationenprojekte vorgestellt. Man kann sich untereinander verlinken, man kann sich austauschen, man kann teilnehmen, und ich persönlich leiste meinen Beitrag, indem ich eine “Tour de Suisse” mache und die dort aufgeführten Generationenprojekte besuche. So kann ich fast jeden Monat ein neues Projekt anschauen gehen und diesen Leuten vor Ort für ihr Engagement danken. Ein Beispiel ist “CompiSternli”, ein Projekt, bei dem Kinder und Jugendliche den älteren Leuten das Internet erklären und ihnen zeigen, wie man surft. So gibt es ganz viele tolle Projekte.

 

Was machen Sie persönlich in den nächsten 72 Stunden?

Das ist eben ein bisschen gemein. Die nächsten 72 Stunden liegen sehr nahe vor dem Beginn der nächsten Session, mit Bundesratswahlen und so. Gerade weil es für mich schwierig ist, in den nächsten 72 Stunden mitzuwirken, war es mir wichtig, Ja zu sagen, als ich angefragt wurde, ob ich bei der Lancierung mitmache. Ich habe die Aktion 72 Stunden letztes Mal im 2005 unterstützt und war auch aktiv dabei, deshalb ist es dieses Jahr ein kleiner Beitrag, den ich leisten kann, nämlich vor allem die Bevölkerung aufzurufen: Unterstützt diese Leute, die mit den farbigen, hellen T-Shirts herum laufen – sie brauchen Unterstützung, sie verdienen Unterstützung und sie verdienen Wertschätzung. Und sie verdienen auch ein Dankeschön!

 

Info


Zusammen mit der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) hat Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer die gesamtschweizerische Internetplattform www.intergeneration.ch zur Förderung der Generationenbeziehungen lanciert.

 

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