Gesellschaft | 10.09.2010

Einst trabten hier Ponys

Text von Luzia Tschirky
Jetzt wird umgegraben wo einst zwei Ponys, ein paar Geissen und Zugvögeln ihr Zuhause hatten. Hinter dem Gemeinschaftszentrum in Schwamendingen packen die Pfadi, Jubla und Cevi Mitglieder gemeinsam an, wenn es darum geht für die Aktion 72 Stunden ein Labyrinth zu bauen. Am Sonntag findet die offizielle Eröffnung statt, bis dann heisst es: "Auf die Schaufel - los!»
"Pfadi ist doch einfach geiler als Schule", meint Twister. Für eine gute Sache macht man sich hier gerne die Hände schmutzig. Jubla Mädchen in Aktion. Fotos: Luzia Tschirky

Lampen für den Notfall

Zwei Mal muss die Reporterin von Tink.ch bis an die Endstation vom öffentlichen Verkehr fahren, bis sie am Ziel angekommen ist. Am Rande von Schwamendingen entsteht während 72 Stunden ein Labyrinth. Die Wiese, auf dem das Labyrinth entsteht, beherbergte einst einen Streichelzoo. Wo sich einst Pony und Geissen Gute Nacht sagten, kann man sich ab kommenden Sonntag in einem Labyrinth verirren. Sofern alles nach Plan läuft. Bevor man die fleissigen Kinder und Jugendlichen zu Gesicht bekommt, hört man schon von weitem eine Radiostimme. DRS Virus unterhält die jungen Leute beim Graben und Hacken. Schliesslich berichtet der Radiosender live von der Aktion 72 Stunden. „Rund neunzig Nasen machen insgesamt bei unserer Aktion mit“, erzählt Romano Rizzoli, der verantwortliche Projektleiter. Das OK Team hat sich ein hohes Ziel gesteckt, innerhalb von drei Tagen sollen 900 Hainbuchen zu einem Labyrinth verpflanzt werden. Doch die Organisatoren sind für den Fall der Fälle ausgerüstet. „Sollten wir bei Tageslicht nicht so weit kommen wie nötig, haben wir vier Scheinwerfer dabei.“ Wie richtige Maulwürfe können die Jugendlichen auch im Dunkeln weitergraben. Denn bevor die Hainbuchen eingepflanzt werden können, müssen kleine Gräben ausgehoben werden. „Man hat uns gesagt, wir müssten etwa spatentief graben“, erzählt Matthias Groner von der Pfadi aus Schwammendingen.

 

Ausgleich für Bürogummis

Damit die jungen Leute auch wissen, wo sie graben müssen, sind die Linien des Labyrinths mit Sägespänen markiert. Céline Mariani muss von den Spänen die ganze Zeit niesen, findet aber trotzdem das alles besser als die Schule. Wie alle anderen Beteiligten müsste sie heute eigentlich die Schulbank drücken. Davon möchte heute aber niemand etwas wissen. Kajaraam alias Twister meint dazu nur: „Pfadi ist doch geiler als Schule.“ Kaum gesagt, beginnt der Achtjährige wieder zu hacken. Die Stimmung auf dem Feld ist gut, auch wenn der Matsch an den Schuhen klebt und man vom vielen Hacken bestimmt Schwielen an den Händen bekommt. Während die einen Graben um Graben freischaufeln, sind andere mit dem Auto unterwegs und besorgen Büsche, Holzpfähle oder holzige Schnitzel. „Ich kann die Stunden nicht mehr zählen, die ich in die Aktion investiert habe“, erzählt Romano Rizzoli schmunzelnd. In seinem richtigen Leben arbeitet der Jungwacht Leiter laut eigenen Aussagen als „Bürogummi“. Neben der Arbeit am Schreibtisch brauche er Abwechslung. In der Jungwacht sei er einer der wenigen, die keinen stark praktischen Beruf ausüben würden.

 

Kopfstand für Schwamendingen

Der Geruch nach frisch umgegrabener Erde liegt in der Luft und die Hosen der Reporterin sind nicht mehr Zürich City tauglich. Allem Humus zum Trotz, setze ich mich wieder ins blaue Züricher Tram. Die Schweiz auf den Kopf zu stellen für 72 Stunden, das ist das eigentlich Ziel. Die 90 Jugendlichen und Kinder, die in Schwamendingen sich die Finger schmutzig machen, beweisen, dass Schwamendingen seinen schlechten Ruf nicht verdient hat. Am Sonntag um 16.11 Uhr wird das Labyrinth offiziell eröffnet. Man kann vor Ort Spenderin oder Spender einer Hainbuche werden. Die 900 Buchen wurden von einer Gärtnerei zu einem Freundschaftspreis bereit gestellt. Spenden sind jederzeit willkommen. Romano Rizzoli meint zu Recht: „Wir stellen hier etwas auf die Beine, was Schwamendingen noch nicht gesehen hat.“

 

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