Gesellschaft | 15.09.2010

Die Maitlapfadi Chur packt an

Text von Annatina Gilgen | Bilder von Annatina Gilgen
Über das Wochenende ist in Chur ein neues Zuhause entstanden. Ein Zuhause für Stadttiere, die dringend Zufluchtsorte benötigen. Tink.ch berichtet über harte Arbeit und der Lohn dafür.
Auch die Kleinsten packen eifrig mit an.
Bild: Annatina Gilgen

Es ist Sonntagabend schon wieder ist ein Wochenende vorbei. Doch dieses hatte es in sich. Zumindest für einen Teil der Schweizer Bevölkerung. Um 18.11 Uhr ging eine Aktion zu Ende, die die Schweiz auf den Kopf gestellt hatte für mindestens für 72 Stunden. 28 000 Kinder und Jugendliche nahmen teil und führten während drei Tagen 580 gemeinnützige Projekte durch. Die Aktion der SAJV (Schweizer Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände) möchte aufzeigen wie viel freiwillige Arbeit auch während des ganzen Jahres geleistet wird und die Jugendverbände an der Öffentlichkeit bekannt machen.

Als Gruppenleiterin der Maitlapfadi Chur kann ich jedoch von unserem Projekt berichten. Unsere 18 Pfadfinderinnen haben dieses Wochenende nämlich Grosses geschaffen: eine neue Wildhecke im Churer Giaccomettiquartier. Und das alles in 72 Stunden. Ohne eigene finanzielle Mittel und ohne wirkliche Vorbereitung. Begonnen hat die Aktion am Donnerstag um 18.11 Uhr und endete genau 72 Stunden später.

 

Freiheit für Tiere

Die Maitlapfadi Chur gibt es seit 1931 – heute ist sie ist die letzte reine Mädchenabteilung des Kantons Graubünden. Und weil wir uns als wichtiger Teil der Stadt Chur sehen, wollten wir die Aktion nutzen um in und für unsere Stadt aktiv zu werden. Wildhecken aus regionalen Pflanzen sind in Siedlungsgebieten wichtig. Sie bieten Nist- oder Schutzraum für Kleintiere, erschliessen die Grünflächen der Stadt und ermöglichen somit für den Tieren sich freier zu bewegen. In städtischen Gebieten sind die Tiere oftmals von Grenzen umringt.

 

Schwitzen und Lachen

Bis zum Anpfiff waren die Projekte noch geheim – nur die Gruppenleiter und Organisatoren des Events wussten welche Arbeit auf die Kinder und Jugendlichen zukam. So wurde der Donnerstagabend hauptsächlich dazu genutzt sich mit der Idee des Projekts auseinanderzusetzen und organisatorische Vorkehrungen zu treffen um am darauf folgenden Morgen direkt starten zu können. Doch bevor gebuddelt werden konnte mussten wir Arbeitsmaterial und Essen auftreiben. Die folgenden Stunden standen die Mädchen in der Erde, gruben und pflanzten um die Wette – alles nach dem vorgezeichneten Plan des Gartenbauamts. Die ersten Schweisstropfen wurden mit einem breiten Lachen hingenommen und kleine Motivationstiefs liessen sich durch ein nettes Dankeschön der Anwohner schnell ausgleichen.

Sogar das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und die Stunden vergingen wie im Flug. Nebst dem Pflanzen musste auch für Verpflegung gesorgt werden. Nebenbei stand noch die Organisation für den Abschlussapéro auf dem Programm. So war es auch schon bald Sonntag und mit einem glücklichen Seufzer wurde der letzte Liguster in die Erde gegraben. Die letzte Stunde wurde das geglückte Projekt dann mit Familie, Bekannten, Anwohnern und Stadträten gefeiert.

 

Stolze Müdigkeit

Dann ist e soweit – 18.11 Uhr. In den Augen der Mädchen sieht man nebst der Müdigkeit vor allem Stolz und Zufriedenheit. Etwas geschaffen zu haben, das so vielen Menschen und Tieren Freude bereitet ist ein gutes Gefühl. Eine gute Tat. Und dann ist die Anspannung und die Müdigkeit wie weggeblasen – dann weiss frau wieder weshalb man diese Arbeit auf sich genommen hat. Die zufriedenen Gesichter meiner Pfadfinderinnen, eine wunderschöne Wildhecke und ein kleines Dankeschön der Nachbarin aus dem 2. Stock beweisen es – freiwillige Arbeit zahlt sich aus. So ist es wohl jedem einzelnen der 28 000 Teilnehmer ergangen. Die Aktion 72 Stunden beweist uns nicht nur, dass freiwillige Arbeit unerlässlich und nötig ist, sondern auch, dass viele kleine Schritte und Bemühungen zusammen Grosses bewirken. Solche Arbeit wird tagtäglich – nicht nur während diesen 72 Stunden – von Tausenden geleistet und sollte somit auch tagtäglich geschätzt werden.