Gesellschaft | 14.09.2010

Der Traum vom Buch

Max Ivan Dohner ist Autist. Er hat noch nie einen Traum vergessen. Mit seinem Traumbuch, in dem er 24 Träume festhält, die er im Alter zwischen vier und 26 Jahre geträumt hat, hat er sich einen Traum erfüllt. Am 50 Jahre-Jubiläum von Insieme las er daraus vor. Tink.ch traf ihn danach zum Gespräch.
Das Traumbuch enthält 24 Träume von Max Ivan Dohner.
Bild: florcom.com / Keila Dohner Max Ivan Dohner hat noch nie einen Traum vergessen.

Was bedeuten Ihnen Träume?

Max Ivan Dohner: Ich träume sehr viel und habe noch nie einen Traum vergessen. Eine Betreuerin sagte mir einmal, dass die Träume einen Zusammenhang hätten mit etwas aus der Realität, das dann im Traum verarbeitet wird, sei es gut oder schlecht. Und das glaube ich auch. Ich habe mich immer sehr für Tierfilme und Comics interessiert. Deshalb kommen Tiere und Comicfiguren so oft in meinen Träumen vor.

 

Haben Sie einen Lieblingstraum?

Mein Lieblingstraum heisst “Die Geheimnisse der 5 Mädchen”. Darin geht es um fünf Schauspielerinnen aus der Fernseh-Serie “Sleepover Club”, die von ihren Berufswünschen erzählen.

 

Mit dem Traumbuch haben Sie sich einen Traum erfüllt. Welchen Traum möchten Sie sich noch verwirklichen?

Ein Traum von mir ist es, mit einem Roboter zu sprechen, so wie in Terminator. Vielleicht könnte ich auch mal einen Roboter selber bauen. Doch der sollte dann nicht aussehen wie jemand aus der Realität. Denn dann würden sich die Leute bestimmt Sorgen machen und das möchte ich nicht. Ein anderer Traum wäre, mit den fünf Schauspielerinnen aus der Serie, von denen ich geträumt habe, einmal persönlich zu sprechen.

 

Kommen Ihnen Träume manchmal bekannt vor? Erleben Sie Dinge aus der Realität manchmal in Träumen noch einmal?

In meinem Leben hatte ich unter anderem vier schwierige Situationen, drei davon waren Unfälle und bei einer wurde ich von einer Betreuerin beschimpft. In den Träumen in diesen Situationen sind Frauen in Form von Engeln aufgetaucht, die mir geholfen haben. Diese vier Situationen habe ich auch gemalt.

 

Erleben Sie Träume heute anders als in Ihrer Kindheit?

Die Träume verändern sich bei mir, wie bei allen andern auch, was die Themen betreffen. Der erste Traum, an den ich mich erinnere war ein Albtraum. Es ging darin um Gespenster und einen Teppich, der ein Sofa mit einem Tennisball darauf verschlingen wollte. Damals war ich vier Jahre alt. Ich habe kürzlich auch von der Zukunft geträumt und zwar von der Lesung hier in Bern. In meinem Traum war ich ganz lässig draussen im Stadion vor vielen Zuschauern. Als die Lesung dann doch im Café war, war ich aber nicht enttäuscht. Sehr oft kommen auch Tiere in meinen Träumen vor, die sich wie Menschen verhalten. In meinem Buch habe ich auch einen Traum von einem Löwen und einem Bären festgehalten. Sie haben miteinander gesprochen wie Menschen. Die Stimme des Bären war sehr stark.

 

Sie haben Ihr Buch auch selbst illustriert. Wie wichtig ist das Malen für Sie?

Jeden Freitag besuche ich einen Malkurs. Dort male ich aber keine Träume sondern Tiere und Horrorgestalten. Ich habe auch damit begonnen, Tiere in Menschenposen zu malen. Beim Malen verarbeite ich, ähnlich wie beim Träumen, Erlebnisse aus dem Alltag.

 

Was machen Sie, wenn Sie mal nicht träumen?

Ich arbeite jeweils am Morgen in der Stiftung Arwo (Arbeiten und Wohnen) in Wettingen. Jeden Nachmittag besuche ich Kurse, wo ich beispielsweise lerne, wie ich ein Handy bedienen kann. Ich habe auch einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Eigentlich hatte ich vor, den Hauswirtschaftskurs zu machen, doch der fand dann nicht statt, weil sich zu wenige Leute angemeldet haben.

 

 

Info


Dieses Interview ist auch auf www.insiemeplus.ch erschienen, dem neuen Blog von Insieme. Dort findet ihr weitere Beiträge des bunt durchmischten Reportage-Teams, das am Insieme-Begegnungsanlass vor Ort war.

 

Links