Kultur | 06.09.2010

Der kleine Nick und die Unbesiegbaren

Text von Céline Graf | Bilder von Central Film Verleih
Profirennvelofahrer oder Minister wollen die Freunde des kleinen Nick einmal werden, wenn sie gross sind. Der Schelm aus René Goscinnys und Jean-Jacques Sempés Kinderbüchern selber weiss es noch nicht, überhaupt: sein Leben gefällt ihm gerade ziemlich gut so wie es ist! Doch auf einmal soll er einen kleinen Bruder bekommen. Der bringt nur Ärger, findet Nick. Und so geht er mit seiner Bande in Laurent Tirards charmanter Kinoverfilmung "Der kleine Nick" auf eine geheime Mission.
Der kleine Nick (Maxime Godart) mit der bezeichnenden roten Weste aus Sempés Zeichnungen, die zeitlos sind.
Bild: Central Film Verleih

Der kleine Nick, liebenswerter Schelm aus den Kinderbüchern von Jean-Jacques Sempé und René Goscinny, verzückt seit den 1960er Jahren Generation für Generation. Der französische Regisseur Laurent Tirard hat nun einige Geschichten Goscinnys zum charmanten Kinofilm “Der kleine Nick” verflochten.

 

Alles ist möglich

Das Problem “kleiner Bruder” kann Nick mit seinem zahnlückigen Lächeln und den strahlend blauen Augen nicht gewohnt nonchalant lösen. So stürzen sich er und seine “Bande der Unbesiegbaren” in Abenteuer abseits der kleinkarierten Erwachsenenwelt und des Schuldrills.

 

Das Bandenmotto lautet vereinfacht: Alles ist möglich, wenn du nur Fantasie und Freunde hast, die zu dir halten. Die Jungs brauchen keinen Obelix-Zaubertrank, um Grosses zu tun. Ähnlich, wie in “Die Schatzinsel” ein ganz normaler Junge mit Piraten auf Schatzsuche geht. Robert Louis Stevensons Abenteuerroman verstaubt jedoch auf Nicks Bücherregal. Und wer die Verfilmungen von Joachim Masanneks “Die wilden Kerle” gesehen hat, dürfte es kaum mehr überraschen, wenn der kleine Nick einfach so Autos entführt oder gefährliche Gangster besticht.

 

Eins, zwei, drei Generationen

Um Action geht es in “Der kleine Nick” aber auch nicht. Es ist durch und durch ein Film zum Lachen und Mitfühlen. Es berührt, wie Nick ehrlich-unverblümt aus seinem Leben erzählt, während die Kamera die Welt aus seiner Perspektive betrachtet. Hat Asterix-Erzähler Goscinny seine Geschichten noch für Kinder geschrieben, richtet sich Tirards Verfilmung an alle drei Generationen. Kinder sehen, wie anders vor einem halben Jahrhundert die Schule noch war – Erwachsene werden an ihre Kindheit erinnert.

 

Die “Grossen” finden den Film wahrscheinlich noch lustiger als Kinder. Er karikiert Behörden und Erziehungsinstitutionen als Hüter nachkriegszeitlicher Werte geradezu so schmunzelnd-ironisch, wie Loriot das deutsche Spiessertum auf die Schippe nimmt. Der unbesorgte Ernst, mit dem Nick und Freunde ihre Streiche austragen, enthüllt, wie lächerlich verbissen die Erwachsenen an Regeln festhalten.

 

Die Kleinen ganz gross

Das reaktionäre Frankreich der Fünfziger Jahre gibt ein überaus liebliches Filmsetting her, mit Markt, Metzgerei und Uhrmacher. Dazu passt auch Klaus Badelts wolkige Filmmusik. Seit der Komödie “Bienvenue chez les Ch’tis” amüsieren sich nicht nur die Franzosen selbst über des Franzosen Eigenheiten. Ein paar Anspielungen sind frisch, andere nicht gerade mutig. Etwa mimt Kad Merad als Nicks Vater erneut den erfolglosen Büroangestellten aus “Bienvenue chez les Ch’tis”.

 

Dabei wird man am Ende des Films, während man sich noch die Lachtränen trocknet, dem kleinen Nick zunicken: Das Leben erfordert eben Mut. Mut klein zu sein und gross zu werden. Und manchmal braucht es Mut, über sich hinaus zu wachsen. So wie das zum Beispiel in “Der kleine Nick” die jungen Schauspieler tun.

 

Der kleine Nick (Le Petit Nicolas) von Laurent Tirard läuft jetzt in den Kinos.