Gesellschaft | 27.09.2010

Comment on reconnait les vrais parisiens?

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser
In Paris tummeln sich viele Touristen, tagein, tagaus. Sie stehen nicht nur unter dem Eiffelturm und fotografieren die Sacre coeur, sondern dringen in alle Ecken der 2-Millionen-Stadt vor. Manche Exemplare kann man aufgrund baumelnder Kamera um den Hals oder Stadtplan in der Hand rasch als Tourist einordnen. Doch wie erkennt man "les vraies parisiennes et les vrais parisiens"?
Im Café, mit Kaffee und Beaudelaire. So lebt Frau in Paris. Nur die Touristen bleiben an ihm kleben.
Bild: Seraina Manser

La parisienne

Folgende Merkmale oder Verhaltensweisen weist sie auf:

Sie raucht. Und zwar hat sie entweder die Zigarrette erschnorrt: „Vous avez une cigarette pour moi?“, oder aber jemand um Feuer gebeten.

Sie trägt zwei Baguettes unter dem Arm, wobei eines bereits angeknabbert ist.

Sie arbeitet von 11 bis 18 Uhr, unterbrochen von mehreren Rauch-Kaffee-Telefonpausen.

Sie kennt sämtliche Metrolinien und Metrostationen auswendig, und weiss wann der letzte Zug auf jeder Linie fährt! Die sportlichere Variante kann von jedem beliebigen Standpunkt aus die nächste Velibstation (Veloverleih) orten und weiss, um welche Zeit man wo leere Stationen vorfindet.

Mindestens die Hälfte des Lohnes gibt sie für ihre Miete aus, den Rest für Zigaretten, Cafés, Schuhe und Kleider.

Sie scheint die Bedeutung von Ampeln vergessen zu haben und wirft den hupenden Autofahrern einen bösen, herablassenden Blick zu, wenn sie die Strasse bei rot überquert.

Sie geht geschwind und spricht dabei geschäftig ins Telefon: „Oui oui, j’arrive! Pas de soucis. Bisous.“

Es gelingt ihr (auch mit wenig Geld) immer so auszusehen, als sei sie der neuesten Vogue entsprungen.

An freien Tagen pilgert sie von Café zu Café, liest da ein Buch oder telefoniert mit Freunden.

 

Le parisien

Dieses Verhalten zeichnet ihn aus:

 

Er raucht. (und offeriert den hübschen Filles auch gern eine Zigarette)

Er rast mit einem lauten Motorrad durch die Strassen. Das Telefon hat er zwischen Wange und Helm eingeklemmt und schreit rein, um den Autolärm zu übertönen.

Er weiss, um welche Zeit und auf welchem Boulevard der Verkehr stockt und plant so geschickt seine Route.

Gibt mindestens die Hälfte seines Lohnes für die Miete aus, den Rest investiert er in Zigaretten, Wein, Käse und Benzin fürs Moped.

Er begrüsst auch seine männlichen Kollegen mit zwei Wangenküssen.

Um fit zu bleiben, geht er in den Club Med (Fitnesscenter) oder im Park joggen, natürlich mit chicem Outfit.

Er sieht immer so aus, als sei er der neuesten Vogue entsprungen. (Ob Verdienst seiner Frau/Freundin oder nicht, wer weiss?)

An freien Tagen pilgert er von Bar zu Bar und trinkt «eineken« (Heineken), mit dabei: die Tagespresse.

Er liebt es, Checks auszufüllen und tut dies bei jeder Gelegenheit für noch so jede kleine Summe.

 

Die Verfasserin lehnt jegliche Haftungen ab, sollte eine Person, die eines der obenstehenden Merkmale aufweist, trotz allem Tourist sein.