Gesellschaft | 10.09.2010

Botschaft an Zürich

Text von Luzia Tschirky
Was machen ein Hebewagen der Feuerwehr und Regierungsrat Ernst Stocker auf dem Kirchplatz in Rüti? Sie stellen die Schweiz mit auf den Kopf! Um 18:11 Uhr ging es mit Schüssen los. Mehrere kleine Raketen markierten den Start der Aktion 72 Stunden. Im September ist es im Zürcher Oberland aber noch taghell, weswegen die Raketen mehr zu riechen, als zu hören waren.
72 Stunden Abenteuer warten auf dieses Cevi - Mädchen Wohin fliegt dein Ballon? Gemeinsam in die Lüfte. Kommt bald wieder. Die Schule ist für Anna Lena weit weg. Fotos: Luzia Tschirky

Leben im Oberland

In Rüti realisieren 200 Jugendliche vier Projekte für die Aktion 72 Stunden. Jedes Projekt wird von einem Götti betreut. Unter anderem sind das Regierungsrat Ernst Stocker und Gemeinderat Anton Melliger. Die beiden Politiker hielten die Eröffnungsrede für den Kanton Zürich, wobei sich Melliger nicht zurückhielt und offen meinte: “Hier in Rüti finden mehr Projekte statt als im grossen Zürich. Das ist ganz klar eine Botschaft an das grosse Zürich: Das Oberland lebt.” Die versammelten Pfadis, Cevis und Naturschutzgruppen warteten in diesem Augenblick aber nur noch gespannt auf ihre Aufgabe. Selten hat man die blauen und beigen Uniformen so nebeneinander gesehen. “Während der ganzen Aktion machen wir keinen Unterschied mehr zwischen den einzelnen Jugengruppen”, meint Martin Trüb aus dem Organisationskommitee. Er ist während der Aktion 72 Stunden für das leibliche Wohl der Teilnehmenden verantwortlich. “Für morgen brauche ich dringend noch vier Liter Milch und drei Kilo Brot.” Erzählt der Helfer Martin Trüb. Eigentlich ist er Jugendbeauftragter der evangelischen Kirche Rüti. Während der Aktion 72 Stunden lässt er sich so einiges einfallen. “Alle Geschäfte und Restaurants sind informiert. Ich werde morgen losfahren und nachfragen, wer mich unterstützen kann.” Für das Essen darf Martin Trüb keinen Rappen ausgeben, denn Eines wird bei der Aktion 72 Stunden grossgeschrieben. Alles muss ohne Geld aufgetrieben werden.

 

Vom Himmel herab

Nachdem die Aktion 72 Stunden offiziell eröffnet war, drehte sich das Publikum um 180 Grad, dem Wagen der Feuerwehr zu. Inzwischen waren ein Feuerwehrmann und ein Helfer der Aktion mit einem Kran in luftige Höhe gefahren. Nacheinander wurden die Projekte nach unten geschickt. Nach vier Botschaften von oben war klar, was auf die Teilnehmenden in den nächsten drei Tagen zukommen würde. Drei eher konventionelle wie ein Fest, ein Theater und eine Feuerstelle werden ergänzt von einer neuen Idee einer Helpline. “Wir hatten zu Beginn viele Ideen. Die Meisten davon erwiesen sich allerdings nicht als umsetzbar.” Erzählt Martin Trüb aus dem OK. Im Gegenzug sollten die Projekte alle realisierbar sein. “Wir sind in 72 Stunden fertig”, davon ist Martin Trüb felsenfest überzeugt. Man kann sich also freuen auf ein Theater am Sonntagmorgen, ein Fest am Sonntagnachmittag, oder auf eine Helpline die allen Menschen in und um Rüti während 72 Stunden im Alltag helfen soll. Die Feuerstelle wird den Rütnern noch länger erhalten bleiben. Vielleicht wird der Wunsch des Projektsleiters wahr und der Herbst wird schöner als der Sommer. Der Aktion 72 Stunden wird das Wetter auf alle Fälle nicht im Wege stehen. Für die kommenden drei Tage erwartet man Sonnenschein in der ganzen Schweiz.

 

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