Kultur | 01.09.2010

Appenzell im Schlamm

Gummistiefel und Regenjacke gehörten dieses Jahr zur Grundausstattung am 7. Clanx Festival. Sonnenbrille und Strohhut durfte man getrost zu Hause lassen, es sei denn sie schützten vor Wassertropfen von oben und unten. Das Wasser kam jedoch nicht nur von oben.
Musik im Regen. Fotos: Christine Albrecht Der Albtraum jeder Sandale: Die Wiesen am Clanx 2010

Nasse Festivalbesucher

Wer sich am Wochenende vom 27. bis zum 29. August überhaupt aus dem Haus traute, floh entweder in ein Café um sich bei einer heissen Schokolade aufzuwärmen oder ins behaglich geheizte Kino. Das herrschende Regenwetter lud wahrlich nicht zum Draussen sein ein.

Nichtsdestotrotz wagten sich einige hundert wasserdichte Festivalliebhaber ins Appenzellerland. Bewaffnet mit doppelwandigem Zelt, dichten Regenjacken und langen Unterhosen pilgerten sie ans Clanx Festival in Appenzell.

Am Clanx Festival zeigte sich die neue Trendfarbe Grau, während das Licht der Sonne ziemlich out zu sein schien.

Doch trotz Sintflut und Schlammschlacht überzeugte das Festival auch dieses Jahr mit einer friedlichen und familiären Stimmung: Unter Schirmen traf man sich, schloss neue Freundschaften, verwünschte gemeinsam den Regen und kam zum Schluss, mit Bier und Musik liesse sich doch alles aushalten. Und während vor der Bühne ein kleiner Teich entstand, wärmte man sein Gemüt in der überdachten Bar.

 

Kampf gegen Sumpf

Manches grosse Open Air kann sich vom kleinen Clanx eine Scheibe abschneiden. Als Non-Profit-Festival sind die Preise für Eintritt und Essen angemessen und fair. Auch auf eine 3-Liter-Grenze verzichteten die Organisatoren. Sie riefen dazu die Gäste auf, ihren Abfall selbst ordnungsgemäss zu entsorgen, was dank genug getrennten Wegwerfmöglichkeiten auch kein Problem darstellte. Zur gleichen Zeit als man in der Bar mit dem zweiten oder vielleicht schon dritten Bier auf das Wetter anstiess, wirkten die Organisatoren dem Sumpf entgegen. Mit Holzschnitzeln wurden Teiche vor der Bühne bekämpft, damit das tanz- und springfreudige Publikum nicht auf seine Lieblingsbeschäftigungen verzichten musste.

Was das Bier und das Essen für den Magen war, war das musikalische Angebot für die Ohren. Auch auf dieser Ebene bot das Clanx Festival den Besuchern einige Leckerbissen. Das Programm reichte von Rock über Elektro, Indie, Alternative, Bluesrock, Rockabilly bis zu Funk und Volksmusik.

Am Freitag befand sich die Bühne fast ausschliesslich in schweizer Hand. The Lubrification aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden, die den musikalischen Teil des Festivals rockig eröffneten, wurden gefolgt von den Treekillaz (Bern) und der Elektroband Fiji (auch Bern) bevor The Jancee Pornick Casino aus Deutschland den Abend mit lautem Rockabilly abschlossen.

 

Zurück ins Trockene

An den Tagen darauf beherrschten Rock und Indie die Bühne. Bands wie die St.Galler Lokalmatadoren All Ship Shape, die Newcomer Christopher Christoper, die einheimischen The Tilts, die Dänen The Blue Van und die Engländer You Love Her Coz She’s Dead sangen und spielten sich durch den Regen in die Herzen des Publikums.

Und obwohl viele schon am Tage zuvor ihre Zelte abbrachen und sich ein heisses Bad in der heimischen und vor allem trockenen Stube gönnten, war tags darauf kein Abfallen der Stimmung zu erkennen und man liess sich von den letzen Musiktropfen von Living Room, dem Appenzeller Echo oder den Bernern The Monofones verwöhnen.

Mit einer heissen Tasse in der einen und einer Wärmeflasche in der anderen Hand krochen also einige wetterresistente am Sonntagabend in ihr warmes Bett, liessen das Wochenende noch einmal Revue passieren, bereuten nichts, dankten Gott für die Erfindung der Gummistiefel und freuten sich auf nächstes Jahr.

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