Kultur | 27.09.2010

Am kleinsten Ende der Schweiz

Text von André Müller | Bilder von SAMovie
Stille. Nacht. Und der Regen, der den Lichtkegel der Strassenlaterne durchkämmt. Aus der Ferne brummt ein Motor dezent in Richtung Corippo, jemand nähert sich dem Dorf. Der Wagen hält auf dem Dorfplatz, eine Frau steigt aus, sucht ihren Schlüssel und wird vom siebenköpfigen Sonderkommando überwältigt. Genau: Hier ist SAMovie am Werk.
Poli, ... ... Räuberin ... ... und Kameras. Die Zutaten für eine spannende Szene.
Bild: SAMovie

Die Wolken hängen tief über dem Staudamm, und ein dünner Regenteppich empfängt den Mini der SAMovie-Crew im Verzascatal. Kurve um Kurve arbeitet sich der Wagen die feuchte Strasse empor, weg von der Magadinoebene, weg von Breitbandinternet, hin zu den Steinhäusern von Corippo. Dort soll nämlich der nächste Dreh für den Spielfilm “risik.o.” stattfinden.

 

Der Schauplatz könnte nicht schöner gelegen sein: Wer den Verzasca-Staudamm betritt, sieht das Dorf über See und Tal thronen, weit weg von jeglicher Infrastruktur. Die einzige Strasse in die kleinste Gemeinde der Schweiz ist denn auch eine kurvige, einspurige Sackgasse. Zum Glück hält sich dort der Gegenverkehr in Grenzen.

 

Corippo im Ausnahmezustand

Mit der Ruhe und Beschaulichkeit im Tessiner Dörfchen ist es aber vorläufig vorbei: Das Filmteam plant eine nächtliche Polizeiaktion auf dem Dorfplatz. Eine flüchtige Verbrecherin soll überrascht und festgenommen werden. Kurzfristig hat sich die Einwohnerzahl beinahe verdoppelt. Die Leute sind aber informiert: Anstatt eine Bewilligung einzuholen, hat das Team einfach allen sechzehn Bewohnern einen Besuch abgestattet und ihnen das Vorhaben erklärt. In Corippo geht das doch etwas einfacher als in Venedig.

 

Zwanzig Uhr. Die Dunkelheit hat sich langsam ins Tal geschlichen, Fledermäuse schwirren durch die Nacht. Die letzten Lichter im Dorf spiegeln sich in den Pfützen auf dem Dorfplatz: Nur weil man die Wolken nicht mehr sieht, heisst das nicht, dass sie nichts mehr hergeben. Team und Technik macht das nichts aus. Man hat bislang immer Glück gehabt mit dem Wetter, da kann ein bisschen Wasser nicht schaden.

 

Tenü korrekt?

“risik.o.” soll schliesslich auch kein Schönwetterfilm werden. Das zeigt sich an der Akribie, mit welcher der Polizeieinsatz vorbereitet wird: Die Schauspieler üben Handgriffe, Kommandos und Positionen. Ein Profi aus dem Sicherheitsbereich überprüft die Tenüs seiner Polizisten und erklärt, wie sie die Strassen und Fluchtwege absichern müssen. Obwohl die meisten der siebenköpfigen Einheit keine Erfahrung in diesem Bereich haben, geht der Dreh dann schnell und speditiv über die Bühne.

 

Eine letzte Einstellung, wie die Formation die Treppe hinuntereilt, und die Sache ist im Kasten. Feierabend. Während die einen direkt zurück in den Norden fahren, bleiben die anderen über Nacht in Corippo und arbeiten an Film, Fotos und Homepage weiter. Das Team hat sich schliesslich einen ehrgeizigen Terminplan gesetzt: Ende Januar soll alles aufgenommen sein, im Februar könnte dann bereits die Premiere anstehen. Doch rund ein Viertel der Aufnahmen stehen noch bevor. Nach dem Dreh ist also vor dem Dreh. Bereits ist die Filmkarawane weiter nach Winterthur ins Sulzerareal gereist, um ein paar Dinge und Menschen anzuzünden und zu filmen. Das Stunt-Team ist bereit. Hoffentlich regnet es nicht!