Gesellschaft | 12.09.2010

72 Stunden rund ums Velo

Text von Eva Hirschi | Bilder von Eva Hirschi
An Wochenende drehte sich in Münsingen alles rund ums Velo. Es wurde repariert, geputzt, dekoriert, besprayt und sogar verschweisst. Alte nicht mehr gebrauchte Velos werden mit der Aktion "Velos für Afrika" für einen guten Zweck gespendet.
Farbe für den Drahtesel.
Bild: Eva Hirschi

“Pimp my bike”, steht auf einem grossen Schild. Dieser Schriftzug sticht als erstes ins Auge auf dem Schlossgutplatz in Münsingen. Hier gibt es eine ganze Palette an Dekorationsutensilien, wie farbige Fahrradketten, mit Sternen gemusterte Lenkgriffe oder “Bad Boy”-Aufkleber. Weiter hat man die Möglichkeit, sein Zweirad farblich aufzufrischen. Die Kinder besprayen die Fahrräder in allen möglichen Farbkombinationen. Sie sind sichtlich stolz auf ihre kleinen Kunstwerke.

 

“Eine gute Sache”

Der Samstag ist offizieller Velo-flick-Tag. Rund 50 Kinder und Jugendliche haben sich an verschiedenen Ständen versammelt und helfen tatkräftig mit. An einem Stand wird für Beleuchtung gesorgt, an einem anderen werden kaputte Schaltungen geflickt oder Fahrradschläuche ausgewechselt. Vier professionelle Velomechaniker aus Münsingen greifen den Kindern unter die Arme. Sie haben extra für die Aktion 72 Stunden ihre Werkstätten und Geschäfte geschlossen. “Es ist für eine gute Sache, da mache ich gerne mit”, sagt David Pulver von Philwans Cycling Shop.

 

Die Aktion “Rund ums Velo” hat die ökumenische Jugendarbeit Echo in Zusammenarbeit mit der Jugendfachstelle Aaretal organisiert. Die Idee stammt von Ursina Meier, die bei Echo schon verschiedene Projekte realisiert hat. Sie selbst ist nach eigener Aussage passionierte Velofahrerin.

 

Velos für Afrika

Wer sein Velo weder reparieren noch dekorieren möchte, kann es auch für einen guten Zweck spenden. Über das Hilfswerk “Velos für Afrika” werden alte Fahrräder, die nicht mehr gebraucht werden, aufbereitet und nach Afrika verschifft. Dort wird ihnen in lokalen Werkstätten der letzte Schliff verpasst, was wiederum neue Arbeitsplätze schafft. Zu sehr günstigen Preisen werden die Fahrräder dann an die Bevölkerung verkauft.

 

Die fünfzehnjährige Vicky Mäder nimmt die Spenden vor dem Lastwagen entgegen und trägt die Anzahl fein säuberlich auf einem Velo-Barometer ein. Der Stand um vier Uhr nachmittags: 91 Velos für Afrika. “Das ist genial!«” freut sich Vicky.

 

Kunst und Spezialwünsche

An einem anderen Stand sprühen die Funken. Ein junger Mann schweisst zwei Fahrradrahmen aneinander. Hier geht es allerdings nicht darum, ein beziehungsweise zwei Fahrräder zu reparieren, nein, hier entsteht Kunst. “Das gibt einen Schmetterling”, erklärt Beat Baumgartner. Erst 21 Jahre jung, leitet er bereits sein eigenes Unternehmen. Er fertigt unter anderem spezielle Rahmen ganz nach den Wünschen der Kunden an. Zwei Modelle hat Baumgartner in Münsingen ausgestellt. “Hier hat sich der Kunde einen Bieröffner gewünscht”, erzählt er, während er auf einen im Velorahmen integrierten Flaschenöffner zeigt.

 

Sonntag ist Velo-Event-Tag

Selber ausprobieren können die Kinder und Jugendlichen am Sonntag die Cruiser, Fixies, Ritschkas und anderen Spezialvelos, die sie geflickt und aufbereitet haben. Ausserdem findet ein “Alleycat” statt, ein Postenlauf auf dem Velo wie ihn normalerweise Fahrradkuriere bestreiten. Lukas Wille, Fahrradkurier in Bern, schreibt zusammen mit dem dreizehnjährigen Luca Belz und der siebzehnjährigen Celine Fässler gerade das Manifest, das die Aufträge für die Teilnehmer beinhaltet. Noch ist es aber streng geheim, damit alle die gleichen Chancen haben, wenn es losgeht.