The new wave of folk metal

Schon früh abends konnte man in den Zügen Richtung Solothurn erste Fans mit Eluveitie Shirts ausmachen, so dass es auch nicht weiter überraschte, dass das Konzert in der Kulturfabrik Kofmehl restlos ausverkauft war. 900 Fans wollten sich das Konzert nicht entgehen lassen und drehten regelrecht durch, als ihre Folk- / Pagen-Metal-Helden auf die Bühne traten und ihre Songs zum besten gaben.

 

Jeder ihrer Songs wurde vom Publikum lautstark mitgesungen und bejubelt. In der Mitte der Halle bildete sich ein Circle Pit und das grossartige Publikum drehte einmal mehr am Rad, als Eluveitie ihren Hit “Inis Mona” spielten. Bewundernswert war auch, wie Meri und vor allem Anna, die zwei Frauen der achtköpfigen Band, ihre Gesang-Parts exzellent umsetzten. Da störte auch fast nicht mehr, dass man die Tin Whistle Flöten nicht sehr gut hören konnte. Auch enthalten war ein Ausflug in die akustische Klangwelt der Band, wobei die Zuschauer überhaupt nicht weniger abgingen. Nach über 90 Minuten gnadenloser, authentischer, einzigartiger, traditioneller keltischer Folklore, die mit modernem Melodic Death Metal geschickt kombiniert wurde, gab es für die Zuschauer kein Halten mehr, als die Band Eluveitie von der Bühne trat.

 

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Goldene Rose des Fernsehens

Das internationale Festival “Rose d’Or” in Luzern ist eines der bekanntesten Festivals der Fernsehunterhaltung. Hier werden die neuesten Medienformate präsentiert, was der Anregung, der Inspiration oder dem Austausch dient. Die Teilnehmer finden hier Events, Workshops, Konferenzen und Netzwerkplattformen. Nicht nur die Medienschaffenden, auch die breite Öffentlichkeit sollen auf das Festival aufmerksam werden und die Möglichkeit haben, selber die interessanten Events zu besuchen oder an den Wettbewerben mitzumachen.

 

Contact is king

Sehr wichtig in der Fernsehbranche scheinen die Kontakte zu sein, genauer gesagt Kontaktdaten von Produktionsfirmen, Verleihfirmen, Sendern und Verkaufsgesellschaften. Am Rose d’Or wird nämlich unmittelbar entschieden, was künftig ins Fernsehen kommt: Welche TV-Programme könnten wo erfolgreich sein? Auf diesem Weg wurde auch die Erfolgsshow aus England “Who Wants To Be Milionaire” entdeckt. Eine Show, die in über 100 verschieden Ländern, unter anderem auch in Afghanistan, gesendet wird.

 

Wer wird also Millionär?

Mit dem Erfinder der erfolgreichen Quizshow David Briggs, dem Produzenten Colman Hutchinson im Publikum und dem berühmten TV-Moderator Chris Tarrant auf der Bühne wurde am Festival im Hotel Schweizerhof eine Spezial-Folge durchgeführt. Das Publikum war begeistert von der humorvollen Art des Moderators. Spielen durften an diesem Abend drei Schweizer Prominente: MTV-Schweiz-Musikchefin Jubaira Bachmann, “Arena”-Moderator Reto Brennwald und Magier Peter Marvey. In den zwei Spielrunden lagen insgesamt 150’000 Franken im Topf, gespendet von einem unbekannten Wohltäter. Die Gewinnsumme der beiden Spielrunden ging an die Stiftung MyHandicap, die behinderte Menschen unterstützt.

 

Besuch im Kiosk

In den sogenannten Kiosks konnte man die TV-Formate in elf verschiedenen Kategorien anschauen. Darunter befand sich auch die Kategorie “Children & Youth” für Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren und Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren: Non-Fiction-Programme mit professionell gestaltetem Inhalt und Stil, um junge Zuschauergruppen zu unterhalten, zu informieren und zu erreichen. Kinder-Programme, wie beispielsweise die lustige Sendung “Project Puppy” aus Italien von Zodiak Entertainment, bieten etwas Interessantes für Kinder und Eltern. Kinder stellen schliesslich oft unbequeme Fragen. Das wissen Eltern wohl am besten. In jeder Folge werden solche Fragen beantwortet und sowohl die Eltern als auch Kinder von den Experten unterhaltsam beraten.

 

And the winner is …

Am Mittwoch traf sich die Fernsehwelt auf dem roten Teppich im KKL-Luzern, um der Verleihung der prestigeträchtigen “Rose d’Or”-Awards beizuwohnen.

 

In der Kategorie “Children und Youth” ging “Rose d`Or” an die Sendung “Krimi.de Netzangriff” aus Deutschland. In dieser Sendung geht es um eine Schülerin, die mitten in der Pubertät steckt und dazu noch die Schule wechseln muss. Sie verliert auf einer Schul-Party nicht nur die Kontrolle sondern auch ihr Handy, was gravierende Folgen hat. Die Goldene Rose in dieser Kategorie übergab DJ Bobo. Durch den ganzen Abend mit Shows und Unterhaltung führten die RTL-Moderatorin Nazan Eckes und ihr britischer Kollege Ben Shepard.

 

Umdenken im Zelt

Wie auch zuvor schon gibt es im Zeltlager Wettkämpfe, aber nun immer in denselben Teams, in denen sich erneut Gewinner und Verlierer formieren. Nun wird der Akzent aber auf Teambildung gesetzt. Die Teilnehmer sollen verstehen, dass man zusammen in der Gruppe mehr erreicht, wenn jeder seine Kräfte gewinnbringend einsetzen kann. Ausserdem werden durch die neuen Gruppen Leute dazu gebracht, Dinge zu tun, die sie sonst nie versuchen würden. So schält eine Fünfundzwanzigjährige zum ersten Mal in ihrem Leben Karotten. Ihre Hände sind aufgrund celebraler Kinderlähmung etwas verformt, daher kann sie Karotte und Schälmesser nicht so halten, wie dies üblich ist, weswegen sie es niemals zuvor ausprobierte. In diesen Tagen aber fand sie aber eine andere Haltung, in der sie Karotten schälen kann, und tat dies mit grossem Stolz und viel Geschick.

 

Gemeinsam

Am letzten Abend dieser drei Tage in den Gruppen kommen die Teilnehmer doch noch auf die Idee, ihr Essen gemeinsam über einem grossen Feuer zuzubereiten und sich ihre Zutaten zu teilen. Dies machte viel Sinn, da es im lagerinternen Laden in guter alter sowjetischer Tradition nicht immer von allem genug für alle zu kaufen gab. Die Freude beim Leiterteam war jedenfalls riesig, das Abendprogramm, dass diesmal auch gruppenübergreifend vorbereitet wurde, war sehr amüsant und das anschliessende gemütliche Beieinander am Lagerfeuer entspannter denn je. Bis wir bemerkten, dass zwei junge, fast blinde Frauen schon seit gut drei Stunden verschwunden waren. Kurz nach dem Abendessen wurden sie das letzte Mal gesehen. Sie seien losgezogen, um Heidelbeeren zu pflücken. Der Adrenalinspiegel stieg nicht nur bei den Hauptverantwortlichen des Lagers rasant an, und alle verfügbaren Taschenlampen und Autos schwärmten aus, die Mädchen im finsteren Wald zu suchen. Das Flackern der Lichter und die Schreie nach den Verschwundenen liessen die Szenerie im besten Fall an einen düsteren Krimi erinnern, im schlechtesten an den Film “Blair Witch Project”. Während der fast zweistündigen Suche entstanden dementsprechend die wildesten Spekulationen über den Verbleib der beiden. Interessanterweise tauchten sie aber plötzlich wohlbehalten und unversehrt wieder beim Lagerplatz auf, und teilen mit, sie hätten beschlossen, nicht zu erzählen, wo sie so lange gewesen waren. Wir liessen sie in Ruhe mit ihren Freundinnen am Lagerfeuer sitzen, und hoffen, dass sie zumindest diesen erzählen würden, was los war, falls etwas passiert sein sollte.

 

Brisante Fragen

Nach dieser kurzen, aufregenden Nacht bricht der letzte Teil des Lagers an, in welchem das Miteinander im Vordergrund steht. Die Teilnehmer machen verschiedene Spiele, entspannen sich und ruhen sich aus. Das Essen wird wieder von uns zubereitet. Es bleibt trotzdem Zeit, ab und zu mal beim Programm mitzumachen oder sich mit den Teilnehmden im See abzukühlen. In diesen Tagen werden auch verschiedene Thesen diskutiert und Rollenspiele gemacht, die meistens um das Thema Behinderung kreisen. Soll man Abtreiben, wenn man erkennt, dass das Kind mit Behinderung auf die Welt kommt? Dürfen Behinderte Kinder haben? Und ist es tatsächlich als Strafe Gottes anzusehen, wenn ein behindertes Kind zur Welt kommt? Diese Ansicht ist tatsächlich besonders bei der älteren Generation in Belarus stark vertreten – was auch einiges erklärt in Bezug auf den Status von behinderten Menschen in der Gesellschaft. Aber auch andere brisante Themen werden diskutiert, wie die internationaler Politik der belarusischem Nationalismus, die vorhandene Homophobie und die generellere Intoleranz in Weissrussland.

 

Grenzen überwinden

Das Lager regte alle zum Nachdenken an. Die Teilnehmenden sind an ihre Grenzen gegangen und haben diese dabei teilweise auch etwas ausgedehnt. Viele der körperlichen Einschränkungen erwiesen sich mitunter auch als Einschränkungen, die in den Köpfen sitzen. Dies zu verstehen scheint mir in Belarus besonders wichtig. Denn hier werden Leute mit Behinderung nicht nur stärker marginalisiert als in der Schweiz, sondern auch viel mehr bevormundet, von Eltern, Verwandten und von anderen wohlmeinenden Helfern. Jedenfalls wird klar, dass Menschen mehr erreichen können, wenn sie an sich glauben.

 

 

Info


Das Camp “Round Lake” findet jedes Jahr statt, und wird bestimmt auch nächstes Jahr als SCI Workcamp ausgeschrieben. Mitmachen lohnt sich.

Die Autorin lebt und arbeitet für ein Jahr in Minsk, Belarus. Sie arbeitet als Langzeitfreiwillige im EVS (European Volunteer Service) bei einer regierungsunabhängigen Organisation für blinde Jugendliche. Dies konnte ermöglicht werden durch die Zusammenarbeit des SCI Schweiz und der New Group SCI Belarus und dank der Finanzierung durch Jugend in Aktion.

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Schlagzeile und Fertigsuppe

“129 Die In Jet”. Diese Worte in riesiger Schrift wecken die Aufmerksamkeit des Besuchers der Ausstellung “Andy Warhol. The Early Sixties”. Es ist der Ausschnitt eines Zeitungsartikels der New York Mirror vom 4. Juni 1962, der als Schlagzeile von einem Flugzeugabsturz eines Kunstvereins berichtete. Von Warhol stark vergrössert zur Kunst erhoben und somit zu einem gewissen Grad den Schrecken des Ereignisses entzogen, indem er das “Alltägliche” aus der Zeitung reflektiert und in einem neuen Kontext präsentiert. So dienten ihm Kreuzworträtsel, Werbeannoncen für eine Nasenoperation oder ein Fernseher für 199 Dollar als Vorlagen für die Bilder “Crossword Puzzle”, “Before and After” und “$199 Television”. Riesig im Vergleich zu den Originalen aus der Zeitung.

 

Noch mit Pinsel

Diese Originale sind ausgestellt und bilden zusammen mit den daraus hervorgegangenen Bildern die Brücke zwischen Massenmedien und Kunst. Oder war es nicht anders bei Warhol? Kunst ist ein Massenmedium? Zu Beginn nicht. Zwar war er als einer der wichtigsten Vertreter der Pop-Art zu Beginn in der Werbebranche tätig, machte Illustrationen für die Vogue oder andere Magazine, doch den Sprung zur anerkannten Kunst hatte er noch nicht geschafft.

 

In Basel sieht man den Prozess, wie Warhol die Verbindung zwischen Werbebranche und Kunstmarkt herstellte. Zuerst war das Logo der Firma Campbell, eine Dose mit Fertigsuppe. Davon machte der Künstler einige Schablonen und malte die Suppendosen 100 Mal auf eine grosse Leinwand. So machte Warhol schon 1962 aus einer Grafik das Kunstwerk “100 Campbell’s Soup Cans”. Anfänge zur Kunst als Massenmedium sind sichtbar, doch war in dieser Zeit noch ein Pinsel im Spiel.

 

In den Bildern “Do It Yourself” ist der Malprozess bewusst thematisiert. Die einzelnen Farben sind durch Nummern angegeben, eine Kopie der Idee eines Malkastens: Malen nach Zahlen. Ähnlich entstanden wohl auch die Porträts von Liz Tailor. Bei genauem Hinschauen sieht man die Bleistiftumrisse bei den knallrot ausgemalten Lippen und um den kräftigen Lidschatten. Erst dann hat er das Foto auf die Leinwand gedruckt.

 

2 x 5 Tote

Die Entdeckung des Siebdrucks war für Warhol wahrlich eine Revolution. Damit konnte er Fotografien direkt auf die Leinwand kopieren, immer wieder und immer in verschiedenen Farbtönen. Der Künstler überliess den Malprozess der Technik und betrachtete selbst, wie diese ab und zu Fehler machte. Trotz der seriellen Reproduktion, ist nämlich keines der 10 Bilder auf “Green Disaster #2” gleich wie ein anderes.

 

Spannend ist die Präsentation der originalen Agenturfotos von den Autounfällen. Und noch spannender ist es zu sehen, was Warhol in den Disaster-Series damit bewirken konnte. Man nimmt die Bilder ganz anders wahr, wenn man die Opfer zehnmal oder gar 68 Mal nebeneinander ausserhalb des Zeitungskontextes sieht. Der Weg zur Kunst als Massenmedium war geebnet, der von der berühmten “Factory” Warhols in den folgenden Jahren dann begangen wurde.

Die bekannten Ikonen der Pop-Art aber sind abwesend. Man sieht vielmehr, wie Warhol seinen eigenen Stil entwickeln konnte. Der Weg zur Kunst als Massenmedium. Eine lohnenswerte Ausstellung über einen Warhol, der die Vorbilder der Massen schon malte, selbst aber noch keines war.

 

 

Die Ausstellung


Andy Warhol. The Early Sixites, Kunstmuseum Basel, 5. September 2010 – 23. Januar 2011

 

Kuratoren: Bernhard Mendes Bürgi & Nina Zimmer

Bern sagt Ja zur “Halle” und hat eine neue Briefmarke

Ein Hallenbad oder ein Einkaufszentrum sollte auf dem Areal der heutigen Reitschule dereinst entstehen. Dies zumindest wollte die junge SVP mit der Initiative “Schliessung und Verkauf der Reitschule an den Meistbietenden” erreichen. Dass das Gebäude in der Berner Innenstadt unter Denkmalschutz steht, haben die Initianten um Erich Hess dabei nicht bedacht.

 

Mehr als zwei Drittel stimmten Nein

So weit liess es das Stadtberner Stimmvolk aber gar nicht erst kommen. 68,4 Prozent haben am Sonntag Nein gestimmt. Die Stimmbeteiligung lag mit 47,1 Prozent relativ hoch. Bis weit ins bürgerliche Lager hinein haben sich die Parteien hinter die Reitschule gestellt. Es war deshalb zu erwarten, dass die Initiative deutlich abgelehnt wird.

 

Die Stimmung auf dem Vorplatz der Reitschule war am Sonntagnachmittag entsprechend gelöst. Dieses Resultat sei “ein Stoss ans Schienbein der politischen Rechten” des Initiativkomitees, frohlockte etwa Tom Locher von der Mediengruppe der Reitschule. Und weiter: “Ein Nein zu dieser Initiative ist auch ein Ja zur Kultur”. Johannah Pärli vom Restaurant “Sous le Pont” war dennoch etwas enttäuscht: “Ich hätte schon auf mindestens 70 Prozent getippt”, sagte sie. Die Selbstverständlichkeit, mit welchem die Reitschülerinnen und Reitschüler das Nein zur Kenntnis nehmen, zeigt auf, wie sehr sie an ihren Sieg geglaubt haben.

 

Reitschule salonfähig?

Ein Grossteil der Kulturschaffenden hat sich für die Reitschule eingesetzt. Tomazobi, Pedro Lenz und Kutti MC sind nur drei Namen unter den vielen Musikern, die einen Track zur CD “Reitschule beatet mehr” beigesteuert haben. Und Rapper Müslüm hat mit seinem Song “Erich, warum bisch du nid ehrlich” bewiesen, dass die Reitschule mit viel kreativer Energie nicht bloss die Herzen der Reitschulbesucher, sondern auch die Hitparade erstürmen kann.

 

Tatsache ist auch, dass ein Grossteil der Berner Jugend viel Freizeit in der “Halle”, wie das Gebäude umgangssprachlich genannt wird, verbringt. Es sind nicht mehr nur die linken Querulanten und Weltverbesserer der 80er-Jahre, die in der Reitschule ein- und ausgehen. Der Dachstock ist heute eines der beliebtesten Konzertlokale der Stadt.

 

Gewitzter Abstimmungskampf

Dem Komitee ist es gelungen, mit einem gewitzten Abstimmungskampf der Bevölkerung den Wert der Reitschule darzulegen. Mit dem Slogan “Preis: 1x Nein” und extra angefertigten Briefmarken für die briefliche Stimmabgabe wurde gerade jener Generation der Urnengang nahegelegt, die zwar gerne Kultur konsumiert, jedoch nicht gerade für grosses Interesse an der Politik bekannt ist.

 

Pressesprecher Tom Locher betonte nach Bekanntgabe des Resultats am Sonntag, dass man für den Abstimmungskampf “keinen Rappen” Subventionsgelder verwendet habe. Man habe die benötigte Summe unter anderem aus dem Erlös der verkauften Abstimmungs-CDs gewonnen.

 

Fünftes Vertrauensvotum

Nach dem vergangenen Wochenende ist klar: Die Bevölkerung hat der Reitschule erneut ihr Vertrauen bewiesen. Der Slogan “Die Reitschule gehört eben auch zu Bern” hat sich nach der fünften Abstimmung einmal mehr als wahr herausgestellt.

 

In der Reitschule bleibt also vorerst alles beim Alten. Neu gestaltet werden soll hingegen bald das Areal Schützenmatte. Im Gespräch sind etwa Überbauungen des Parkplatzes und des Eilgutbahnhofs mit Universitätsgebäuden. Zudem soll die Beleuchtung des Areals optimiert werden. Klar ist: Weder ein Einkaufszentrum, noch ein Hallenbad wird auf dem Gelände entstehen.

Comment on reconnait les vrais parisiens?

La parisienne

Folgende Merkmale oder Verhaltensweisen weist sie auf:

Sie raucht. Und zwar hat sie entweder die Zigarrette erschnorrt: “Vous avez une cigarette pour moi?”, oder aber jemand um Feuer gebeten.

Sie trägt zwei Baguettes unter dem Arm, wobei eines bereits angeknabbert ist.

Sie arbeitet von 11 bis 18 Uhr, unterbrochen von mehreren Rauch-Kaffee-Telefonpausen.

Sie kennt sämtliche Metrolinien und Metrostationen auswendig, und weiss wann der letzte Zug auf jeder Linie fährt! Die sportlichere Variante kann von jedem beliebigen Standpunkt aus die nächste Velibstation (Veloverleih) orten und weiss, um welche Zeit man wo leere Stationen vorfindet.

Mindestens die Hälfte des Lohnes gibt sie für ihre Miete aus, den Rest für Zigaretten, Cafés, Schuhe und Kleider.

Sie scheint die Bedeutung von Ampeln vergessen zu haben und wirft den hupenden Autofahrern einen bösen, herablassenden Blick zu, wenn sie die Strasse bei rot überquert.

Sie geht geschwind und spricht dabei geschäftig ins Telefon: “Oui oui, j’arrive! Pas de soucis. Bisous.”

Es gelingt ihr (auch mit wenig Geld) immer so auszusehen, als sei sie der neuesten Vogue entsprungen.

An freien Tagen pilgert sie von Café zu Café, liest da ein Buch oder telefoniert mit Freunden.

 

Le parisien

Dieses Verhalten zeichnet ihn aus:

 

Er raucht. (und offeriert den hübschen Filles auch gern eine Zigarette)

Er rast mit einem lauten Motorrad durch die Strassen. Das Telefon hat er zwischen Wange und Helm eingeklemmt und schreit rein, um den Autolärm zu übertönen.

Er weiss, um welche Zeit und auf welchem Boulevard der Verkehr stockt und plant so geschickt seine Route.

Gibt mindestens die Hälfte seines Lohnes für die Miete aus, den Rest investiert er in Zigaretten, Wein, Käse und Benzin fürs Moped.

Er begrüsst auch seine männlichen Kollegen mit zwei Wangenküssen.

Um fit zu bleiben, geht er in den Club Med (Fitnesscenter) oder im Park joggen, natürlich mit chicem Outfit.

Er sieht immer so aus, als sei er der neuesten Vogue entsprungen. (Ob Verdienst seiner Frau/Freundin oder nicht, wer weiss?)

An freien Tagen pilgert er von Bar zu Bar und trinkt „eineken“ (Heineken), mit dabei: die Tagespresse.

Er liebt es, Checks auszufüllen und tut dies bei jeder Gelegenheit für noch so jede kleine Summe.

 

Die Verfasserin lehnt jegliche Haftungen ab, sollte eine Person, die eines der obenstehenden Merkmale aufweist, trotz allem Tourist sein.

Que Serra

Richard Serras Geschichte in Basel fing schon lange vor Intersection an, er war Teil der Basler Kulturlandschaft. Der US-amerikanische Künstler und Vertreter der postminimalistischen Kunstrichtung hielt 1973 Einzug mit einer Ausstellung im Kunstmuseum: “Diagrams & Drawings” zeigte Zeichnungen von dreidimensional arbeitenden Künstlern aus den USA.

 

1980 war es Serra, der für die weitläufige Gartenanlage im Wenkenpark in Riehen die Stahlquader aufstellte (“Open Field Vertical/Horizontal Elevations”, 1979/80). Im selben Jahr war das Werk “Inverted House Of Cards” als Neuerwerbung im Museum für Gegenwartskunst Basel zu betrachten. Mit Intersection kam am 5. Juni 1992 die Entwicklungsgeschichte Serras in Basel dann zu einem Ende. Und war gleichzeitig der Anfang eines Streits, der Basels Kulturgeschichte prägen sollte.

 

Kreuzung ohne Verkehrssignale

Installiert wurde Intersection 1982 vorerst provisorisch im Rahmen der Ausstellung “transForm” des Kunstmuseums und der Kunsthalle Basel. Thema war die wortsspezifische Skulptur im öffentlichen Raum. Noch während der Ausstellung bildete sich ein Komitee um das Kunstwerk von Serra. Der Architekt des Theatergebäudes, Rolf Gutmann, der Konservator des Kunstmuseums Luzern, Martin Schwander, und der Basler Anwalt Hans Furer setzten sich für die Erhaltung von Intersection auf dem Theaterplatz ein.

 

Intersection wurde seinem Namen gerecht: Verzweigung. Wie eine Verzweigung dreier Strassen war Intersection der Kreuzungspunkt des Serra-Komitees aus der einen, der Gegner aus der anderen und der kompromissbereiten, schlichtenden Position aus der dritten Richtung. Doch offenbar kam es aufgrund fehlender “Verkehrssignale”, sprich mangelhafter Kommunikation und zu wenig Diskussionsregeln, zu einer “Kollision”, die in den 90er Jahren einen regelrechten Kulturstreit auslöste.

 

Wann ist Kunst Kunst im öffentlichen Raum?

Die Gegner des “Horrorgebildes” oder “Gusseisenmonsters” befürchteten, dass sich Intersection als Treffpunkt von Stadtstreichern, Drogendealern oder als Hinterhalt von Taschendieben etablieren könnte. Auch das berüchtigte Pissoir für Betrunkene und die Angst vor Sprayern standen bereits damals auf der Sorgenliste. Ausserdem betrug der Ankaufspreis knapp eine Million Franken. Geld, das man nach Meinung der Gegner für sinnvollere Dinge als für jenen “Schrotthaufen” aus 80 Tonnen Stahl ausgeben hätte können.

 

Während das Komitee langsam seine finanzielle Situation aufbesserte, tobte der verbale Kampf zwischen Befürwortern und Gegnern der Skulptur. Das Plädoyer des Initiators Hans Furer war schliesslich der Funken, der das Feuer in einen kulturellen Grossbrand verwandelte. Furer fand, der durch Sponsoren finanzierte Betrag sei keine demokratische Frage, der Ankauf bedürfe deshalb keiner Abstimmung.

 

Die Frage, inwiefern Kunst im öffentlichen Raum notwendig und sinnvoll sei, war der Kernpunkt der Diskussion, neben gegenseitig persönlichen Angriffen der Protagonisten. Doch aller Effort, die definitive Installation zu verhindern, scheiterte an der bürgerlichen Kunst-Entschlossenheit. So gelang es dem Komitee, über viele kleine Beiträge die Skulptur zu erwerben. Am 17. Mai 1994 wurde Intersection der Stadt Basel als Schenkung von 272 Personen zuhanden der öffentlichen Kunstsammlung überreicht.

 

“S’kunnt wie’s kunnt“

Am 17. September 1994 wurde Richard Serras Skulptur schliesslich eingeweiht und als neuer Teil der Basler Kulturlandschaft gefeiert. Allerdings, wie es die Basellandschaftliche Zeitung zwei Tage nach der Einweihung verlauten liess, war es “vor allem der Basler Kulturkuchen, der feierte. Das Volk aber blieb weg.” Kunst für die Kulturgesellschaft, aber nicht für das Volk, das den Stahl von da an täglich zu Gesicht bekam.

 

Vielleicht rührt auch daher noch der Umstand, dass heute beim Durchschreiten der Seitengässchen durch die Stahlplatten stets der Geruch von Urin in die Nase steigt. Doch entsprechend dem Motto der Basler Fasnacht von 1994: “S’kunnt wie’s kunnt”. Oder eben: “Que Serra.”

Am kleinsten Ende der Schweiz

Die Wolken hängen tief über dem Staudamm, und ein dünner Regenteppich empfängt den Mini der SAMovie-Crew im Verzascatal. Kurve um Kurve arbeitet sich der Wagen die feuchte Strasse empor, weg von der Magadinoebene, weg von Breitbandinternet, hin zu den Steinhäusern von Corippo. Dort soll nämlich der nächste Dreh für den Spielfilm “risik.o.” stattfinden.

 

Der Schauplatz könnte nicht schöner gelegen sein: Wer den Verzasca-Staudamm betritt, sieht das Dorf über See und Tal thronen, weit weg von jeglicher Infrastruktur. Die einzige Strasse in die kleinste Gemeinde der Schweiz ist denn auch eine kurvige, einspurige Sackgasse. Zum Glück hält sich dort der Gegenverkehr in Grenzen.

 

Corippo im Ausnahmezustand

Mit der Ruhe und Beschaulichkeit im Tessiner Dörfchen ist es aber vorläufig vorbei: Das Filmteam plant eine nächtliche Polizeiaktion auf dem Dorfplatz. Eine flüchtige Verbrecherin soll überrascht und festgenommen werden. Kurzfristig hat sich die Einwohnerzahl beinahe verdoppelt. Die Leute sind aber informiert: Anstatt eine Bewilligung einzuholen, hat das Team einfach allen sechzehn Bewohnern einen Besuch abgestattet und ihnen das Vorhaben erklärt. In Corippo geht das doch etwas einfacher als in Venedig.

 

Zwanzig Uhr. Die Dunkelheit hat sich langsam ins Tal geschlichen, Fledermäuse schwirren durch die Nacht. Die letzten Lichter im Dorf spiegeln sich in den Pfützen auf dem Dorfplatz: Nur weil man die Wolken nicht mehr sieht, heisst das nicht, dass sie nichts mehr hergeben. Team und Technik macht das nichts aus. Man hat bislang immer Glück gehabt mit dem Wetter, da kann ein bisschen Wasser nicht schaden.

 

Tenü korrekt?

“risik.o.” soll schliesslich auch kein Schönwetterfilm werden. Das zeigt sich an der Akribie, mit welcher der Polizeieinsatz vorbereitet wird: Die Schauspieler üben Handgriffe, Kommandos und Positionen. Ein Profi aus dem Sicherheitsbereich überprüft die Tenüs seiner Polizisten und erklärt, wie sie die Strassen und Fluchtwege absichern müssen. Obwohl die meisten der siebenköpfigen Einheit keine Erfahrung in diesem Bereich haben, geht der Dreh dann schnell und speditiv über die Bühne.

 

Eine letzte Einstellung, wie die Formation die Treppe hinuntereilt, und die Sache ist im Kasten. Feierabend. Während die einen direkt zurück in den Norden fahren, bleiben die anderen über Nacht in Corippo und arbeiten an Film, Fotos und Homepage weiter. Das Team hat sich schliesslich einen ehrgeizigen Terminplan gesetzt: Ende Januar soll alles aufgenommen sein, im Februar könnte dann bereits die Premiere anstehen. Doch rund ein Viertel der Aufnahmen stehen noch bevor. Nach dem Dreh ist also vor dem Dreh. Bereits ist die Filmkarawane weiter nach Winterthur ins Sulzerareal gereist, um ein paar Dinge und Menschen anzuzünden und zu filmen. Das Stunt-Team ist bereit. Hoffentlich regnet es nicht!

Schweiz-EU: Eine unendliche Geschichte

Europa herausfordern, das war das Ziel der 24 Studentinnen und Studenten, die Mitte September mit der Jugendorganisation Young European Swiss nach Brüssel reisten, in die “Hauptstadt Europas”. Sechs Tage lang nahmen sie die Europapolitik unter die Lupe, darunter vor allem die Beziehung der Schweiz zur EU. Auch die Teilnahme an einem Hearing im Europaparlament gehörte zum Programm, wo sie sich verschiedene Meinungen anhören konnten. Auch der Vizepräsident der Europäischen Kommission, MaroŠ¡ Š efčovič, war anwesend.

 

In der Schweizer Mission lauschten die Studierenden ausserdem Referaten von Europa-Politikern und diskutierten anschliessend darüber. “Man spürt eine Verhärtung seitens der EU, sie blockiert”, erklärte Jacques de Watteville, Botschafter der Schweiz und Leiter der Schweizer Mission in Brüssel. In seinem Referat legte er die aktuelle Beziehung der Schweiz zur EU dar. Der EU-Präsident solle Leuthard klar gemacht haben, dass die EU im Hinblick auf die Schweiz “keine pragmatischen Lösungen mehr akzeptiert”.

 

Kein EU-Menü

“Die EU offeriert der Schweiz kein Menü, aus dem sie auswählen kann”, unterstrich auch Gianluca Grippa, der in der Generaldirektion Aussenbeziehungen die Abteilung “Westeuropa (nicht-EU)” leitet. Das Motiv für einen Eintritt der Schweiz in die EU sehe er vor allem in der Möglichkeit, nicht nur Regelungen der EU zu übernehmen, sondern diese selber mitbestimmen zu können. “Allerdings wird dieses Thema in der Schweizer Bevölkerung sehr emotional diskutiert”, sagte Grippa, während Firmen und Unternehmen sich nicht einmal Gedanken zur EU-Frage machen würden, weil ein baldiger Eintritt “einfach nicht realistisch” sei. Grippa plädierte vor allem dafür, die Schweizer Bürgerinnen und Bürger umfassender über die EU zu informieren.

 

Rote Karte für “Franzl-Christoph Blacher”

Geduldig zuhören war eine der Hauptherausforderungen der Young European Swiss Delegierten. Selber mitdiskutieren konnten sie jedoch nicht nur in den Pausen, sondern auch in regelmässigen Workshops. Über die Demokratie in Europa, den Euro und die Schweiz, die Identität Europas oder die Zukunft der Europäischen Union tauschten sich die Studierenden in vier Arbeitsgruppen rege aus.

 

Um die gewonnenen Erkenntnisse auch praktisch umzusetzen, veranstalteten sie am letzten Tag der Brüsselreise eine unterhaltsame politische Diskussion in Form einer “Arena”-Simulation. Jeder Teilnehmer vertrat die Ansichten eines (mehr oder weniger) realen Repräsentanten einer EU-Partei. Doch wie spielt man einen strikten EU-Gegner oder einen eifrigen EU-Befürworter? In der Vorbereitungszeit halfen neutrale Fakten zur Person und zum Thema, aber auch sehr kreative Informationen, sich in die entsprechende Rolle zu versetzen. In der “Arena” versuchten die Diskutierenden, mit verbalen und nonverbalen Mitteln den Gegner zu überzeugen. Zu diesen Mitteln gehörten nicht immer politisch korrekte Ausrufe aber auch erzürnte Faustschläge auf den Tisch. Ein gewisser Herr “Franzl-Christoph Blacher” wurde darob sogar von zwei internen “Sicherheitsleuten” von der Diskussion ausgeschlossen.

 

Europapolitik hautnah

Nach der intensiven Woche in Brüssel wissen die jungen Schnupper-Politiker nun einiges mehr über Europapolitik. Nicht nur für Masterstudenten sondern auch für Zweisemestrige ohne fundierte Kenntnisse der Europapolitik ist das Projekt Challenge Europe “sehr interessant und lehrreich”, wie Simon Reber sagt. Für ihn, den Hauptorganisatoren des Projektes und Vorstandsmitglied der Young European Swiss, ist die Veranstaltung ein Erfolg. “Das Projekt ermöglichte den Teilnehmenden, einen Blick ‘hinter die Kulissen’ der Europäischen Union zu werfen und sich in Brüssel hautnah mit dem Thema der Europäischen Integration und der schweizerischen Europapolitik auseinanderzusetzen”, so Reber.

 

Vier parlamentarische Vorstösse haben die Studenten in den Workshops erarbeitet. Diesen Samstag werden die Resultate an einer Schlusskonferenz in Bern präsentiert. “Die Yes verfügt über einige gute Kontakte zu Parlamentarierinnen und Parlamentariern”, sagt Simon Reber und hofft, dass es auf diesem Weg gelingt, einen Vorstoss im Parlament einzureichen. Laut Reber würden damit die Teilnehmenden des Challenge Europe im Endeffekt einen konkreten Beitrag zur Weiterentwicklung der schweizerischen Europapolitik leisten.

 

Worum geht es in den erarbeiteten Vorstössen? Und wie geht es weiter mit der Schweiz und der EU? Mehr dazu am 5. Oktober auf Tink.ch.

 

 

Challenge Europe


Challenge Europe ist ein Projekt der Young European Swiss (YES) für 18 bis 29-jährige Politinteressierte aus der ganzen Schweiz. Zur Vorbereitung treffen sich die Teilnehmer zuerst in verschiedenen regionalen, dann in einem gemeinsamen nationalen Seminar. Schliesslich geht es für eine Woche nach Brüssel in die Schweizer Mission und ins Europaparlament, wo über die EU diskutiert und informiert wird. Die Beziehungen der Schweiz zur EU stehen dabei besonders im Rampenlicht.