Gesellschaft | 02.08.2010

Untouristisches Reisen in aller Welt

Text von Eva Hirschi
Couchsurfing bedeutet kultureller Austausch, neue Freundschaften und untouristische Aktivitäten. Zum Beispiel mexikanisches Kochen um Mitternacht, Instrumente bauen mit anschliessendem Konzert im Kunstmuseum, eine Motorradtour um zwei Uhr morgens und Petflaschen sammeln am Strand.
Die Unterkünfte sind bescheiden, dafür die Gastgeber umso freundlicher. Fotos: Eva Hirschi

Getan haben es wohl die meisten unter uns schon einmal: Couch gesurft, also eine Nacht bei einem Freund auf der Couch verbracht. Doch wer hat schon mal bei jemandem übernachtet, den er gar nicht kannte? Und dies womöglich noch dazu in einem fremden Land?

 

Kultureller Austausch

Das Prinzip der internationalen Couchsurfing Gemeinschaft ist einfach: Wer Platz für einen Gast hat und neue Leute und Kulturen kennen lernen möchte, kann sich als Gastgeber anbieten. Gleichzeitig können Reisende auf diese Weise nicht nur das Land sondern auch ihre Bewohner besser kennen lernen und sie haben einen Schlafplatz. So können Gastgeber, die sogenannten Hosts, Menschen aus der ganzen Welt kennen lernen, ohne das Haus zu verlassen. Die Sufer können dafür am lokalen Leben teilnehmen und Plätze der Stadt sehen, die den normalen Touristen verborgen bleiben. Denn schliesslich wissen die Einheimischen am besten, was man in ihrer Stadt alles erleben sollte.

 

Über eine Million Mitglieder

Auf der Internetplattform der Couchsurfing Community kann man sich ein Profil erstellen, auf welches Angaben zu sich selbst, der verfügbaren Couch sowie Fotos hochgeladen werden können. Ausserdem hat man so Zugang zur Couch-Suchmaschine, mit welcher man über 650’000 Schlafplätze ausmachen kann. Hat man seinen Zielort gefunden, kann man den Einheimischen eine Anfrage schicken und durch Nachrichten das Treffen und den Aufenthalt beim künftigen Gastgeber planen.

 

Couchsurfing ist ein internationales non-profit Netzwerk, das Reisende mit Einheimischen in über 230 Ländern in der ganzen Welt verbindet. Seit 2004 treffen die verschiedensten Menschen aufeinander, lernen neue Kulturen kennen und werden manchmal sogar beste Freunde. Heute ermöglicht es über einer Million Menschen, die sich womöglich niemals getroffen hätten, Gastfreundschaft und kulturelles Verständnis zu erfahren und zu teilen.

 

Was ist mit der Sicherheit?

Viele Menschen, die zum ersten Mal von Couchsurfing hören, sind bei der Idee, sich mit einem Fremden zu treffen, um ihre Sicherheit besorgt. Durch das Profil auf der Community kann man jedoch bereits im Vorfeld eine Menge über die andere Person erfahren. Man sieht, was ihre Interessen und Perspektiven sind, mit welchen Menschen sie befreundet ist, wie gut sie sich kennen und was für Referenzen sie hat.

 

Einerseits können Mitglieder anderen Couchsurfern einen Kommentar hinterlassen, in welchem sie von ihrer Erfahrung mit dieser Person berichten. Diese Referenz kann weder gelöscht noch verändert werden und ist somit eine wichtige Hilfe bei der Wahl eines Gastgebers oder eines Gastes. Andererseits kann man seine Identität nachweisen lassen, indem man der Couchsurf Organisation als Spende einen beliebig hohen Betrag mittels Kreditkarte überweist. In einem nächsten Schritt wird von Couchsurfing eine Postkarte an die angegebene Adresse geschickt, auf welcher ein Code enthalten ist. Der Couchsurfer gibt den Code auf seinem Profil ein und erhält dann den Status “Identität und Wohnort überprüft”.

 

Für eine bessere Welt

Die Couchsurfing Community ist gemeinnützig. Ihr Ziel deklarieren sie auf ihrer Homepage folgendermassen: “Wir visieren eine Welt, in welcher jede und jeder bedeutungsvolle Beziehungen zu den Menschen und Plätzen, die uns umgeben, entdecken und kreieren kann. Bedeutsame Beziehungen durch verschiedene Kulturen hinweg zu binden erlaubt uns, der Vielfältigkeit mit Neugierde, Wertschätzung und Respekt zu antworten. Die Wertschätzung der Vielfältigkeit zeugt Toleranz und bildet eine globale Gemeinschaft.” Seit 2004 wurden über 5’347’125 positive Couchsurfing Erlebnisse erfasst, was rund 99.79 Prozent aller Erfahrungen der Mitglieder ausmacht. Über 1.9 Millionen neue Freundschaften wurden erschaffen und über 120’000 davon werden sogar als enge Freundschaften bezeichnet. Somit ergeben sich zahlreiche internationale Freundschaften und die Welt scheint ein bisschen kleiner.

 


Die Tink.ch-Reporterin Eva Hirschi surfte auf Couchs durch den Westen von Amerika. In der nächsten Woche folgt ein Interview mit einer ihrer Gastgeberinnen. Mehr Informationen zur CouchSurfing Community gibts auf www.couchsurfing.org

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