Gesellschaft | 30.08.2010

Sonne, italienisches Gesülze und Jazz

Erstaunlich, was meine Tasche über mich verrät! Bei den meisten Dingen lagen die zwei Autoren goldrichtig.
Die Ausrüstung für einen Bade-Nachmittag und eine Jazztanzstunde.
Bild: Seraina Manser Geräumig, aber manchmal etwas instabil. Dennoch begleitet diese Tasche ihre Besitzerin auf Schritt und Tritt. Seraina mit ihrem ständigen Begleiter, hier in Paris vor ihrem temporären Zuhause.

Es ist ein Sommernachmittag ganz nach meinem Gusto: angenehme 30 Grad, strahlendblauer Himmel. Zuerst ein wenig sonnen, schwimmen und entspannen in den Drei Weihern, bevor es dann abends weiter ins Jazztanztraining geht. In meiner geräumigen Lacktasche befindet sich alles für einen gelungen Nachmittag.

 

Schnell ist die Tasche gepackt. Die Badehose habe ich schon an, also nur noch schnell ein Badetuch, meine Tanzschuhe und meine knallpinken Tanzhosen, die gerade genug grell für das schweisstreibende und auf keinen Fall gemütliche Jazztanzen sind, in die Tasche geschmissen.

 

Die Grundausstattung bestehend aus Portemonnaie, Schlüssel, Notizbüchlein, Nastücher und Wasserflasche, befindet sich immer in der Tasche. Je nach Saison variiert die Zusatzausstattung, im Sommer sind Sonnencreme und Sonnenbrille unverzichtbar, letztere übrigens für fünf Euro auf einem italienischen Mercato erstanden, im Winter eher Handschuhe und Kappe.

 

Auf dem St.Georgenberg, wo die drei Weihern liegen, angekommen, lege ich mich zuerst ein wenig hin und beginne, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, im Buch für die Italienisch-Matura zu lesen. Cesares Pavese «La bella estate« passt perfekt in meine momentane Sommerstimmung. Leider bin ich der italienischen Sprache nicht 100-prozentig mächtig und so bin ich nach wenigen Seiten italienischem Gesülze schon erschöpft.

 

Wie bestellt, sehe ich da meinen Kollegen über die Liegewiese laufen; suchend den Kopf nach links und rechts drehend. «Huhu!«, gerufen, schlägt er den Weg in meine Richtung ein. Da wir beide erhitzt sind, machen wir uns auf zum kühlen Nass, natürlich nicht bevor wir einen vertrauenswürdigen Tüchlinachbarn gebeten haben, auf unsere Dinge aufzupassen.

 

Vor allem der ipod und mein Portemonnaie mit den zahlreichen Visitenkärtchen, aber leider keinem Passföteli, möchte ich an keinen Dieb verlieren. Von hohem persönlichen Wert ist das schwarze Moleskinbüchlein, in dem ich all meine Ideen notiere. Die Zahnpasta und Zahnbürste könnte er gerne mitnehmen: die Tube ist schon fast leer und die Bürste abgenutzt. Die zwei Dinge befinden sich nur für einen dentalhygenischen Notfall in meiner Tasche.

 

Gegen 19 Uhr mache ich mich mit den weissen «Kultstöpseln« im Ohr auf ins Jazztanzen, nach einer Stunde eindehnen, Choreos lernen und stretchen bin ich bereit für die Dusche. Zum Glück hat meine Kollegin ihr Shampoo nicht auch vergessen.

 

Erschöpft, aber glücklich krame ich dann den Schlüsselbund aus meiner Tasche. Der grosse altmodische Schlüssel ist eher lästig als interessant, er öffnet mir die Haustüre, sollte diese denn geschlossen sein.

 

Diese Tasche begleitet mich seit Weihnachten 2009 auf Schritt und Tritt. Chices Aussehen und trotzdem viel Platz: nur die Stabilität lässt zu wünschen übrig, musste ich sie doch schon zwei Mal flicken – oder ist sie einfach nicht für mein Nutzen konzipiert? In Paris jedenfalls erfüllt sie ihren Zweck, auch wenn ich einen Weiher – geschweige denn drei – lange suchen muss…