Kultur | 23.08.2010

“Songs können anders atmen”

Tink.ch traf Jean-Michel Tourette von Wir Sind Helden am Openair Gampel und sprach mit ihm über Metronome, Sprachkenntnisse und ihr Heldentum.
Wäre gerne ein tasmanischer Nacktnasenwombat.
Bild: Fabian Küng Berge, Bühne, Zelte und ganz klein der Zeichner.

Wieso dauerte es so lange bis das neue Album fertig war?

Jean-Michel Tourette: Nach dem letzten Konzert 2008 haben wir ein halbes Jahr Bandpause gemacht. Wir haben uns komplett anderen Projekten gewidmet. All die Dinge, die einfach über die Jahre liegen geblieben sind. In dieser Zeit sind auch noch zwei Kinder auf die Welt gekommen. Danach haben wir sehr langsam wieder angefangen, Songs zu schreiben. Haben Dinge ausprobiert, viel im Proberaum gejammt, bevor wir uns wieder sehr konkret Richtung Album orientiert haben.

 

 

Das neue Album klingt wärmer, organischer, beinhaltet mehr Live-Elemente. Ist das bewusst? Was habt ihr beim neuen Album anders gemacht?

Wir haben das Album komplett live eingespielt. Live im Sinne von ohne Metronom. Für uns war das vorher ein komplettes No-Go, wir wussten nicht mal, dass so etwas überhaupt erlaubt ist. Das hat dann dazu geführt, dass wir ziemlich schnell gemerkt haben, dass die Songs ganz anders atmen können und viel variabler sind im Tempo. Darum haben wir viele Basictracks so belassen und nichts mehr verändert oder hinzugefügt. Bei diesem Album haben wir auch mit vielen neuen Instrumenten gearbeitet, wie zum Beispiel einem Cello, einer Mandoline oder einem Banjo, statt diese Instrumente elektronisch vom Computer rein zu holen.

 

Beim neuen Album hattet ihr einen englischsprachigen Produzenten, gab es Sprachmissverständnisse?

Ne, das war kein Problem. Wir sind der englischen Sprache alle ganz gut mächtig und brauchten deshalb auch keinen Dolmetscher. Bei der Musik hat man halt immer sehr spezielle Adjektive, die eh schon in einer Art Musikergeheimsprache sind. Wir sagen zum Beispiel sehr oft “bröckelich” und meinen damit eigentlich eher zerbrechlich, dass Dinge auch mal auseinander fallen können. Dieses Wort gibt’s halt nicht im Englischen, darum nannten wir es einfach “brocken”, was nicht genau das trifft, was wir meinen. Diese Adjektive zu finden, war halt nicht ganz so leicht, nach einer Woche wussten wir aber genau, mit welchen Adjektiven unser Produzent arbeitet und er verstand auch uns.

 

Wieso heisst das neue Album “Bring mich nach Hause”?

Zunächst heisst ein Song auf dem Album so, der für uns ein ziemliches Herzstück des Albums ist. Wir hatten das Gefühl, dass dieser Titel das Album in seiner weiten Spanne sehr gut trifft. Die Songs auf dem Album haben alle irgendwie etwas gemeinsam. Und zwar die Verlorenheit, irgendwo draussen zu sein, und ein Bedürfnis, irgendwo anzukommen. Und das ist halt das Zuhause. Das Wort Sehnsucht trifft’s sehr gut.

 

Warum heisst ihr eigentlich “Wir sind Helden”? Seid ihr Helden?

Nein, Helden sind wir bestimmt nicht. Diesen Begriff Helden haben wir uns damals gekapert, weil es uns genervt hat, wie oft dieses Wort Helden im Sprachgebrauch vorkam und alles und jeder als Held bezeichnet wurde. Wir wollten das Wort ironisieren. Doch damals dachten wir natürlich noch nicht, dass wir mal so viel Erfolg haben werden.

 

Hattest du mal ein peinliches Erlebnis auf der Bühne?

Eines? Mir sind sehr oft die Hosen gerissen, als ich vom Drum runtergesprungen bin. Einmal stand ich fünf Minuten lang mit dem Hintern zum Publikum gerichtet und musste das ganze Keyboard neu verkabeln, weil etwas nicht mehr funktionierte – und das mit zerrissener Hose. Was mir sehr unangenehm ist, ist, dass meine Brille immer runter rutscht, weil ich so sehr schwitze und ich sie wieder auf die Nase drücken muss. Auf der Bühne passieren eigentlich andauernd irgendwelche Peinlichkeiten.

 

 

Jetzt geben wir euch noch ein paar Stichworte und ihr sagt einfach spontan, was euch dazu einfällt.

 

Lieblingszimmer:

Wohnzimmer.

 

Lieblingswort:

Liebe.

 

Lieblingsfestival:

Gampel.

 

Orte, an denen ihr Texte schreibt:

Überall, wo ein Computer ist.

 

Wenn du ein Tier wärst, welches wärst du?

Ein tasmanischer Nacktnasenwombat.

 

Wenn du eine Frucht wärst, welche wärst du?

Eine, die ganz weit oben am Baum wächst, damit man mich nicht pflücken kann.

 

Wenn du ein Regentropfen wärst, wo würdest du landen?

Im Indischen Ozean.

 

Faschismus:

Scheisse.

 

Dein Instrument:

Klavier, würde ich mal behaupten.

 

Musik:

Super.

 

Schweiz:

Sehr schön.

 

Fussball:

Leidenschaft.

 

Zum Schluss hätten wir noch einen speziellen Wunsch: Könntest du uns irgendwas zeichnen?

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