Kultur | 29.08.2010

“Seht es als Chance, nicht als Bedingung!”

Text von Jana Kilchemann | Bilder von Anina Eigenmann
Vor sechs Jahren wurde der erste kantonale Preis für junge Literatur in Solothurn verliehen. Damals gewann ihn Anina Eigenmann aus Lostorf. Doch wie ging es nach dem Wettbewerb weiter? Tink.ch traf sich mit der heute 22 jährigen Anina in Basel, wo sie studiert.
Anina Eigenmann hat 2004 spontan am Wettbewerb teilgenommen und überraschend gewonnen.
Bild: Anina Eigenmann

Anina, wo stehst du heute?

Anina Eigenmann: Seit 2006 studiere ich in Basel Geschichte und Deutsch. In zwei Jahren kann ich das Studium mit dem Master abschliessen. Seit ich an der Uni angefangen habe, lebe ich zusammen mit meiner Zwillingsschwester Laura hier in Basel. Aufgewachsen bin ich jedoch in Lostorf.

 

Wie ging es dir, als du 2004 den kantonalen Preis für junge Literatur entgegennehmen durftest?

Das kam für mich sehr überraschend – Ich hatte bis dahin noch nie irgendetwas gewonnen. Besonders war, dass meine Zwillingsschwester den zweiten Platz belegte. In der Kanti hatten wir damals im Deutschunterricht einen Flyer für den Wettbewerb bekommen. So machte ich mal spontan mit, erwartete aber nicht, dass ich gleich gewinnen würde.

 

Inwiefern hat sich deine Beziehung zum Schreiben durch den Wettbewerb verändert?

Seit ich schreiben kann, schreibe ich Geschichten. Mir fiel das Schreiben von Hand immer schwer, deshalb ich als Kind oft die Schreibmaschine benutzt. die wir zu Hause hatten. Doch der Wettbewerb hat mein Bewusstsein für die Sprache erst richtig geweckt. Ich habe danach auch vermehrt neben der Schule geschrieben. Unter anderem habe ich dann auch Jahre in eine längere Geschichte investiert. Darin geht es um einen Lehrer mit einer introvertierten Persönlichkeit, dessen Leben voller Zwänge ist. Im Verlauf der Handlung probieren verschiedene Charaktere diesem Mann zu helfenI. Ich wollte das Werk auch veröffentlichen, fand jedoch keinen Verlag.

 

Wie ging es nach der Preisverleihung weiter?

Nach der Preisverleihung bin ich von der Stiftung Rentsch angefragt worden, ob ich nicht Lust hätte, mich noch für einen anderen Förderpreis zu bewerben. Ich dachte mir: Warum nicht? Und ganz unerwartetet habe ich dann 2009 noch einmal einen Literaturpreis gewonnen. Beruflich musste ich mich dann bald einmal entscheiden, wie es weitergeht nach der Kantonsschule. Für mich gab es mehrere Varianten: Biologie, Geschichte und Deutsch studieren oder Schriftstellerin werden. Eigentlich hätte mich Letzteres sehr interessiert, doch da ich mich nicht nur auf das Schreiben allein konzentrieren wollte, entschied ich mich für Geschichte und Deutsch.

 

Hast du schon eine Idee, wie es nach dem Studium in zwei Jahren weitergehen soll?

Früher wollte ich immer Kanti-Lehrerin werden. Doch ich habe während des Studiums ein Praktikum in einem Literaturarchiv gemacht und die Arbeit dort hat mir sehr gefallen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, einmal in diese Richtung zu gehen. Dennoch habe ich meinen früheren Berufswunsch, Lehrerin zu werden, noch nicht ganz aufgegeben. Es steht alles noch offen.

 

Das Studium klingt nach einem Vollzeitjob. Hast du da noch Freizeit?

Seit drei Jahren fechte ich einmal die Woche. Dieses Hobby ist als Ausgleich sehr wichtig für mich.

 

Möchtest du den Teilnehmern 2010 einen Tipp geben?

Ich möchte dazu anregen, zu experimentieren. Das hat mir jedenfalls immer geholfen beim Schreiben. Neues ausprobieren ist wichtig. Und natürlich immer viel lesen. Man sollte sich auch nicht unter Druck setzen, falls man einen Preis gewinnt. Oft denkt man dann, dass alle jetzt Grosses von einem erwarten. Doch seht es als Chance und nicht als Bedingung.